Handwerk ärgert sich über Bürokratie

Die Obermeister der Handwerksinnungen trafen sich in dieser Woche im Charlottenhof zu einem Gespräch mit MdB Marianne Schieder (sitzend Mitte). Bild: rid
Wirtschaft
Schwandorf
12.03.2016
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Mindestlohn, Aufzeichnungspflicht, Meistervorbehalt, Freihandelsabkommen, Nachwuchsmangel: Das sind Themen, die den Handwerksbetrieben derzeit Sorge bereiten. Im Gespräch mit der Bundestagsabgeordneten Marianne Schieder berichteten die Obermeister von "den Stolpersteinen, die sie in ihrer täglichen Arbeit behindern".

"Eine gute Verwaltung ist wichtig", betonte Kreishandwerksmeister Christian Glaab, "sie darf die Betriebe aber nicht überfordern". Stichwort "Mindestlohn": Für die Handwerksmeister ist das "ein staatlicher Eingriff in die Tarifautonomie". Im Handwerk verdiene ohnehin "niemand unter zehn Euro". "Wir wehren uns gegen die martialischen Auftritte der Zollbeamten, die in der Früh um 6 Uhr auftauchen, den Laden zusperren und die Kunden vertreiben", sagte der Schwandorfer Bäckermeister Glaab.

MdB Marianne Schieder (SPD) verteidigt den Mindestlohn und auch die Notwendigkeit der Überprüfung, verurteilt aber unangemessenes Auftreten der Beamten. "Melden Sie mir konkrete Einzelfälle, denen werde ich nachgehen", versprach die SPD-Abgeordnete. Für sie habe der Gesetzgeber eingreifen müssen, um "soziale Gerechtigkeit" zu schaffen. Die Tarifpartner seien nicht imstande gewesen, angemessene Abschlüsse zu erzielen. In weiten Teilen des Landes gebe es ohnehin keine Tarifbindung, so die Bundestagsabgeordnete.

Die Obermeister beklagten den "Bürokratie-Wahnsinn". Immer wieder werde neu draufgesattelt, "anstatt die bestehenden Verordnungen ein paar Jahre laufen zu lassen". Für Marianne Schieder sind diese Forderungen zu allgemein. "Konkrete Beispiele bitte", sagte sie zu den Handwerksmeistern, "dann will ich mich darum kümmern".

Beim Thema "Meistervorbehalt" ist die SPD-Politikerin mit den Vertretern des Handwerks einig. Nur wer die Meisterprüfung abgelegt habe, dürfe sich selbstständig machen und ausbilden. Auch beim geplanten Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA herrschte Einigkeit: "Die hohen Qualitäts- und Sozialstandards des deutschen Handwerks müssen gewahrt bleiben."

Die Handwerksbetriebe klagen über Nachwuchsmangel. Deshalb appelliert Kreishandwerksmeister Christian Glaab an seine Kollegen: "Gebt jungen Flüchtlingen eine faire Chance für ein würdiges Leben in unserer Gesellschaft." Er selbst habe bereits einen Asylbewerber als Praktikanten gehabt und gute Erfahrungen gemacht.
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