Handwerk sucht Nachwuchs
Betrieben fehlen die Bewerber

Agentur-Leiter Joachim Ossmann (rechts) besuchte den Familienbetrieb Glaab und sprach mit Bäckermeister Christian Glaab über die derzeitige Lage des Handwerks. Bilder: rid(2)
Wirtschaft
Schwandorf
11.02.2016
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Ramona (19) hat nach der Schule eine Hauswirtschaftslehre gemacht und schließt jetzt eine Bäckerausbildung an. Sie ist derzeit der einzige Lehrling in der Bäckerei Glaab in Schwandorf. Der Kreishandwerksmeister würde gerne einen weiteren einstellen. Aber das ist gar nicht so leicht.

Der Geschäftsführer des Agenturbezirks Schwandorf, Joachim Ossmann, besuchte am Donnerstag den Familienbetrieb und betonte: "Das Handwerk stellt nach wie vor eine starke Ausbildungs-Säule". Vor allem in der Oberpfalz. Sie liege bei der handwerklichen Ausbildung bayernweit an zweiter Stelle, so Ossmann. Was er feststellt: "Die Betriebe sind weiter in hohem Maße bereit auszubilden". Woran es fehlt, sind die Bewerber. Das war schon einmal ganz anders.

Bäckermeister Christian Glaab klopft sich an die eigene Brust: "Wir haben versäumt, uns rechtzeitig den Nachwuchs zu sichern". Jetzt, da die älteren Mitarbeiter in Rente gingen, tue sich die Lücke auf. Die Werbung für das Handwerk zeitige allerdings erste Erfolge, so Glaab: "Wir konnten im vergangenen Jahr bei den Lehrverhältnissen erstmals wieder leichte Zuwächse verzeichnen".

Den jungen Leuten macht der Bäckermeister die Arbeit im Handwerk schmackhaft: Vielfalt von 140 verschiedenen Ausbildungsberufen, Regionalität, Aufstiegsmöglichkeit zum Meister, Sprung in die Selbständigkeit und gute Bezahlung. Gerade beim Geld lässt Christian Glaab keine Gegenargumente gelten: "Ein guter Handwerker verdient heute mehr als so mancher Akademiker".

Keine Patentlösung


Was vor allem den Bäcker- und Metzgerbetrieben einige Auszubildende "gekostet" hat, war die Berufsschulreform. "Die Lehrlinge müssen jetzt in die Schule nach Amberg fahren", kritisiert der Kreishandwerksmeister. Die Bewerber stammten oft aus sozial schwächeren Familien, die sich die Zugfahrt nicht leisten könnten. Und wie sieht es mit ausländischen Jugendlichen und Asylbewerbern aus? Für Agentur-Leiter Joachim Ossmann ließe sich damit durchaus die eine oder andere Lücke schließen.

Doch eine Patentlösung sieht er darin nicht. Vielmehr: "Wir müssen den handwerklichen Nachwuchs aus eigenen Leuten rekrutieren". Dazu gehöre aber, "dass wir keinen einzigen fallen lassen". Soll heißen: Schule und Betriebe müssten alle Anstrengungen unternehmen, "damit keiner verloren geht". Auch Bäckermeister Christian Glaab denkt an die Beschäftigung eines Asylbewerbers und bot einem Jugendlichen aus Somalia bereits die Möglichkeit zu einem Praktikum an. So wie 900 andere Betriebe in Niederbayern und der Oberpfalz auch. "Das Problem ist die Sprache", macht er deutlich. In der Berufsschule müsse sich auch der ausländische Lehrling die theoretischen Grundkenntnisse aneignen. Die gleichen Maßstäbe legt Christian Glaab auch bei den deutschen Jugendlichen an: "Ich stelle nur einen Lehrling ein, vor dem ich überzeugt bin, dass er die Ausbildung auch zu Ende bringen kann".
Ein guter Handwerker verdient heute mehr als so mancher Akademiker.Kreishandwerksmeister Christian Glaab
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