Informationen für Legehennenhalter zu den Auswirkungen des Kupierverbots
Damit der Schnabel nicht zur Waffe wird

Die Leiterin des Fachzentrums für Kleintierhaltung, Anna Nagel (rechts), und der Fachberater für Geflügel, Alfons Wittmann, waren zwei der Referenten beim Fachseminar für Legehennenhalter. Bild: Hösamer
Wirtschaft
Schwandorf
16.05.2017
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Legehennen wurde bislang der obere Teil des Schnabels gestutzt, damit sich die Tiere nicht gegenseitig verletzen. Seit 1. Januar ist dieses "Kupieren" nicht mehr erlaubt. Die Anforderungen, die sich für die Legehennenhalter daraus ergeben, waren Thema eines Seminars am Montag im Tierzuchtzentrum. Rund 50 Halter aus ganz Bayern ließen sich von Anna Nagel, der Leiterin des Fachzentrums Kleintierhaltung in Kitzingen, und weiteren Referenten informieren. Federpicken und Kannibalismus unter den Hennen sind die Probleme, die nach dem Verbot des Kupierens auftreten können. "Durch das Kupieren wurde den Tieren ein Teil ihrer schärfsten Waffe genommen", erläuterte der zuständige Fachberater am Amt für Landwirtschaft, Alfons Wittmann.

Im Sinne des Tierwohls ist das Kupieren nun allerdings nicht mehr erlaubt. Damit sich die Tiere nicht gegenseitig verletzen, sollen ihnen Beschäftigungsmöglichkeiten gegeben werden. So könne Luzerne als Beschäftigungsfutter genutzt werden, um Aggressivität der Vögel gegen ihre Artgenossen zu verhindern. An Picksteinen nutzen die Hühner ihre spitzen Schnäbel ab, auch Grünmehlblocks können nützlich sein.

Kupierte Tiere dürfen seit dem 1. Januar nicht mehr aufgestallt werden. Schon in der Aufzucht müssten die Tiere deshalb auf mögliches aggressives Verhalten hin beobachtet werden, sagte Wittmann. Besonders dann, wenn das Federkleid gewechselt wird. Dann bleiben an den Vögeln blutige Kiele. Hennen, die dann im wahrsten Sinne des Wortes an ihren Artgenossen "Blut lecken", können später dazu neigen, ihre Stallgenossen anzugreifen. Besonders die nach der Eiablage ausgestülpte Kloake der Tiere ist dann gefährdet. Wird sie verletzt, drohen Infektionen. Diese können im Stall zu hohen Verlusten führen, erläuterte Wittmann.

Ruben Schreiter (Landesanstalt für Landwirtschaft, LfL),referierte über Auftreten und Ursachen von Federpicken und Kannibalismus, Alfons Wittmann über schnabelgerechte Fütterung der Legehennen, Dr. Hana Nemec vom Tiergesundheitsdienst über Vorbeugung und Notfallmaßnahmen. Auch die wirtschaftlichen Auswirkungen des Kupierverbots waren Thema, weil auch die Besatzdichte in den Ställen eine Rolle bei der Aggressivität der Tiere spielen kann.

Laut Wittmann gib es in der Oberpfalz rund 50 Legehennenhalter im Erwerbsbereich. Die Größe der Höfe variiert stark und liegt zwischen 500 und 200 000 Tieren. Die Anzahl der Geflügelhalter ist weitaus größer. Sie liegt alleine im Landkreis Schwandorf bei knapp 1500.
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