Integration von Flüchtlingen auf dem Arbeitsmarkt
Keine Konkurrenz

Michael Horsch (Horsch Maschinen, von links), Thomas Donhauser (Gebr. Donhauser), Sabrina Scharf (MeillerGHP), Stefan Segerer (Segerer Logistik) und Werner Schwarz (EMZ Hanauer) kooperieren mit der Arbeitsagentur, wenn es um die Integration von Flüchtlingen geht. Bereichsleiter Wolfgang Zwicknagl und Agenturchef Joachim Ossmann legten am Freitag erste Zahlen vor. Bild: Hösamer
Wirtschaft
Schwandorf
16.07.2016
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"Die Flüchtlinge kommen langsam auf dem Arbeitsmarkt an," sagte der Chef der Agentur für Arbeit, Joachim Ossmann. Beim Pressetermin zum Thema Integration am Freitag (siehe Seite 25) betonte er, dass die in Zahlen belegbaren Integrationserfolge zwar momentan noch klein sind - sich aber angesichts der kurzen Zeit seiner Meinung nach sehen lassen können.

Wesentlichen Anzahl daran haben Unternehmen wie Horsch Maschinen, die schnell reagierten und sich in der Pflicht sahen. Und auch andere in der Pflicht sehen, wie es Michael Horsch formulierte: "Greift das an, das ist die Chance, auch für die Gesellschaft." Gut ausgebildete junge Leute, die auch Demokratieverständnis lernen, das sei auch bei der Rückkehr ins Heimatland "die beste Chance, Frieden zu schaffen."

Belegschaft einbinden


Wichtig war Horsch wie auch seinem Unternehmerkollegen Thomas Donhauser zweierlei. Erstens: Die angebotenen Ausbildungsplätze gibt's zusätzlich zu den geplanten. Einheimische ziehen also nicht den Kürzeren, wie auch nicht bei den finanziellen Mitteln der Agentur, wie Joachim Ossmann und Bereichsleiter Wolfgang Zwicknagl betonten. Die Agentur hat rund 1,5 Millionen zusätzliches Geld bekommen, um es für Integration einzusetzen. Zweitens, so Horsch: Man muss die Belegschaft mitnehmen, und da gab's durchaus unterschiedliche Erfahrungen. In Schwandorf hätten die Mitarbeiter sofort mitgezogen, im ostdeutschen Werk des Landmaschinenherstellers habe es größere Ressentiments gegeben. Auch dafür müsse man Verständnis haben, sagte Horsch, und eben versuchen, den Menschen ihre Ängste zu nehmen.

Heterogene Gruppe


"Integration ist Marathon, nicht Sprint", sagte Zwicknagl. Schlüssel ist zunächst die Sprache, die in Kursen und an Schulen vermittelt wird. Gleichsam zeigten sich die Wirtschaftsvertreter überrascht, wie schnell sich manche Flüchtlinge verständlich machen können. Aber: Ein Beruf stellt größere Anforderungen als Small-Talk. Das beginnt schon bei Sicherheitsunterweisungen und endet nicht bei technischen Begriffen. Deshalb wird in den speziellen Klassen Berufsschule zusätzlich nachmittags im Deutschunterricht gebüffelt, was vormittags im Fachunterricht Thema war. "Es ist eine sehr heterogene Gruppe", sagte Karl Ziegler von Kolping, und Karin Urban (Dr. Loew) stimmte zu. Das Bildungsniveau der zu 80 Prozent männlichen Flüchtlinge reicht von ein paar Jahren Schule bis hin zum Studium. Und: Vor allem die jungen Leute stehen oft gehörig unter Druck. Denn die Familie zu Hause hat die Flucht mit dem letzten Heller finanziert in der Hoffnung, dass der Sohn in Europa bald Geld schicken kann. Ein paar Euro reichen da oft für den Lebensunterhalt. "Das ist Wahnsinn," sagte Donhauser.

Jetzt gehe es auch darum Wohnraum für die Flüchtlinge zu schaffen, wenn sie die Wohngruppen und Unterkünfte verlassen können. "Wir müssen auch B sagen", betonte Horsch. Vielleicht sogar mit einem Lehrlingswohnheim. Das, so sagte Horsch, könne aber nur zusammen mit der öffentlichen Hand funktionieren. Davon könnten letztlich auch einheimische Jugendliche profitieren. Die räumliche Entfernung zur Wunsch-Lehrstelle kann auch für sie ein unüberwindbares Hindernis sein. Da muss kein Mittelmeer dazwischen liegen.

Integration ist Marathon, kein Sprint.Wolfgang Zwicknagl, Agentur für Arbeit
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