Lint statt Link: Polnische Züge auf Abstellgleis

Dieseltriebwagen vom Typ Lint 41 sind für die Deutsche Bahn - wie hier im Sauerland - bereits im Einsatz. Solche Fahrzeuge hat die Länderbahn nun auch für die Oberpfalzbahn bestellt. Sie sollen ab Frühjahr/Sommer 2016 zum Einsatz kommen. Bild: Deutsche Bahn/Wolfgang Klee
Wirtschaft
Schwandorf
26.02.2015
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Die technischen Probleme scheinen so schwerwiegend, dass die Länderbahn die Notbremse zieht: Wann die neuen Fahrzeuge aus Polen fahren können, ist offen. Die zwölf Triebwagen stehen derzeit wieder beim Hersteller. Fahrtziel: unbekannt.

Eigentlich sollten zwölf Dieseltriebwagen vom Typ Link des polnischen Herstellers Pesa seit Dezember 2014 fahren. Doch sie haben vom Eisenbahn-Bundesamt noch keine Zulassung bekommen. Die Behörde teilte auf Anfrage mit, dass noch Unterlagen und Dossiers für zahlreiche Fachgebiete ausstehen. Diese müsste Pesa beibringen.

Fahrzeug zu breit?

Vieles deutet darauf hin, dass die Mängel derart gravierend sind, dass die Länderbahn auf absehbare Zeit nicht mit einer Zulassung rechnet. Polnische Medien berichten, dass der Liefervertrag mit einem Bestellwert von mehr als 30 Millionen Euro zu platzen droht. In Eisenbahn-Foren im Internet wird spekuliert, dass die Fahrzeuge im unteren Bereich zu breit seien. Eine Bestätigung dafür gibt es jedoch nicht. Sowohl der Besteller, die Länderbahn, als auch der Hersteller halten sich bedeckt. Das Bahnunternehmen gab am Donnerstag bekannt, dass es für die Strecke Marktredwitz-Regensburg andere Züge vom Hersteller Alstom bestellt. "Mit dem Lint 41 steht ein bereits in Deutschland zugelassenes und vielfach eingesetztes Fahrzeug zur Verfügung, welches damit unser Risiko einer weiteren Verzögerung des Einsatzes der Neufahrzeuge auf ein Minimum reduziert", machte Gerhard Knöbel, Vorstand der Länderbahn, laut Pressemitteilung deutlich.

Verhandlungen noch nicht abgeschlossen

Die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG), die den Regional- und S-Bahn-Verkehr im Freistaat plant, finanziert und kontrolliert, habe dem bereits zugestimmt. Die eigentlich vorgesehenen Link-Triebwagen werden nicht mehr erwähnt. Auch auf Anfrage war keine weitere Stellungnahme zur Zukunft der Züge zu erhalten. Gleiches Bild in Polen: Wie das polnische Online-Portal "wyborcza.pl" vor wenigen Tagen berichtete, stehen die zwölf Link derzeit auf Abstellgleisen am Firmensitz von Pesa in Bydgoszcz. Führungskräfte des Herstellers wollten gegenüber der Internetseite keinen Kommentar abgeben. Bevor die Verhandlungen mit dem Kunden nicht abgeschlossen sein, werde man nichts sagen, wird ein Firmensprecher zitiert.

Novum in Deutschland

Die Länderbahn wäre das erste deutsche Unternehmen gewesen, das Züge aus polnischer Produktion im Nahverkehr einsetzt. Aber auch die Deutsche Bahn hat einen Rahmenvertrag mit Pesa abgeschlossen. Bislang ist der Link nur in Tschechien im Einsatz In der Oberpfalz werden bis zur Lieferung der Lint 41 weiter die bisherigen Züge unterwegs sein. "Wir bedauern sehr, dass wir unsere Fahrgäste noch vertrösten müssen", erklärt Knöbel.
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