Renaissance der Schließfächer
Sparer „bunkern“ ihr Bargeld

Nur Bares ist Wahres? Die Deutschen horten Bargeld, und auch Goldbarren und Münzen sind in Niedrigzinszeiten beliebt. Oberpfälzer Banken erleben einen Ansturm auf Schließfächer. Bild: Götz
Wirtschaft
Schwandorf
31.03.2016
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Im Schließfach sind Bargeld und Gold doch sicherer aufgehoben als unter der Matratze. Viele Banken in der Region erleben einen regelrechten Ansturm der Kunden auf die Schließfächer. Die Gründe überraschen nicht.

Schwandorf/Amberg . "Wir sind weitestgehend ausgebucht", sagt Maximilian Zepf, Vorstandssprecher der Raiffeisenbank Schwandorf-Nittenau. Auch wenn der Inhalt der kleinen Tresore anonym und verschwiegen ist: Zepf vermutet als Grund für den Zulauf eine gewisse Angst angesichts der zunehmenden Einbrüche und Sorge vor baldigen Strafgebühren für hohe Beträge auf dem Konto. "Das Sicherheitsbedürfnis steigt."

Von einer "starken Nachfrage" nach Schließfächern berichten auch Gerhard Hösl (Vorstand der Vereinigten Sparkasse Neustadt) und Michael Püttner (stellvertretender Vorstand der Sparkasse Amberg-Sulzbach). Von einer "sehr hohen Nachfrage am Standort Weiden" spricht Rudolf Winter, Vorstandssprecher der Volksbank Nordoberpfalz. "Das überrascht mich selber." Schließlich führten die Schließfächer über viele Jahrzehnte ein Schattendasein als absolutes Nischenprodukt, waren "regelrecht out" (Winter). Aktuell wandeln sich offenbar die Inhalte der Stahlblech-Kassetten, die in der Vergangenheit meist wichtige oder diskrete Dokumente sicherten. Edelmetalle wie kleine Goldbarren, Münzen und Silber sowie Bargeld wähnt Püttner zunehmend in den Schließfächern, deren Inneres nur der Kunde kennt.

24-Stunden-Zugang


Schließfächer sind keine Billigheimer. Je nach Größe betragen die Kosten zwischen 27 Euro und 80 Euro im Jahr (Raiffeisenbank Schwandorf-Nittenau), zwischen 25 und 65 Euro (Sparkasse Neustadt) und jährlich 30 bis 90 Euro (Sparkasse Amberg-Sulzbach). Bei der RB Schwandorf-Nittenau und bei der Volksbank Nordoberpfalz kommen für den Kunden noch die Kosten für eine "individuelle Versicherung" hinzu: Was de facto heißt, dass die Schließfächer über die Bank nicht versichert, jedoch gesichert sind. Wobei die Wahrscheinlichkeit eines erfolgreichen Einbruchs in den Tresortrakt einer Bank vermutlich geringer ist als die Gefahr, vom Blitz getroffen zu werden.

Während im Normalfall die Schließfächer nur während der Bank-Öffnungszeiten offen stehen, bieten hier die Sparkassen Amberg-Sulzbach und Neustadt in ihren Hauptstellen einen 24-Stunden-Zugang - inklusive einer Versicherung. Der Schaden ist in der Regel jedoch bei 20 000 Euro gedeckelt. Die Standard-Größen der Mini-Tresore bewegen sich meist zwischen 30 mal 5 Zentimetern und 30 mal 32 Zentimetern in Länge und Höhe. Von Auerbach bis Waidhaus und von Erbendorf bis Weiherhammer zählt die Sparkasse Neustadt in ihrem Geschäftsgebiet rund 2800 Schließfächer, von denen etwa 70 Prozent belegt sind. Bei steigender Tendenz. Nach Beobachtung von Püttner und Winter kommt es vor allem in den Städten zu einer vermehrten Nachfrage.

"Entwicklung beunruhigt"


Sparkassen-Vorstand Gerhard Hösl macht keinen Hehl daraus, dass ihn die "gesamte Entwicklung beunruhigt": "Nicht mehr das Sparen, sondern das Schuldenmachen ist politisch gewünscht." Falls Strafzinsen auf Bankguthaben erhoben würden, müssten die Politiker vorher das Bargeld weitgehend verbieten: "Sonst käme es zu Abhebungen im großen Stil wie in Griechenland." Hösl wundert sich, "dass alles so ruhig bleibt".

Maximilian Zepf, ehrenamtlicher Bezirkspräsident des Genossenschaftsverbands Oberpfalz, rechnet damit, "dass Aufbewahrungs-Gebühren für bestimmte Summen auf den Konten kommen". Die Entscheidung falle in den nächsten zwei Monaten.
Aufbewahrungs-Gebühren für bestimmte Summen auf den Konten werden kommen.Maximilian Zepf, Bezirkspräsident des Genossenschaftsverbands
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