Schulversuch beginnt heute an den Gymnasien in Oberviechtach, Schwandorf und Nittenau - Zahlen ...
Großes Interesse an der neuen "Mittelstufe Plus"

Dem Tag, an dem die Abiturprüfung beginnt, strebt jeder Gymnasiast entgegen. Viele Schüler nehmen zur Entlastung einen kleinen "Umweg" in Kauf und lassen sich für die Mittelstufe ein Jahr länger Zeit. Das beweisen die Anmeldezahlen für den bayernweiten Testlauf. Bild: Hartl
Wirtschaft
Schwandorf
14.09.2015
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(mhö) Pünktlich zum Beginn des neuen Schuljahrs startet auch ein bayernweites Pilotprojekt. 47 Gymnasien erproben ab heute das Konzept "Mittelstufe Plus". Dabei wird die Mittelstufe um ein Jahr verlängert. Auch drei Schulen im Landkreis Schwandorf gehören zu den "Testern".

Vor zwölf Jahren wurde in Bayern das neunjährige Gymnasium zum Leidwesen vieler abgeschafft, ab diesem Zeitpunkt war nur noch von G 8 die Rede. Ab dem heute beginnenden Schuljahr wird allerdings an 47 Schulen in ganz Bayern ein neues Konzept eingeführt, die "Mittelstufe Plus". Konkret bedeutet das: Die gymnasiale Mittelstufe wird verlängert - plus ein Jahr. 8, 9, 9+ und 10 heißen die Jahrgangsstufen dort jetzt.

Gedehnter Stoff

Insgesamt haben sich 71 Gymnasien beworben, zwei Drittel davon testen ab heute das Projekt. Mit dabei sind auch drei Schulen im Landkreis: das Regental-Gymnasium in Nittenau, das Ortenburg-Gymnasium in Oberviechtach und das Carl-Friedrich-Gauß-Gymnasium in Schwandorf. Christian Schwab, der stellvertretende Schulleiter des Regental-Gymnasiums, erklärt die praktische Umsetzung. "Die Mittelstufe geht regulär drei Jahre, im neuen Konzept wird sie auf vier Jahre gedehnt." Dabei werde der Unterrichtsstoff nicht verändert, sondern lediglich umverteilt. Die Inhalte des Lehrplans und die Bücher unterscheiden sich nicht von denen im Regelzug, sie müssen allerdings nicht genau binnen eines Schuljahres durchgearbeitet werden.

Verpflichtend geschehe die Dehnung in den Kernfächern Mathe und Deutsch, häufig werde Englisch als erste Fremdsprache und meistgewähltes Abiturfach dazugenommen, schildert Oberstudienrat Günther Jehl vom Gymnasium in Oberviechtach. Als Orientierungshilfe für die Schulen hat das Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung (ISB) in München einen Plan zur Stoffverteilung erarbeitet, der den Schulen als Raster dient. Er dient allerdings eher als Hilfestellung, Schwerpunkte können schulintern und unverbindlich gesetzt werden.

Kleinere Klassen

Die Motive für das Konzept sind vielfältig. Zum einen werden die Schüler deutlich entlastet, der - sonst in der Mittelstufe bereits übliche - Nachmittagsunterricht entfällt. Daher bleibe mehr Zeit zum Lernen und Wiederholen, die Schüler können sich intensiver mit dem Stoff auseinandersetzen. Zum anderen bietet die "Mittelschule Plus" auch mehr Freiräume für Sport oder außerschulische Aktivitäten. "Das Modell ist daher keinesfalls nur auf leistungsschwächere Schüler ausgerichtet, es dient viel eher dazu, vielfältig interessierten Kindern und Jugendlichen neben der Schule die Möglichkeit zu geben, ihren Hobbys nachzugehen", so Schwab. Die Resonanz an den drei Pilotschulen in der Region ist groß.

Neue Form wird favorisiert

Am Gymnasium in Nittenau haben sich von den 57 Schülern, die nun in die achte Klasse kommen, lediglich zehn dafür entschieden, das reguläre G 8 zu machen. Die restlichen Schüler werden auf zwei weitere Klassen verteilt und absolvieren die "Mittelstufe Plus" in vier Jahren. Am Gymnasium in Oberviechtach wird ebenfalls die neue Form favorisiert, 63 von 89 Schülern werden dort in drei Klassen das neunjährige Gymnasium absolvieren, eine Klasse mit 26 Schülern bestreitet das reguläre G 8. In Schwandorf hat sich gut die Hälfte der 70 Schüler für die "Mittelstufe Plus" angemeldet, wie das Sekretariat mitteilte. Hier gibt's zwei achte Klassen, die das Konzept realisieren. Die 34 Kinder der dreijährigen Mittelstufe werden ebenfalls in zwei Klassen geteilt.
Dabei zeigt sich ein weiterer Vorteil, von dem die gesamte Mittelstufe profitiert: Die Klassen werden insgesamt kleiner, was die Lernsituation für Schüler und Lehrer angenehmer macht. Die drei Schulen fühlen sich gut vorbereitet und sehen dem Pilotprojekt positiv entgegen.
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