Wirtschaftsprofessor Dr. Arnold Weissman bei Zukunftspreis-Gala
Am Kundenwunsch scheiden sich die Geister

Der in Heroldsberg lebende Professor Dr. Arnold Weissman hielt den Festvortrag bei der Zukunftspreis-Gala des Landkreises. Sein Thema: "Auswirkungen der Digitalisierung auf die Geschäftsmodelle der Unternehmen." Bild: Götz
Wirtschaft
Schwandorf
29.11.2016
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"Was müssen wir morgen können?" Die Frage klingt futuristisch und passt zum Anlass. Bei der Zukunftspreis-Gala des Landkreises (wir berichteten) versucht Professor Dr. Arnold Weissman, sie während eines halbstündigen Vortrags zu beantworten.

"Das Land befindet sich in Bestform, wir haben eine hervorragende Ausgangssituation", zeigt er sich überzeugt, meldet aber gleich Bedenken an, "ob wir auch wirklich gut aufgestellt sind für die Zukunft." Er erwartet wirtschaftlich stürmische Zeiten, in denen sich zeigen muss, wie gut und krisensicher Unternehmer ihre Firmen gebaut haben. Fest stehe schon jetzt: "Alles, was digital möglich ist, wird irgendwann auch digitalisiert werden." Dann würden die üblichen Wertschöpfungsketten nicht mehr funktionieren, bedürfe es neuer Geschäftsmodelle.

Wandel bewusst machen


Der Wirtschaftswissenschaftler, der selber aus dem Mittelstand kommt, bricht eine Lanze für den deutschen Mittelstand: "Er ist unschlagbar bei den erhaltenden Innovationen." Aber: "Er zeigt Schwächen bei individuellen Lösungen." Die Fließband-Fertigung ergebe bald keinen Sinn mehr. Es komme stattdessen darauf an, maßgeschneiderte Angebote machen zu können. "Wer dabei die besten Daten zur Prozess-Steuerung hat, gewinnt das Spiel", rät er allen Firmeninhabern, die Digitalisierung zur Chefsache zu machen. Wer unter der bewährten Devise "Weiter so" arbeite, könne sich in Zukunft gewiss keine Wettbewerbsvorteile mehr verschaffen.

Wie schauen die Geschäftsmodelle der Gewinner dann aus? Professor Dr. Weissman gibt eine Devise aus: "Bei der Kundenorientierung müssen wir uns selbst erfinden." Denn für die digitale Revolution sei man in Deutschland zu wenig vorbereitet. Es mangle in den Unternehmen sicher nicht an der Annahme technologischer Herausforderungen, jedoch an den Strukturen der Vernetzung. Der Kunde verfüge dagegen über alle Mittel der Welt, sich zu informieren und den besten Anbieter auszuwählen: "Er wird morgen allmächtig sein."

Als Schlüssel zum Erfolg wertet der Professor die Bewältigung von vier großen Aufgaben: den Kunden bei allem betriebswirtschaftlichen Denken radikal in den Mittelpunkt zu stellen, die Geschäftsmodelle daran auszurichten, die operative Exzellenz zu beweisen und Menschen zu finden, die sich im Arbeitsleben darauf einstellen und bereit sind zum Umdenken, "auch wenn es ihnen jetzt noch gut geht." Am Ende seines Vortrags weiß Dr. Weissman: Was er erzählt hat, haben alle seine über 100 Zuhörer schon mal gehört, also gewusst. Aber es gehe ihm ja darum, ihnen die Situation bewusst zu machen, denn nur so entstehe die Bereitschaft, dauerhaft das Verhalten zu ändern.

Zur PersonProfessor Dr. Arnold Weissman (61) ist ein Wirtschaftswissenschaftler, der noch während seines Studiums die Firma seiner Eltern übernahm. Sie bauten Heizungen, handelten mit Mineralöl und betrieben Textilgeschäfte. "Ich habe am Anfang keinen Fehler ausgelassen", sagt er über seine eigene unternehmerische Tätigkeit. 1987 verkaufte er die Firma und wechselte die Seite: Er betreibt inzwischen in Nürnberg ein angesehenes Managementberatungshaus, das sich vorwiegend mit Familienunternehmen befasst. Bei der "Speakers Excellence" schaffte er es unter die Top-100 der Referenten. (am)
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