Infoabend mit den Bürgermeisterkandidaten
Ideen für die Gemeinde-Zukunft

In Unterauerbach stellten sich die Bürgermeisterkandidaten Hubert Jetschmann (links), Hans Gradl (Zweiter von links) und Joachim Schießl (rechts) vor und legten ihre Ziele dar. Moderiert wurde die Veranstaltung von Zweitem Bürgermeister Franz Grabinger (Zweiter von rechts). Bild: Tietz
Politik
Schwarzach bei Nabburg
16.11.2016
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Drei Kandidaten wollen bei der Bürgermeisterwahl am 4. Dezember die Nachfolge des im August verstorbenen Gemeindeoberhauptes Alois Böhm antreten. Bei einer Informationsveranstaltung in Unterauerbach stellten sich die Bewerber vor und legten ihre Ziele für die Gemeinde dar.

-Unterauerbach. Die Freie Wählergemeinschaft (FWG) Unterauerbach schickt bei der Bürgermeisterwahl am 4. Dezember keinen eigenen Kandidaten ins Rennen. Um die drei Bewerber für das Amt besser kennenzulernen sowie etwas über ihre Ziele und Vorstellungen zu erfahren, lud die Wählergemeinschaft am Dienstagabend zu einer Infoveranstaltung ins Gasthaus Kiener-Braun ein. "Was ist der Unterschied zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Schwarzach? Die Bundesrepublik suchte noch nach einem Kandidaten als Oberhaupt, wir hatten bereits drei", sagte Moderator Franz Grabinger einleitend scherzhaft.

Das Angebot, die Kandidaten besser kennenzulernen, interessierte: Nahezu sämtliche Plätze in der Gaststube waren besetzt. Bürger aus allen Ortsteilen der Gemeinde waren zum Infoabend gekommen. Nach Fragen, die Moderator Franz Grabinger den Kandidaten stellte, hatten die Bürger die Gelegenheit, Fragen an das Bewerber-Trio richten. Die Themen des Abends waren vielfältig:

Motivation zur Kandidatur

"In den vergangenen drei Jahren hat es mir immer gefallen, etwas für die Gemeinde zu erreichen", beantwortete Joachim Schießl die Frage zu den Beweggründen für seine Kandidatur. Er unterstrich: "Ich versuche das, was erreicht worden ist, auf einem guten Weg weiterzubringen". Hubert Jetschmann betonte, dass er voll hinter der Gemeinde stehe und auch vorausgehen möchte. "Wenn ich Bürgermeister werde, dann stehe ich dafür, dass man auch mal von Pontius zu Pilatus gehen muss, um etwas zu erreichen". "Lachende Gesichter treiben mich an", schilderte Hans Gradl seine Beweggründe. Dafür wolle er als Bürgermeister sorgen - getreu seinem Motto: "Mit Herz und Leidenschaft für die Heimat".

Vereinbarkeit mit dem Beruf

Wie Jetschmann und Gradl sagten, haben beide bereits mit ihrem Arbeitgeber gesprochen. Sie würden ihnen keine Steine in den Weg legen und wären mit einer deutlichen Reduzierung der Wochenarbeitszeit zugunsten des Bürgermeisteramts einverstanden. Schießl ist als Landwirt selbstständig. Auch er würde arbeitsmäßig kürzer treten, um genug Zeit für die Gemeinde zu haben.

Ziele für die Gemeinde

Joachim Schießl antwortete auf die Frage nach seinen möglichen Aufgabenschwerpunkten, dass durch laufende Projekte schon viel vorgegeben sei. Stichworte: Schlossbauernhof in Altfalter oder Straßensanierungen. Angegangen werden müsse die Mobilfunksituation. Im Blickfeld will Schießl auch den Erhalt des großen Kanalnetzes in der Gemeinde haben. Hubert Jetschmann bezeichnete den Schlossbauernhof ebenfalls als großes, aber sehr schönes Projekt. Ihm liege die Gemeinschaft in der Gemeinde sehr am Herzen. Als Beispiel nannte er das gemeinsame Anpacken, als die BR-Radltour im August Station in Wölsendorf machte. Hans Gradl hob das Miteinander in der Kommune auch als wichtiges Ziel hervor. Die Bürger sollten selber die Initiative zu verschiedenen Projekten ergreifen. Gradl nannte weiter das Pfarrhaus in Unterauerbach: Wenn es für die Gemeinde einmal die Möglichkeit geben sollte, es zu kaufen, sollte sie seiner Meinung nach zuschlagen. Außerdem wäre es ihm ein Anliegen, den Leerständen in der Gemeinde entgegenzuwirken.

Demografischer Wandel

Der Weg, um die Jugend in der Gemeinde zu halten oder wieder mehr junge Leute anzulocken, führt für Hans Gradl über die Vereine und das schöne Miteinander in den Orten. Dieses Gefühl müsse sich übertragen. Ansetzen könnte man seiner Meinung nach auch an der Infrastruktur: So gebe es in der Gemeinde zum Beispiel keinen Laden. Wenig Erfolgsaussichten sieht er darin, die junge Generation mit Arbeitsplätzen anzulocken: "Ein Gewerbegebiet werden wir hier wohl nicht bekommen". Joachim Schießl betonte, dass man als kleine Gemeinde aufpassen müsse, nicht von den Städten abgehängt zu werden. Gleichwohl gilt für ihn: "Lebenswert müssen die Bürger das Dorf selber machen". Wichtig sei es aber, dass das Leben auf dem Land die gleichen Möglichkeiten bietet wie in der Stadt. Stichwort: Breitbandversorgung. Wenn sich jemand in der Gemeinde selbstständig machen wolle, bestünde für Schießl die Möglichkeit, in einem Leerstand Räume zu schaffen. "Die jungen Leute finden keinen Bauplatz", sprach Hubert Jetschmann ein Problem an. Auch er sah eine wichtige Aufgabe der Gemeinde darin, sich für eine gute Versorgung mit schnellem Internet einzusetzen. Eine Möglichkeit, Industrie in der Gemeinde anzusiedeln, sah auch er nicht - Kleingewerbe hingegen schon.

Wirtschaftliche Entwicklung

Eine Frage nach konkreten Konzepten für die wirtschaftliche Entwicklung der Gemeinde beantwortete Jetschmann mit einer Gegenfrage: "Wo soll die Industrie hin, damit wir Gewerbesteuer bekommen?" Er könne kein Gewerbe herzaubern und wolle nun nichts versprechen, was er nicht halten könne. Hans Gradl sagte in Anspielung auf eine Firma in Schmidgaden: "Wenn jemand in der Garage anfängt und ein paar Jahre später zehn Hallen hat, ist das ein absoluter Glücksfall für eine Gemeinde". Außerdem sei dort im Gegensatz zu Schwarzach ein Autobahnanschluss vorhanden. "Ganz schwierig": So beantwortete auch Joachim Schießl die Frage nach möglichen Standorten für Industrie und Gewerbe. Es gebe ein paar Mischgebiete, in denen junge Menschen in die Selbstständigkeit starten könnten. "Aber die Bäume wachsen nicht in den Himmel", betonte Schießl.

Partnerschaft mit Pocinovice

Jetschmann und Schießl sprachen sich beide dafür aus, die Partnerschaft aufrecht erhalten zu wollen. "Sterben lassen sollten wir so etwas nicht", unterstrich Schießl. Auch Hans Gradl war dieser Ansicht, er betonte auch: "Ob man das so gut machen kann wie Alois Böhm, kann ich nicht versprechen".

Ideen für Unterauerbach

Was haben die drei Kandidaten für Pläne in Unterauerbach? Im Zentrum der Antworten auf diese Frage stand das Pfarrhaus bei der Kirche. Hubert Jetschmann befürwortete einen möglichen Kauf durch die Gemeinde durchaus - wenn es zu bekommen ist und die Kosten überschaubar sind. In das gleiche Horn stieß Hans Gradl: "Wenn es zum Verkauf steht und die Bürger sich wünschen, dass man das Gebiet zum Zentrum macht, muss man diese Gelegenheit beim Schopf packen". Joachim Schießl stimmte seinen Vorrednern zu. Er ergänzte aber noch, dass er von den Bürgern gerne ein Konzept hätte, wie das Gebäude samt Areal genutzt werden soll.

Jugendarbeit

Alle drei Bürgermeisterkandidaten waren sich auf eine entsprechende Nachfrage einig, dass die Jugendarbeit der Vereine eminent wichtig für die Gemeinde ist und unterstützt werden müsse. Bezüglich der Verteilung eventueller Gelder der Kommune brachte Hans Gradl noch ins Gespräch, sie nach Mitgliederzahlen anteilsmäßig aufzuteilen.

Die KandidatenDrei Kandidaten bewerben sich um die Nachfolge des im August verstorbenen Bürgermeisters Alois Böhm. Die Wahl zum Gemeindeoberhaupt ist am 4. Dezember. Sollte keiner der Kandidaten bei diesem Urnengang die absolute Mehrheit erhalten, werden die beiden Bewerber mit den meisten Stimmen zwei Wochen später - am 18. Dezember - in einer Stichwahl gegeneinander antreten. Die Amtszeit des neuen Gemeindeoberhauptes dauert bis April 2020 - also bis zum regulären Ende der Wahlperiode.

Um den Einzug ins Rathaus bewerben sich drei Gemeinderäte:

Hans Gradl (Freie Wählergemeinschaft Altfalter-Weiding-Richt) Hubert Jetschmann (Freie Wählergemeinschaft Schwarzach) Joachim Schießl (Freie Wählergemeinschaft Wölsendorf) (tib)


Zwei Halbsätze und ein WitzZum Schluss des Infoabends war Schlagfertigkeit gefragt: Moderator Franz Grabinger gab den Bewerbern zwei Halbsätze vor, die sie vervollständigen mussten. Sie antworteten folgendermaßen:

Ich möchte Bürgermeister werden...

Schießl: ...weil ich für das Wohl der Gemeinde einstehen werde. Gradl: ...weil ich mit Herz und Leidenschaft für die Heimat stehe. Jetschmann: ...weil ich bei der Nominierungsversammlung das Vertrauen bekommen habe und ich ein Bürgermeister für 13 Ortschaften werden will und nicht nur für zwei.

Wenn ich Bürgermeister werde, werde ich als erstes...

Gradl: ...wenn es schon am 4. Dezember ist, lasse ich den Nikolaus kommen. Jetschmann: ...nächste Frage. Schießl: ...meiner Frau sagen, dass ich gewonnen habe.

Eine Aufgabe hatte Moderator Franz Grabinger noch, bevor der Informationsabend nach rund zweieinhalb Stunden endgültig zu Ende ging: Die drei Bewerber für das Bürgermeisteramt mussten ihren Lieblingswitz erzählen. Auch diese Aufgabe meisterten die drei Kandidaten gut - wie der Applaus nach den Pointen zeigte. (tib)


Was ist der Unterschied zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Schwarzach? Die Bundesrepublik suchte noch nach einem Kandidaten als Oberhaupt, wir hatten bereits drei.Moderator Franz Grabinger
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