45-Jähriger rammt Einsatzfahrzeuge
Polizei sieht gezielte Attacken

Auf einem Feld bei der Ortschaft Wölsendorf endete die Flucht eines 45-Jährigen vor der Polizeikontrolle.

Die Ermittlungen zur Flucht eines 45-Jährigen mit dem Traktor vor der Polizei werden noch lange dauern. Polizeisprecher Armin Bock betont aber: "Es war eine ganz heftige Geschichte, was der getan hat". Dabei hätte es aus Sicht der Ermittler auch Todesopfer geben können.

Zwei Situationen deuten laut Oberstaatsanwalt Dr. Thomas Strohmeier darauf hin, dass dem 45-Jährigen bei seiner Flucht mit dem Traktor Leib und Leben der Polizeibeamten ziemlich egal waren: Zum einen ist der Tatverdächtige wohl gezielt auf einen Polizisten zugefahren. "Wenn er nicht auf die Seite gesprungen wäre, wäre er überrollt worden", schildert Polizeisprecher Bock auf Nachfrage der Redaktion.

In einer anderen Situation hat der 45-Jährige laut Dr. Strohmeier versucht, einen Beamten, der an einer Seite des Traktors hochgeklettert war, zwischen seinem Fahrzeug und einer Mauer einzuquetschen. Gegenstand der Ermittlungen ist auch der Schusswaffeneinsatz der Polizei im Laufe der etwa eine halbe Stunde dauernden Verfolgung rund um den Schwarzacher Ortsteil Wölsendorf. Dieser unterliegt natürlich bestimmten Regeln. So müssten - von Ausnahmen abgesehen - generell zunächst Warnschüsse abgegeben werden. "Der Betroffene muss bemerken, dass Waffen eingesetzt werden", beschrieb der Polizeisprecher das Prozedere. Dann habe der Schusswaffengebrauch gegen Sachen Vorrang vor dem gegen Personen. "Das ist hier geschehen", sagte Bock, dass die Beamten auf den Traktor geschossen hätten. Die Verhältnismäßigkeit des polizeilichen Vorgehens wird derzeit ebenfalls geprüft. Eine pauschale Aussage darüber, wann ein Einsatz abzubrechen ist, lasse sich nicht treffen, unterstrich Polizeisprecher Bock. Man müsse sich aber darüber im Klaren sein, "dass man nicht jeden Einsatz, bei dem es nicht so läuft, abbrechen kann". Dann brauche die Polizei überhaupt nicht mehr herausfahren.

"Wenn die Polizei einen Anhaltspunkt für eine Straftat hat, kann sie nicht sagen: 'Wir lassen alle Fünfe gerade sein'", sagte auch Oberstaatsanwalt Dr. Strohmeier. Er verwies darauf, dass ein Traktor ein "ganz erhebliches Zerstörungspotenzial" hat. Es bestehe die Gefahr, dass das Fahrzeug in den allgemeinen Straßenverkehr einfahre. Wenn es dann bei einem Unfall einen Verletzten oder einen Toten gegeben hätte, wäre die Frage gestellt worden, warum die Polizei nicht eingegriffen habe.

Wie Dr. Strohmeier weiter darlegte, befindet sich der 45 Jahre alte Traktorfahrer noch im Krankenhaus, wo ihm am Samstag der Haftbefehl wegen versuchten Mordes eröffnet worden sei. Die Frage, ob oder wie stark der Tatverdächtige alkoholisiert war, ist noch offen. Das Ergebnis der Untersuchung liegt noch nicht vor.
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