Oberpfälzer bauen OP-Saal in Afrika auf
Operation Tansania

Viel Zeit blieb nicht, um sich in Tansania umzuschauen. Der Schwarzenbacher Bernhard Forster baute in Kilimahewa einen OP-Saal auf. Für die Kinder brachte er Schulhefte mit. Bilder: hfz (5)
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Schwarzenbach
03.06.2016
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Aus den Oberpfälzer Krankenhäusern brachten die Männer auch einen OP-Tisch mit nach Afrika.

Im Februar 2016 heißt es für Bernhard Forster und Ewald Walberer: Endstation Afrika. Dort, wo Zebras und Elefanten nicht hinter Gittern leben, bauen die Männer im tansanischen Kilimahewa einen OP-Saal mit Geräten aus der Oberpfalz auf. Um sie herum Buschland.

In ihren Koffern stapelten sich Dübel und Werkzeug feinsäuberlich neben Mosquitonetzen. Eins ist klar: Gepäck für eine Urlaubsreise sieht anders aus. Nach Abenteuer klingt es aber trotzdem, was Forster und Walberer über ihre Erlebnisse in Tansania zu erzählen haben.

Den Anlass für ihre Reise beschreiben die Freunde so: Als Bruder Markus Forster, der vor Jahren in Kilimahewa eine Missionsstation aufgebaut hat, im vergangenen Jahr die Heimat besuchte, erzählte er, dass in der afrikanischen Krankenstation dringend zwei OP-Säle eingerichtet werden müssen. "Ich bin in der Medizintechnik tätig und wollte ihm helfen", erklärt der 56-jährige Forster. "Ich kenne Krankenhäuser in ganz Nordbayern." Ohne zu wissen, was daraus wird, habe der Schwarzenbacher einfach mal angefangen, ein Team zusammenzustellen: darunter Schreiner, Elektrotechniker und viele weitere Handwerker. "Ich brauchte Leute, auf die man sich verlassen kann."

Forster besuchte Krankenhäuser unter anderem in Eschenbach, Weiden, Regensburg, Schwandorf, Straubing und Deggendorf. Dort sammelte er Geräte, OP-Besteck, Rollstühle, Edelstahl-Tische und Toiletten ein. "Zwei bis drei Zentner Instrumente", schätzt der 56-Jährige. Zwei 20-Fuß-Container füllte der Schwarzenbacher mit Hilfe seines Teams. Forster ist wichtig, zu erklären, warum er gerade gebrauchte Geräte nach Tansania importiert hat. "Ein Kopierer kostet hier vielleicht 200 Euro, dort 5000. Es sagt jeder: Haben die keine Betten? Aber neue Geräte sind dort sündhaft teuer. Es rechnet sich, wenn ich gebrauchte von hier exportiere." "Es war gigantisch, was er alles gesammelt hat", erinnert sich Walberer. Dass ihm und Kumpel Bernhard eine Reise nach Afrika bevorstand, haben beide zu dem Zeitpunkt noch nicht geahnt.

Schließlich kam die Nachricht: Die Afrikaner können die Geräte nicht allein aufbauen. Sie brauchen Hilfe. "Einer muss mit", erinnert sich Forster. Ein Ärzte-Marathon begann. "Wir haben uns mit Tansania befasst. Impfungen gegen Gelbfieber zum Beispiel", berichtet Walberer. Am 20. Februar standen die Männer mit ihrem Gepäck - 54 Kilo pro Person - am Nürnberger Flughafen. "Ich habe mit allem gerechnet, wir haben alles mitgehabt", meint er. Bruder Markus habe die Männer vom Flughafen abgeholt und in einem Gästehaus der Benediktiner einquartiert. "Nach der ersten Übernachtung haben wir eine Städtetour durch Dar es Salaam gemacht. Den Fisch- und Schnitzermarkt gesehen." Für mehr blieb keine Zeit.

Die Container, vollgestopft mit Geräten, mussten per Hand entladen werden. "Wir hatten keine Stapler", sagt Walberer. Die Männer machten sich an den Aufbau von einem der beiden OP-Säle, packten die feinsäuberlich beschrifteten Kartons aus und stellten Geräte auf. "Die Zusammenarbeit war gut. Die Afrikaner waren sehr fleißig", lobt Forster. Die Einwohner verstanden ein paar Brocken Englisch, den Rest musste Bruder Markus übersetzen.

"Es sind Welten Unterschied. Das kann man sich gar nicht vorstellen", ist Walberer immer noch fasziniert. "Ich glaub' heute noch nicht, wie die so leben können. Die wohnen auf dem Fußboden." Wasser und Strom seien in den Hütten Fehlanzeige. "Die Krankenstation ist für dortige Verhältnisse ...", sucht Forster nach dem richtigen Wort. Um die Krankenstation haben sich mittlerweile immer mehr Menschen angesiedelt. Sie bedeutet Sicherheit und Versorgung. "35 Geburten pro Woche waren die Grundlage für den Bau", meint Forster. Der zweite OP-Saal fehlt allerdings noch. Den wollen die Oberpfälzer in diesem Jahr fertig bekommen. Diesmal soll ein 40-Fuß-Container nach Tansania gebracht werden. Für den Transport brauchen die Männer aber finanzielle Unterstützung. Mit 7000 bis 8000 Euro rechnen sie. Auf die Frage, ob sie alles selbst finanzieren, wenn zu wenig Spenden zusammenkommen, wissen Forster und Walberer noch keine Antwort. Eine andere Wahl haben sie aber kaum, meinen sie.

Es war gigantisch, was er alles gesammelt hat.Ewald Walberer über seinen Freund Bernhard Forster


SpendenÜber ihre Reise nach Tansania berichten Bernhard Forster und Ewald Walberer am 4. Juni im Sportheim Schwarzenbach und am 8. Juli im Pfarrheim in Pressath, jeweils um 20 Uhr. Der Eintritt ist frei, um Spenden für einen zweiten Transport dringend benötigter medizinischer Ausstattung wird gebeten. Gönner können sich per E-Mail an forster.elke@web.de melden. (spi)
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