Projekt "Dorfladen"
Mit 200 Euro zum Ladenbesitzer

Ein holzverkleideter Anbau wird aus der früheren Raiffeisenbank nicht nur einen gemütlichen Dorftreff, sondern auch ein architektonisches Gegenstück zur Dorflaube machen und so Gebäude wie Dorfplatz gleichermaßen abrunden. Die ursprünglich geplante Freiluftterrasse wird allerdings entfallen. Bild: bjp
Vermischtes
Schwarzenbach
11.06.2016
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Gute Erfolgsaussichten prophezeite Wolfgang Gröll vom Beratungsbüro "New Way" dem Projekt Dorfladen bei der gemeinsamen Sitzung von Gemeinderat und Dorfladen-Arbeitskreis (wir berichteten). Pro Jahr sei mit einem Umsatz zwischen 300 000 und 650 000 Euro zu rechnen.

"Das hängt davon ab, ob es gelingt, Alleinstellungsmerkmale zu entwickeln, die so attraktiv sind, dass recht viele Kunden vor allem deswegen das Geschäft aufsuchen", sagte der Experte. Für eine feste Kundenbindung empfahl er Qualitätswaren von regionalen Anbietern, aber auch schmackhafte Imbisse oder Aufmerksamkeit weckende Aktionen. "Das können Feste oder besondere Angebotstage mit einem originellen Thema sein."

100 000 Euro Startkapital


Ladenmobiliar, Warenerstausstattung, Startmarketing, ein Finanzpolster für den Anfang und weitere Startkosten erforderten etwa 100 000 Euro, schätzte Gröll. Dieser Betrag sollte zu rund 80 Prozent durch Eigenkapital abgesichert sein, das sich aus gut 60 000 Euro Bürgerbeteiligung in Form von Geschäftsanteilen sowie aus knapp 20 000 Euro Fördergeldern zusammensetzen könne. Den Rest könnten Hausbank- und Lieferantendarlehen decken.

Mit Blick auf die Dorfladen-Rechtsform gab der Referent der "haftungsbeschränkten Unternehmergesellschaft" (UG) den Vorzug vor der "eingetragenen Genossenschaft" (eG). Die UG, die einer GmbH ähnle, sei flexibler, aber auch wirtschaftlich stabiler. Außerdem erlaube sie der Gemeinde, eine rechtlich stärkere Stellung einzunehmen. Das wiederum wirke sich konsolidierend auf das Unternehmen aus.

"Von rund 30 genossenschaftlichen bayerischen Dorfläden haben 6, von über 100 UG-Geschäften nur 3, wieder zugemacht", illustrierte Gröll diese Aussagen. Gründung, Arbeit und unternehmerische Ziele einer UG gestalteten sich genossenschaftsähnlich. Die Inhaber von Unternehmensanteilen seien in Wahl- und Entscheidungsprozesse eingebunden.

Als UG setze sich die künftige Dorfladen-"Bürgergemeinschaft" ähnliche soziale Ansprüche wie eine Genossenschaft und übernehme in gleicher Weise Mitverantwortung für die lokale Gemeinschaft, betonte Gröll. "Gewinnmaximierung ist nicht oberstes Ziel." Jeder Gesellschafter habe unabhängig von der Zahl der erworbenen Anteile eine Stimme und hafte im Falle eines Scheiterns höchstens mit der eingezahlten Summe.

Der Berater empfahl als Wert eines Anteils 200 Euro. Dieser Betrag habe sich bewährt, um das Basiskapitel möglichst zügig zusammenzutragen. "Wer nicht so viel aufwenden kann oder will, kann zusammen mit einem oder mehreren anderen Bürgern einen Anteil zeichnen oder den Anteilspreis in Raten entrichten."

Schenken und Teilen


Auch die Ausgabe stimmrechtsloser Anteile mit niedrigerem Wert oder die Einzahlung beliebiger Beiträge als Schenkung seien denkbar. Diese Vorschläge billigten Arbeitsgruppe und Gemeinderat prinzipiell. Über Einzelheiten soll noch beraten werden.

Dies betreffe auch die Mindest-Bindungsfrist für einen Geschäftsanteil, die zwischen fünf und zwölf Jahren betragen könne. Es solle möglich sein, Anteile jederzeit auf eine andere Person zu übertragen. Nach Ablauf der Mindestfrist solle sich der Anteil jahrweise verlängern, eine Kündigung sei mit zwei Jahren Kündigungsfrist möglich. (Hintergrund)

Von rund 30 genossenschaftlichen bayerischen Dorfläden haben 6, von über 100 haftungsbeschränkten Unternehmergesellschaft-Geschäften nur 3, wieder zugemachtWolfgang Gröll
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