Kreuzweg im Passionisten-Kloster Schwarzenfeld
Ostern auf dem Miesberg

In der Karwoche wird das Angebot, in der Klosterkirche zu beichten, von sehr vielen Gläubigen wahrgenommen. Am Namensschild erkennt man, wer im Beichtstuhl sitzt.
Kultur
Schwarzenfeld
02.04.2015
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Einen Spagat zwischen öffentlicher Beanspruchung und dem Wunsch nach stiller Besinnung müssen die Passionisten gerade in der Osterwoche machen. Die Belastung ist manchmal so groß, dass die jungen Ordensleute einen neuen Ausdruck dafür erfunden haben. Der ist ziemlich witzig.

(td/mab) Um den Miesberg mit dem Kloster, dessen Grundriss die Form eines Doppelkreuzes besitzt, verläuft ein Kreuzweg, der nach einem Gelübde von Pater Viktor Koch 1951 erbaut und geweiht wurde. Der Münchner Bildhauer Karl Groher hat die Stationen seinerzeit entworfen und in der Porzellanmanufaktur Nymphenburg in Keramik herstellen lassen. Charakteristisch bei allen Stationen ist das mächtige, schwarze Kreuz.

Zur gleichen Zeit entstand die weit hin sichtbare Kreuzigungsgruppe, die ursprünglich aus Holz gefertigt, bald witterungsbedingt in Kunststein erstellt werden musste. Mit den überlebensgroßen Figuren ist es dem Bildhauer Rudolf Rotter gelungen, ein eindrucksvolles Werk auf einem "Golgatha-Hügel" zu schaffen. Seit Bestehen dieser Zeichen des Opfertodes Jesu mit seinen 14 Stationen, wird bei günstiger Witterung am Karfreitag um 10 Uhr der Kreuzweg mit vielen Gläubigen um den Berg gebetet - ersatzweise in der Kirche. Am "Tag der Grabesruhe", am Karsamstag, finden keine liturgischen Feiern statt.

Am Hochfest der Auferstehung, am Morgen des Ostersonntag also, strömen alljährlich Hunderte von Gläubigen bereits zur Auferstehungsfeier um 5 Uhr in die Wallfahrtskirche. Nach dem Gottesdienst um 8 Uhr umrahmt der Bergchor St. Barbara das feierliche Hochamt mit österlichem Gesang. Die Abendmesse ist um 19 Uhr.

"Maske abnehmen"

Die vielen kirchlichen Aufgaben in den Tagen zwischen Gründonnerstag und Ostermontag auf der einen Seite und der Wunsch nach Stille und dem Betrachten der Passion in der klösterlichen Gemeinschaft auf der anderen "ist nicht ganz einfach unter einen Hut zu bringen", versicherte Pater Lukas Temme, der in der kleinen Gemeinschaft die Funktion des Oberen ausfüllt.

Zu den acht Männern, die auf dem Miesberg leben, gehört auch Pater Gabriel Buchinger. Er freut sich jedes Jahr auf den Morgen des Gründonnerstag. Da hat sich ein Ritual eingebürgert, bei dem die einzelnen Mitglieder der Gemeinschaft den anderen Nachlässigkeiten und Fehler gestehen. "Maske abnehmen" könnte man zu dieser gruppendynamischen Zusammenkunft sagen, "die sehr stärkend ist, da löst sich etwas". Das Frühstück danach sei "das schönste des Jahres".

Stark eingespannt sind die vier Priester der Ordensgemeinschaft ab Karfreitag: Andachten, Gottesdienste, Beichtdienst - der Andrang ist manchmal so groß, dass im vergangenen Jahr im kleinen Kreis der Begriff "Beicht-Tsunami" die Runde machte. "Aber natürlich freuen wir uns, dass unser Beichtangebot genutzt wird", machte Pater Gabriel deutlich. Aber es sei eben auch anstrengend, vor allem für die älteren Mitbrüder. Jeder von ihnen genieße es, wenn Karfreitag-Abend die Seelsorge beendet sei "und wir uns am Heiligen Grab zum Gebet treffen und das Stabat Mater singen". Das seien "kostbare Momente", die nicht nur Pater Lukas wichtig sind. Sie dienen auch der geistigen Einstimmung auf den längsten Tag, der erst noch folgt - den Ostersonntag. Er beginnt für die Klostergemeinschaft um 3.30 Uhr. "Wenn dieser Tag vorbei ist, sind alle k.o." Pater Lukas schmunzelt: "Aber trotzdem verspüren wir die österliche Freude." Nur so gelingt auch der Spagat.
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