Stehende Ovationen

Zwei Dutzend Laien-Schauspieler und sechs Musiker erarbeiteten sich in unzähligen Proben eine Ausdrucks- und Darstellungskraft, die das Schauspiel "Die Holnsteiner - von Dame, König und Rossober" zu einem unvergesslichen Erlebnis werden ließ. Es war ein Geschenk des 1000-jährigen Marktes Schwarzenfeld an seine Bürger.
Kultur
Schwarzenfeld
31.12.2015
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Jutta Bollwein feierte in diesem Jahr einen Triumph als Regisseurin und Co-Autorin des historischen Festspiels "Die Holnsteiner - von Dame, König und Rossober", das im Oktober in Schwarzenfeld aufgeführt wurde. Bilder: Götz (2)

Jutta Bollwein ist ein kreativer Mensch mit scheinbar unerschöpflicher Schaffenskraft. Anders kann man sich kaum erklären, wie sie es geschafft hat, Schwarzenfeld in dessen Jubiläumsjahr so ein großartiges Geschenk zu machen.

/Steinberg am See. Im Vergleich zum 1000-jährigen Schwarzenfeld ist Jutta Bollwein natürlich noch sehr jung, auch wenn sie in dieser Woche einen "Halbrunden" feiern konnte. Und das Fest dazu dürfte auch einiges kleiner ausgefallen sein als die Jubelfeiern für ihren Geburtsort, die über Monate hinweg der 6000-Einwohner-Gemeinde an Naab und Schwarzach kulturelle Höhepunkte bescherte.

Aus dem Festreigen stach ein aufwendiges Theaterstück heraus. "Die Holnsteiner - von Dame, König und Rossober" hieß das historisches Festspiel, mit dem die Verbindung der modernen Kommune zu den früher dort ansässigen Grafen von Holnstein aus Bayern hergestellt wurde. Mitte Oktober erlebte das dreiaktige Schauspiel kurz hintereinander sieben umjubelte, ausverkaufte Aufführungen im Jugendheim auf dem Miesberg - vor jeweils bis zu 300 restlos begeisterten Zuschauern. "Es war fantastisch", erinnert sich die Regisseurin, die das Stück zusammen mit ihrer in München lebenden Schwester Helga Stano entwickelt hat. Aber bis zu diesem Triumph war es ein weiter und steiniger Weg.

Am Anfang stand eine Frage der Schwarzenfelder Kulturbeauftragten Lisa Wilhelm an Jutta Bollwein, "ob ich Regie führen würde für ein Festspiel, das es noch nicht gibt". Das war zur Jahresmitte 2014, und die in Steinberg am See lebende Kabarettistin und Theater-Enthusiastin sagte nach kurzem Bedenken zu. Und holte für diese außergewöhnliche Aufgabe ihre ältere Schwester Helga an Bord - eine Künstlerin, die mit ihrem großen historischen Wissen das bestellte Stück erarbeiten half.

Zur Jahreswende 2015 ging es dann auf die Suche nach Schauspielern - 24 von ihnen wurden gebraucht, dazu sechs Musiker. Praktisch alles Laien aus dem Marktflecken, die mit zunehmender Professionalität und im Laufe unzähliger Proben immer besser wurden. "Die Gruppe war einfach super", kommt Jutta Bollwein noch jetzt ins Schwärmen, "da gab es einen Zusammenhalt und keinerlei Hickhack".

Natürlich kamen im Laufe der langen Vorbereitungen immer wieder Zweifel und Ängste, ob das Großprojekt auch wirklich gelingen würde. "Außerdem kannte bis zum Schluss keiner der Mitwirkenden das ganze Stück." Dessen drei Akte spielen zu unterschiedlichen Epochen des 18. und 19. Jahrhunderts und waren jeweils in sich abgeschlossen.

Umjubelte Premiere


Wie sich schließlich zeigte, gelang das ambitionierte Werk ganz vorzüglich. Kein Wunder, dass nach der Uraufführung nicht nur Der neue Tag jubelte: ",Die Holnsteiner' feierte Premiere - mit stehenden Ovationen. Es war die verdiente Entschädigung für das Herzblut, das alle Beteiligten in das Projekt gesteckt haben. Die Inszenierung ist bis ins Detail ausgetüftelt und stimmig - von den Kostümen über die Maske, die Live-Musik bis hin zum Bühnenbild. Die historischen Fakten stimmen ausnahmslos und tragen auch noch ganz unterhaltsam zur Geschichtsbildung bei."

Wiederholen möchte Jutta Bollwein den Kraftakt so schnell nicht mehr. "Vielleicht soll man aufhören, wenn es am Schönsten war", überlegt sie. Vielleicht denkt sie aber auch schon über ein neues Projekt nach. Denn so schnell schalten kreative Köpfe bekanntlich nicht ab.

AristokratischAllongeperücken, höfische Etikette, Huldigungen, Schlösser und Ballsäle: Aristokratisch kleidete sich das Festspiel, das sich der Markt Schwarzenfeld zum 1000. Geburtstag geschenkt und mit der Inszenierung selbst ambitionierte Erwartungen übertroffen hat. Nobel kaschiert werden Seitensprünge, Verrat, Macht, Einfluss und Intrigen. Die reale Vorlage dazu lieferte das Grafengeschlecht der Holnsteiner selbst. Regisseurin Jutta Bollwein setzte drei Episoden mit faktischer Genauigkeit und mit Laienschauspielern um. Autorin Helga Katrin Stano strickte um die historischen Fakten Dialoge, Dienstbotentratsch und höfischen Klatsch.
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