Ackerböden verarmen nicht

Als innovative Technik für bodenschonenden Maisanbau gilt Strip-Till, eine Streifenbearbeitung mit Gülleausbringung für die nachfolgende Maissaat. Bilder: hfz (2)
Lokales
Schwarzenfeld
02.12.2014
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Wie kann man Einfluss nehmen auf die Ertragsfähigkeit zukünftiger Fruchtfolgen? Geht das vielleicht mit innovativem Ackerbau? Antworten suchte der dritte Oberpfälzer Bodenschutztag.

Josef Rupprecht vom Fachzentrum Agrarökologie des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Amberg ließ vor rund 120 interessierten Landwirten zunächst die wichtigsten Aktivitäten des Fachzentrums im letzten Jahr Revue passieren. Vorrangige Ziele waren die Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit durch Verhinderung von Bodenabtrag und Bodenverdichtungen und der Schutz der Gewässer und des Grundwassers. Wasserberater Josef Bösl und Roland Schleicher hätten hier bereits einiges bewegt.

Wildlebensraum-Berater

Ein Wildlebensraum-Berater, der ab 1. Januar 2015 vorläufig befristet für zwei Jahre eingestellt wird, soll zur Verbesserung der Lebensbedingungen von Wildtieren, wie Rehen, Hasen und Singvögeln, aber auch Insekten wie Bienen und Wildbienen beitragen, und dabei das Verständnis zwischen Landwirten, Jägern, Imkern und anderen Betroffenen verbessern. "Die Zeit ist reif für den Abbau von Vorurteilen bei Landwirten, Imkern, Jägern, Teichwirten und für mehr Verständnis für die sogenannte andere Seite. Gemeinsam kommt man weiter!", urteilte Rupprecht.

Anschließend zeigte Dipl.-Ing. agr. Karl Wacker anschaulich, wie ein fruchtbarer Boden aussieht und wie man die Fruchtbarkeit erhalten kann. Wichtig sei das richtige Füttern der Bodenlebewesen durch die Zufuhr organischer Masse, eine Möglichkeit dazu der Anbau von Zwischenfrüchten. Dabei biete der Anbau von Mischungen mit zum Beispiel Felderbsen (Stickstoffsammlung), Sonnenblumen (Durchwurzelung) und Senf (Erosionsschutz) Vorteile gegenüber dem Anbau einer einzigen Pflanzenart. Bestimmte Mischungen förderten besonders die Bildung wasserbeständiger Bodenkrümel durch Wurzelpilze (Mykorrhiza). Dabei werden mineralische Bodenteile durch einen biologischen Klebstoff, das Glomalin, aneinander gekittet.

Dr. Robert Beck, der Humusexperte der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft Freising, referierte über den Einfluss des Humusgehalts auf die langfristige Ertragsfähigkeit der Böden. Dazu stellte er Ergebnisse aus der Humusdatenbank Bayern und Exaktversuchen vor. Seine Kernaussage zu den Humusgehalten: Es sei keine Verarmung unserer Böden in Bayern feststellbar. Die Kohlenstoff- und Stickstoffgehalte sind in den letzten 25 Jahren nahezu gleich geblieben. Dies gelte auch für die Oberpfalz.

Erhalt des Humusgehalts

Wichtig zur Erhaltung der Humusgehalte sind pflanzenbauliche Einflussfaktoren. Vielfältige ausgewogene Fruchtfolgen mit Zwischenfrüchten (Leguminosen) wirken humusfördernd. Idealerweise sollte ein Maisanteil von 30 Prozent in der Fruchtfolge nicht überschritten werden. Organische Düngung wirkt sich positiv auf den Humusgehalt und die langfristige Ertragsfähigkeit aus.

Dazu muss man wissen, dass in zwei Gramm Ackerboden zehn Milliarden Mikroorganismen leben, mehr als Menschen auf der Erde. Dies entspricht auf einem Hektar der Masse von 15 Kühen. Eine riesige Artenvielfalt, die extrem anpassungsfähig ist, die aber auch gefüttert werden muss. Notwendig ist auch eine bedarfsgerechte Kalkversorgung für einen optimalen pH-Wert. Nach Aussagen von Dr. Robert Beck sei der Pflug entgegen der landläufigen Meinung nicht humuszehrend. Er führe aber dazu, dass in den obersten zehn Zentimetern weniger und darunter mehr Humus vorliege als bei einer nicht wendenden Bodenbearbeitung.

Zum Schluss ging er noch kurz auf das Biokohleprojekt 2013-2016 in Bayern ein. Biokohle könnte auf sandigen und trockenen Standorten zu einer verbesserten Wasser- und Nährstoffspeicherung führen und damit langfristig die Bodenfruchtbarkeit verbessern.

Prof. Dr. Ulrich Groß vom Lehrgebiet Landtechnik an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf untersuchte in seinem Vortrag den Einfluss der Bodenbearbeitung und Saattechnik auf die Bodenfruchtbarkeit.

Pionier des Ackerbaus

Im letzten Referat stellte Rupert Schmid, staatlich geprüfter Agrarbetriebswirt aus Aignhof bei Pielenhofen, seine Erfahrungen mit Strip-Till in Raps und Zuckerrüben vor. Bei diesen Verfahren erfolge eine tiefgründige Bearbeitung des Ackers lediglich auf schmalen Streifen, der Rest werde nur flach bearbeitet. Das Ziel sei es, den Energieaufwand und die Erosionsgefahr zu reduzieren. Es wurde deutlich, dass Rupert Schmid Pionierarbeit leistet, und zwar im Interesse eines innovativen und bodenschonenden Ackerbaus.
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