Aus der kirchlichen Geschichte des Jubiläumsortes
Zwei Bischöfe aus Schwarzenfeld

Lokales
Schwarzenfeld
20.06.2015
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Wer sich von Süden her kommend dem beschaulichen Marktflecken Schwarzenfeld nähert, dem stechen zuerst die markanten Türme von Schloss und den drei Pfarrkirchen ins Auge. Ein weiteres, geradezu einzigartiges Symbol gläubiger Hinwendung und volksnaher Religion zeigt sich auf dem Hügel mit der Miesbergkirche und dem Passionistenkloster.

70 Jahre protestantisch

"1000 Jahre Schwarzenfeld": Diese Zeitspanne zu beschreiben, verlangt auch den Blick auf das kirchliche Geschehen des einstmaligen Pfarrdorfs, der bis in das 13. Jahrhundert zurückreicht. So ist die Herrschaft des Geschlechts der Plankenfelser, in deren Besitz Schwarzenfeld im Jahre 1389 kam, eng mit der kirchlichen Entwicklung des Heimatortes verbunden. Wem ist bewusst, dass aus diesem Geschlecht auch zwei Bischöfe, nämlich Bischof Friedrich (er war 1454-1467 Bischof von Regensburg) und Bischof Ulrich von Plankenfels (1450-1457 Bischof von Chiemsee) hervorgingen? Aus Schwarzenfeld entstammen also zwei Bischöfe. Die Reformation im Jahr 1557 hielt auch im kleinen Ort an der Naab Einzug und führte dazu, dass der Religion des Kurfürsten zufolge, über 70 Jahre hinweg nur noch protestantische Gottesdienste abgehalten werden durften. Erst 1630, so die Überlieferung, wurde erstmals wieder ein katholischer Geistlicher eingesetzt. In den Wechsel zum ersten Jahrtausend fallen bayernweit Entstehungen von "Dionysius-Kirchen.

Der Hl. Ägidius als zweiter Schutzheiliger der Alten Pfarrkirche, galt zu früherer Zeit auch als Patron von Burgen und Schlössern. Somit erklärt sich der Standort in der Nähe des damaligen Schlosses. Auf das Jahr 1326 geht die erste urkundliche Erwähnung der kunsthistorisch wertvollen Kirche zurück, die im Jahr 1707 bei einem Großbrand völlig zerstört wurde. Mit unvorstellbaren Mühen gelangen Wiederaufbau und langwierige Restaurierungen ,die unter Pfarrer Franz Kobler 1877 abgeschlossen wurden.

1954: Marienkirche

Nach dem großen Leid des Dreißigjährigen Krieges entstanden als besondere Glaubenszeugnisse landauf landab Kapellen und Kirchen, geweiht der Hl. Dreifaltigkeit. So auch auf dem Miesberg, wo aus der damaligen kleinen Kapelle das stattliche aber dennoch heimelige Gotteshaus entstand. Seit dem Jahre 1721 blickt das Kirchlein weit in das Naabtal. Mit dem Klosterbau und Einzug der Passionistenkongregation erlebten Schwarzenfeld und Umgebung eine Bereicherung religiöser Anziehungsorte.

Durch das sprunghafte Ansteigen der Bevölkerungszahl nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs die Pfarrei plötzlich auf über 5000 Seelen an. Ein neues Gotteshaus galt es zu errichten und so hat sich Ehrenbürger Geistlicher Rat Johann Mühlbauer dazu entschlossen, 1952 den Grundstein für eine neue, große Pfarrkirche in zentraler Lage zu errichten. Die heutige Marienkirche entstand und wurde 1954 eingeweiht. Mit vierzig Metern überragt deren mächtiger Turm alle Bauwerke des Ortes.

Völlig verändert hat sich das Bild in Bezug auf das kirchliche Leben der protestantischen Gemeinde nach dem Krieg. Waren es beim ersten Gottesdienst 1941 noch wenige Familien, wuchs die Zahl der Protestanten nach Kriegsende durch Heimatsuchende auf über 500 Seelen an. Der Ruf nach einem eigenen Gotteshaus wurde laut und konnte 1952 in Nachbarschaft der Marienkirche umgesetzt werden. Bereits ein Jahr später fand die feierliche Weihe statt. Neun Jahre sollte es noch dauern, bis nach über 300 Jahren in Schwarzenfeld wieder eine evangelisch-lutherische Pfarrei entstehen konnte.
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