Dr. Martin Dallmeier, Vorsitzender des Historischen Vereins, spricht über "400 Jahre ...
Als bei der Briefbeförderung noch Pferde sterben

Lokales
Schwarzenfeld
20.06.2015
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Dass die einst so stolze Post im Zeitalter ungezügelter Telekommunikation und angesichts konkurrierender privater Paketdienste viel von ihrer einstigen Bedeutung verloren hat, kann man schon an den unzähligen geschlossenen Postämtern erkennen. Es gab jedoch Zeiten, in denen die Post durch neuer Postkurse und Einrichtung von Posthäusern und -stationen enorm an Einfluss gewann und Gemeinden an Postverbindungsstraßen wirtschaftlichen Aufschwung nahmen.

In diese vergangenen Jahrhunderte führte Dr. Martin Dallmeier, der Vorsitzende des Historischen Vereins für Oberpfalz und Regensburg und ehemalige Leiter des Thurn und Taxis Archivs, seine zahlreichen Zuhörer im Schwarzenfelder Jugendheim zurück.

Völlig neues System

"400 Jahre Kaiserliche Reichspost im Markt Schwarzenfeld 1615 - 2015" lautete das Thema des Vortrags, zu dem Peter Bartmann namens der "Briefmarken-Freunde Schwandorf" viele "Freunde der Geschichte und der Postgeschichte" als Teil der 1000-Jahr-Feierlichkeiten Schwarzenfelds willkommen hieß, unter ihnen Karl Wolfrum, den 92-jährigen, früheren Postamtsvorsteher in Nabburg und Schwandorf, und weitere geschichtlich Interessierte aus den benachbarten Städten. "400 Jahre sind eine lange Zeit", begann Dr. Dallmeier seine anschaulichen Ausführungen, "aber wir wissen recht sicher, dass um diese Zeit bereits eine Poststation in Schwarzenfeld existierte." Die Post sei ab dem 15. Jahrhundert eine völlig neue Kommunikationsmöglichkeit gewesen. Briefe wurden nämlich nicht mehr nur durch einen Boten, sondern durch mehrere Reiter befördert. "Bald war ganz Europa mit Postwegen überzogen, die aber nur in zu den großen dynastischen Zentren führten." Entscheidend war auch die rasche Steigerung der Geschwindigkeit durch die Verdichtung der Poststationen, die Intensivierung des Beförderungsrhythmus von monatlich auf wöchentlich und die Einrichtung neuer Kurse.

Den Freiherren von Taxis wurde in der Zeit das Postmonopol übertragen, was etwa die Metzger, die damals auf ihren geschäftlichen Reisen Überbringer von Nachrichten waren, nicht sonderlich begeisterte. Die offizielle kaiserliche Post hatte es somit gar nicht so leicht; dennoch installierte sie ab 1615 die Route "Nürnberg - Amberg - Schwarzenfeld - Furn - Rötz - Prag" mit der neuen Station Schwarzenfeld, das schon 1617 ein erstes Posthaus, das spätere "Gasthaus zur Post" besaß. Beklagt wurde allerdings auch eine zu lange Strecke zur nächsten Station, bei der schon mal "eines der besten Pferde verreckte".

Goethe war auch da

Abbildungen schöner Posthausschilder mit kaiserlichen Wappen, zeitgenössische Bilder und nette Anekdoten aus vergangener Zeit über das Ringen um die durchaus lukrative Posthalterei lockerten den Vortrag des Historikers auf. Bekanntlich beklagte sich ja Wolfgang Amadeus Mozart über das keineswegs kommode Fortkommen mit der Postkutsche, und auch Johann Wolfgang von Goethe müsste auf einer seiner Reisen wohl durch Schwarzenfeld gekommen sein.

Da in Schwarzenfeld gleich fünf Postkurse zusammenliefen, war der Ort als "Briefzentrum" recht bedeutend. 1806 begann der Weg, die Thurn- und Taxische Post zu "verstaatlichen", die Post wurde auf den bayerischen Staat übertragen, die Kaiserliche Post hatte ausgedient, Schwarzenfeld als Poststation aber sollte noch lange Zeit Bestand haben.

Langer Beifall und eine Vielzahl von Fragen der Zuhörer waren Beleg, wie gut Dr. Dallmeiers Vortrag angekommen war, und Peter Bartmann bedankte sich mit einem Buchgeschenk bei dem Referenten.

Abgerundet wurde die Veranstaltung mit einer kleinen, aber feinen postgeschichtlichen Ausstellung mit Originaldokumenten der Poststationen und wertvollen Briefmarken. Bestaunt wurde unter anderem eine originale Postkarte aus dem Jahr 1677, die von Köln nach Wien geschickt worden war.
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