Ernst Hofmann spezialisierte sich mit "Ökoweg" auf Remobilisierung von Menschen mit Handicap
Der Mann für die speziellen Räder

Lokales
Schwarzenfeld
09.08.2014
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"Viele Leute kamen zu mir, weil sie den Artikel gelesen haben, wie sich Evelyn Eggert mit Hilfe eines Spezialrads zurück ins Leben kämpfte", freut sich Ernst Hofmann, Inhaber des Spezialrad-Ladens "Ökoweg" in Schwarzenfeld (Kreis Schwandorf). Die Genesungsgeschichte der Weidenerin könnte Katalysator für einen Bewusstseinswandel sein: "Bisher wissen nur wenige, was sie mit ihrer Krankheit noch leisten können."

Evelyn Eggert hatte vor 30 Jahren einen Radunfall in Griechenland. Sie kippte um, schlug mit dem Kopf auf, hatte Gehirnblutungen. Eine dramatische Rettungsaktion ihres Mannes, Jochen Eggert, bewahrte ihr Leben - aber nach Koma und Reha drohte die Ärztin ein lebenslanger Pflegefall zu bleiben. Bis der Weidener Kieferchirurg durch Zufall auf "Ökoweg" stieß: "Er selbst war wegen eines Tandems da", erinnert sich Hofmann, "dass seine Frau selbstständig Rad fahren könnte, hielt er nicht für möglich."

"Das gibt's nicht"

Der gelernte Mechatroniker, der 2011 sein Hobby zum Beruf machte, sah das glücklicherweise anders: "Wenn sie mitfahren kann, ohne dass Sie sie festbinden müssen, dann kann sie auch alleine fahren", erklärte er Eggert. ",Das gibt's nicht'", habe der geantwortet, ",das probieren wir aus'." Hofmann richtete das "Hase Lepus" für die Frau her, die ihre rechte Hand und ihr rechtes Bein kaum bewegen kann. "Dann ist sie losgefahren und er kam zu Fuß nicht mehr hinterher." Das habe ihr Leben radikal verändert: "Sie kann schlicht wieder daran teilnehmen."

Die Eggerts sind nicht die einzigen Kunden mit Sonderwünschen. "Ich habe schnell herausgefunden, dass ich ein Gespür dafür habe, auf die Bedürfnisse eines Patienten einzugehen." Leider wüssten nur wenige, dass Spezialräder vor allem für Menschen mit Gleichgewichtsschwierigkeiten geeignet seien: "Auch Ärzte wissen das oft nicht", sagt der Fensterbacher. "Man versucht es mit Reha-Rädern, die oft sehr kippgefährdet sind, und glaubt, es geht nicht."

Die technischen Wundergeräte mit elektrischem Hilfsmotor haben ihren Preis. Der Bauaufwand ist komplizierter. Das Rad verfügt über eine breitere Spur und tiefere Sitzposition. Es ist weniger kippempfindlich, weshalb vom Rahmen über die Federung bis zur Lenkung keine Standard- sondern speziell gefertigt Teile verwendet werden. Noch weit stärker als bei Gesunden müssen die Fahrzeuge individuell an den Patienten angepasst werden: "Man muss an den Liegerädern testen, welche Einschränkungen der Kunde hat, wie gut er mit den Händen steuern kann, wie beweglich die Beine sind, welchen Kniewinkel er beugen kann." Wenn der Arzt den Nutzen der Anschaffung begründe, könne die Versicherung

So sitzt man richtig

"Spezial- und Liegeräder sind auch für ,normale' Leute eine super Alternative", sagt der Handwerker. Liegeradfahren etwa habe sehr gute Auswirkungen auf die Bein-, Bauch- und Lendenmuskulatur: "Bei Standardrädern hat man oft Probleme mit Schultern, Händen oder man weiß nicht mehr, wie man sitzen soll - das fällt bei einem Liegerad komplett weg." Es gebe sogar ein Spezialrad, bei dem man gleichzeitig kurbeln und mit den Armen fahren kann: "Das macht bei Leuten Sinn, die nicht richtig treten können, oder auch bei MS-Patienten."

Hofmann fährt selbst mit seinem Rennrad etwa 6000 Kilometer im Jahr, hat sich ein Laufrad gebaut und konnte seine Frau für Tandem-Touren nach Altötting und Wien begeistern. Und auch wenn der stille Mann seinen kleinen Laden hauptsächlich mit Sondermodellen drapiert hat, es gibt auch herkömmliche Modelle und repariert wird sowieso alles, sofern ein Neukauf nicht billiger käme.

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.deroekoweg.de
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