Fesselnde Geschichte

Lokales
Schwarzenfeld
02.05.2015
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Wer glaubt, dass Geschichte langweilig sein muss und die heimatansässiger Adelsgeschlechter sowieso, wurde in Schwarzenfeld eines Besseren belehrt.

Kein Geringerer als der Familienchronist und Archivar des Hauses der Grafen von Holnstein, Martin Irl, hat die politischen Zusammenhänge damaliger Zeit erläutert. Außerordentlich groß war das Interesse der geschichtsinteressierten Zuhörer, so dass der Vortragsraum fast aus den Nähten geplatzt wäre. Mit einer Hommage an seinen Heimatort Schwarzenfeld, leitete Irl seine Ausführungen ein und verdeutlichte den Besuchern, dass seit seiner frühesten Jugend das Haus Holstein und die Erforschung der Geschichte dieses teils auch unrühmlichen und wechselvollen Grafengeschlechtes mit zu seinem wesentlichen Lebensinhalt gehört.

Unverzerrtes Bild

"Ein gerechtes und unverzerrtes Bild" dieser Familie, die heute ihren Sitz in Thalhausen hat, war einer seiner Beweggründe für den Vortrag im Jubiläumsjahr. Von Liebesgeschichten, Duellen und dem Kampf um Macht wusste der Vertraute der gräflichen Familie zu berichten. Die schillernde und bekannteste Figur, Maximilian Karl Theodor Graf von Holnstein, der mit Maximiliane, der früheren Freiin von Gumpenberg-Pöttmes verheiratet war, ist wohl besser unter der Bezeichnung "Königlicher Oberst-Stallmeister" oder auch kurz "Rossober" bekannt. Seine freundschaftliche Beziehung zu König Ludwig II. gipfelte schließlich in seiner Rolle als Übermittler des Kaiserbriefes bei der Reichsgründung 1870/71.

Damit hielt der Graf als Vertrauter des Königs, aber auch Bismarks, Einzug in die Geschichtsbücher. Tragisch und nach wie vor mit Mythen behaftet, ist das Ende dieses gemeinsamen Weges von Monarch und gräflichem Weggefährten. Das Entmündigungsverfahren Ludwigs II., dessen Verlauf Martin Irl in Bezug auf die allseits bekannte politische Umsetzung kritisch hinterleuchtete, fand mit dem Tod des später als Märchenkönig titulierten Monarchen sein Ende.

Auf dem Schwarzenfelder Landsitz, den Max von Holnstein aus Provisionsmitteln im Zusammenhang mit Zahlungen Bismarks an den König umbauen ließ, nahm das Leben des erblichen Reichsrates ein jähes Ende. Nach drei Jahren Aufenthalt verstarb der Graf erblindet im Jahre 1895, was mit einer eindrucksvollen Trauerfeier und der Beisetzung im Schwarzenfelder Mausoleum einherging.

Dame, König und Rossober

Wer Lust auf das Leben und die Geschichte der Grafen von Holstein bekommen hat, kann das Festspiel "Die Holnsteiner - von Dame, König und Rossober" besuchen. Mit aufwendiger Inszenierung und originalgetreuen Kostümen ausgestattet, sind die gebürtigen Schwarzenfelderinnen Helga Stano und Jutta Bollwein dabei, das Stück mit Laiendarstellern einzustudieren. Aufgeführt wird das Festspiel vom 9. bis 11. sowie vom 16. bis 18. Oktober im Jugendheim Schwarzenfeld. Karten sind bei folgenden Vorverkaufsstellen erhältlich: Rathaus Schwarzenfeld; DER-Reisebüro, Postgartenstraße, Schwandorf; Gemischtwaren Engel, 7 Nabburg.
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