Hochzeit der Nachbarorte

So ehrt man in Straß in Steiermark die Partner: Eine Wand im Kultursaal des steiermärkischen Ortes ziert eine künstlerische Ansicht von Schwarzenfeld, auf der man neben dem Wappen auch die wichtigsten Bauwerke identifizieren kann. Bild: Dobler
Lokales
Schwarzenfeld
31.01.2015
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Für Josef Rauscher ist klar: "Die Partnerschaft mit Schwarzenfeld wird automatisch übernommen, die Reform hat keine Auswirkungen darauf." Wenn der Amtsleiter aus Straß in Steiermark "Reform" sagt, meint er, dass es den kleinen Ort in seiner bisherigen politischen Verfassung nicht mehr gibt. Das muss die Partnergemeinde Schwarzenfeld aber nicht unbedingt erschrecken.

Das österreichische Straß hat vor einem Monat einen sehr tiefgreifenden Wandel mitgemacht, der trotz der intensiven Beziehungen zu Schwarzenfeld nur wenigen in der Oberpfalz bewusst wurde. Das Stichwort hierzu ist ein Ungetüm, seine Auswirkungen sind nicht ohne. Denn das "Steiermärkische Gemeindestrukturreformgesetz" führte zu einer einschneidenden Reform, in deren Folge die Zahl der eigenständigen Gemeinden deutlich geschrumpft ist. Der Prozess vollzog sich so ähnlich wie die Gebietsreform im Freistaat Bayern in den Jahren 1971 bis 1980. Hier wie dort galt für die Gemeinden: Aus vielen mach weniger, aber größere Einheiten.

Was Straß anbelangt, das an der Grenze zu Slowenien liegt, ist es seit 1. Januar dieses Jahres mit den Nachbargemeinden Spielfeld, Obervogau und Vogau zusammengeschlossen. Die neue Gemeinde führt den Namen Straß-Spielfeld. Die Gemeinde bildet mit anderen Orten den Tourismusverband "Die südsteirische Weinstraße".

Vogau, der nach Straß zweitgrößte Teil der neuen Gemeinde Straß-Spielfeld, war Mitte Dezember 2014 nur mit juristischem Zwang zur kommunalen Hochzeit zu bewegen. Man wäre lieber eigenständig geblieben, zumal die zentrale Verwaltung für die Kommune in Straß angesiedelt ist. Das Vogauer Rathaus, so wie die Rathäuser der anderen Gemeinden, wurde zur Servicestelle herabgestuft.

Was passiert nun mit den Städtepartnerschaften? "Es gibt nur zwei", präzisiert Amtsleiter Rauscher, "neben Straß mit Schwarzenfeld hat nur noch Spielberg eine Partnerschaft, mit einer slowenischen Gemeinde". Im Zuge der Reform habe man sich geeinigt, die Partnerschaften fortzuführen, sie automatisch zu übernehmen.

Das freut in Schwarzenfeld nicht nur die Rathausspitze, sondern auch die Vereine, die einen lebendigen Austausch mit der 500 Kilometer entfernten Kommune Straß pflegen. "Von unserer Seite gibt das keine Probleme", versicherte der Schwarzenfelder Bürgermeister Manfred Rodde mit Blick auf die steiermärkische Gemeindestrukturreform.

Und weil das so ist, findet sich in dieser Ausgabe weiter hinten ein Blick auf eine Partnerschaft, die seit 1978 vormacht, wie man sich über Grenzen hinweg in Europa gut verstehen kann. Auch wenn diese spezielle Verbindung witzigerweise eigentlich auf einem Missverständnis beruht. (Seite 39)
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