Huldigung mit "Bravo"

Die Musiker behielten ihre Allongeperücken bis zum Ende der Vorstellung auf, passten die Musik aber stets der Zeit an.
Lokales
Schwarzenfeld
12.10.2015
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Erst musste das Publikum im ersten Akt Kurfürst Karl Albrecht von Bayern huldigen, nach dem dritten Akt gewährte es diese Gunstbezeigung ganz freiwillig. Das Festspiel "Die Holnsteiner" feierte am Freitagabend Premiere - mit stehenden Ovationen.

Es war die verdiente Entschädigung für das Herzblut, das alle Beteiligten in das Projekt gesteckt haben. Aus einer wilden Truppe, wie Regisseurin Jutta Bollwein das Ensemble zu Probenbeginn skizzierte, formte sie 24 Laienschauspieler, die gekonnt vom Dialekt in die Hochsprache wechseln, den Hofknicks ebenso beherrschen wie das herrschaftliche Auftreten. Bismarck (Josef Dirrigl) etwa, meint Bollwein "hätte sich nie träumen lassen, dass er im Jugendheim seiner Heimatgemeinde einmal den Preußn gibt".

"Du bist der Ludwig"

Sie bewies aber auch ein gutes Händchen bei der Rollenbesetzung, bei König Ludwig II. (Julius Prüfling), um nur ein Beispiel zu nennen. "Ich habe ihn gesehen und gesagt: 'Du bist der Ludwig'." Julius Prüfling füllte seine königliche Rolle so perfekt aus, dass nach dem Stück Handyfotos mit dem Kini begehrt waren. Nichts ist dem Zufall überlassen. Die Inszenierung ist bis ins Detail ausgetüftelt und stimmig - von den Kostümen über die Maske, die Live-Musik bis hin zum Bühnenbild. Der Empfang der Ehrengäste und Besucher des Premierenabends geriet bereits zur Galavorstellung. Skeptisch sei er gewesen, sagte der Zweite Bürgermeister Peter Neumeier und Leiter des Organisationsteams für die 1000-Jahr-Feier zu Beginn der Uraufführung. Seine Skepsis wich Begeisterung und Stolz.

Helga Katrin Stano lieferte ihrer Heimatgemeinde zum Geburtstag aber auch eine tolle Vorlage. Sie verfasste ein Stück mit drei abgeschlossenen Akten um Liebe, Verrat, Macht und Treue, vom kurfürstlichen Seitensprung mit Folgen über die glutäugige Fronbergerin bin hin zum Rossober, zerrieben zwischen Königstreue und Staatsraison. Stano und Bollwein lassen das einfache Volk zu Wort kommen, sparen als Würze in der Gerüchteküche nicht mit Hofklatsch, und Schwarzenfelder Tratsch. Es ist keine heile Welt, die auf der Jugendheimbühne gezeigt wird: die verbitterte Erzherzogin Maria Amalie, die einsame, sich wie ein Vogel im goldenen Käfig fühlende Karoline von Spiering oder der unglückliche Märchenkönig. Wie herzerfrischend sind dann ein Master Orsini oder der treue Bartl, die die hohen Damen und Herren mitsamt dem Publikum der beginnenden Melancholie entreißen.

In Verruf geraten

Die Holnsteiner verstanden es geschickt ihre Karten auszuspielen. Jeder auf seine Weise: die Frauen mit Schönheit, die Männer mit Durchsetzungsvermögen. Schwarzenfeld profitierte davon. Als Züchter des Schwarzenfelder Spiegelkarpfens, als Förderer der Eisenbahn, als Mitbegründer der Schwandorfer Tonwarenfabrik und als Verhandlungsführer bei der Reichsgründung 1871 hätte der Rossober Maximilian Graf von Holnstein im Gedächtnis bleiben müssen, stattdessen geriet er nach dem Tod des Königs in Verruf. Die historischen Fakten stimmen ausnahmslos, für weitere Aufklärung sorgt noch der Hofmarschall (Karin Mooshammer). "Die Holnsteiner ... von Dame, König und Rossober" tragen auch noch ganz unterhaltsam zur Geschichtsbildung bei. Das hätte Maximiliane Gräfin von Holnstein ganz außerordentlich gefreut. Ihr lag die Bildung, besonders der Mädchen, am Herzen.

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Weitere Bilder im Internet:

http://www.oberpfalznetz.de/swf-holnsteiner-2015
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