Kampf um die Deutungshoheit

Das einsame, windschiefe Marterl markierte die Stelle, hinter der sich ein Gewerbegebiet erstrecken soll. Am Horizont sieht man die Ortschaft Kögl. Bild: Dobler
Lokales
Schwarzenfeld
06.11.2015
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Unternehmer Franz Eckert (ÜPW) war der erste, der Einspruch erhob. Danach ging es im Marktrat rund. Auslöser der Debatte war der Wunsch der Verwaltung, eine noch unbebaute Fläche unweit von Kögl als Gewerbegebiet auszuweisen.

Für das Areal soll im übergreifenden Flächennutzungsplan ein neuer Gebietscharakter eingetragen werden, damit die Planer ihre Bebauungspläne zeichnen können. Das ist die Voraussetzung dafür, dass sich dort Betriebe ansiedeln. So sah es nur nach einer Formalie aus, als Bürgermeister Manfred Rodde diese Änderung vorschlug - weg von einem Industriegebiet, hin zu einem Gewerbegebiet.

Der Initiative der Verwaltung lag ein Lärmgutachten eines Regenstaufer Büros zugrunde, das man im Rathaus als Warnung auffasste. Die Fachleute hatten sich umgesehen und festgestellt, dass es in der Nachbarschaft des neuen Gebiets bereits Betriebsgelände gibt, auf denen Werksleiterwohnungen stehen.

Außerdem ist Kögl mit seiner Wohnbebauung nicht weit weg und auch nicht die Milchwerke, die als Industriebetrieb Tag und Nacht lärmen dürfen. Schließlich hat man noch die benachbarte Schießanlage der Frotzersrichter "Kleeblätter" als Lärmfaktor identifiziert.

Also argumentierten die Lärmexperten: Wenn die neue Fläche ein Industriegebiet wird, wird es insgesamt für die Anwohner zu laut. Bei einem Gewerbegebiet gäbe es keine Probleme - hier sind die erlaubten Werte niedriger. Da es der Verwaltung nicht gelang, den Räten den Unterschied zwischen einem Industriegebiet und einem Gewerbegebiet klar zu machen (von den unterschiedlichen Lärmgrenzen einmal abgesehen), sperrten sich viele Räte, den Weg der Änderung mitzugehen.

Ein Gedanke der Opposition war, jeder Art von ansiedlungswilligem Investor Chancen zu bieten, sich einzukaufen - ohne Beschränkungen, die bei einem Gewerbegebiet zwangsläufig wären.

Die ÜPW beantragte schließlich eine Sitzungspause, um sich noch einmal zu beraten. Als der Bürgermeister das Thema dann schlussendlich zur Abstimmung brachte, endete es knapp im Sinne der Verwaltung. 11 gegen 9 Räte sprachen sich für eine Änderung des Gebietscharakters in ein Gewerbegebiet aus.
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