Metall- und Elektroindustrie für moderate Lohnabschlüsse
Sorge um Standort

Lokales
Schwarzenfeld
11.10.2014
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(sbü) Auftakt zur neuen Tarifrunde für die Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie: Die Arbeitgeberseite stellte die Weichen für die Tarifpolitik und lud zur Informationsveranstaltung "Perspektiven M+E: Tarifpolitik für mehr Wettbewerbsfähigkeit" ins Schloss Schwarzenfeld ein. "Wir brauchen Tarifsteigerungen, die verkraftbar sind, um die exzellente Beschäftigungsentwicklung aufrechtzuerhalten", sagte Stefan Klumpp, Vorsitzender der VBM Region Oberpfalz-Nord.

Mit Professor Dr. Michael Grömling, Leiter der Forschungsgruppe Konjunktur des Instituts der deutschen Wirtschaft, hatten sich die Arbeitgeber der Metall-und Elektroindustrie wissenschaftlichen Beistand für die Tarifverhandlungen geholt. Und der Professor lieferte Argumente für moderate Lohnsteigerungen: "Deutschland ist keine Insel, die weltwirtschaftlichen Risiken, die uns bedrohen, sind größer geworden".

Export-Rückschläge

"Bremseffekte der Ukraine-Krise, der Flächenbrand im Nahen und Mittleren Osten, die Wachstumsabschwächung der Schwellenländer Brasilien, Indien, China, Türkei, Indonesien und Thailand sowie die ins Stocken geratene Erholung in Europa" zählte Grömling als Hauptrisiken auf. Auch hätte die europäische Geldpolitik keinerlei Orientierung. Fast weltweit sei die Stimmung gedämpft. So lägen die Wachstumsprognosen für Asien, Nord- und Lateinamerika, Ost- und Westeuropa für das Jahr 2015" viel zu niedrig für alle diese Länder". Der Ölpreis reagiere nicht mehr auf Krisen. Und die deutsche Exportwirtschaft hätte im ersten Halbjahr 2014 zwar noch Steigerungen der Ausfuhr im China-Handel von 11 Prozent, aber Rückgänge im Geschäft mit Brasilien, Indien und vor allem mit Russland (minus 16 Prozent).

Der Auftragseinbruch der Industrie von 5,7 Prozent im September gegenüber August bestätige die konjunkturellen Gefahren. "Nur der private Konsum trägt." Insgesamt befänden sich die Unternehmen nicht in der Lage, Kostensteigerungen an die Kunden weiterzugeben. Wenn Gewinne ausblieben, gefährde das den Standort. "Die Regierung sagt, der Arbeitsmarkt läuft doch", kritisiert Grömling. Der Beschäftigungsaufbau sei aber weitgehend "zuwanderungsbedingt". Und die Risiken würden "in Anbetracht der sprudelnden Steuereinnahmen verkannt. Von "Rolle rückwärts" sprach Grömling in Bezug auf die Rente mit 63.

"Die Schwellenländer haben mittelfristig keine Alternative zum Wachstum", konstatierte Grömling in der Podiumsdiskussion. Dirk Pollert, stellvertretender VBM-Hauptgeschäftsführer, kritisierte die Kündigung der Tarifverträge zur Qualifizierung und zur Bildungsteilzeit seitens der Gewerkschaften als "unverständlich". Persönliche Weiterbildung sei Sache der Arbeitnehmer, sagte er.
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