Milchwerke setzen sich durch

Ingenieurin Claudia Scharnagl berät den Marktrat in Sachen Kläranlage.
Lokales
Schwarzenfeld
22.05.2015
65
0

Die Pläne für eine eigene Kläranlage der Naabtaler Milchwerke liegen schon im Rathaus vor. Es fehlte nur noch der Segen des Marktrates. Den gaben die Räte am Mittwoch nach stundenlanger Erörterung des Für und Wider. Für Otto Normalverbraucher heißt das: Die Abwassergebühren werden sich mindestens verdoppeln.

Es war ein Dringlichkeitsantrag der Freien Wählergruppen, der das Marktrats-Plenum am Mittwoch im Rathaus zusammenführte. Denn es sollte unbedingt in großer Runde besprochen werden, wie es mit dem umstrittenen Thema "Kläranlage" weitergeht. Dass hier überhaupt etwas im Schwange ist, hatten die Freien Wähler um Zweiten Bürgermeister Peter Neumeier vor einem knappen dreiviertel Jahr mitbekommen und sich empört, dass so ein entscheidendes Thema ohne öffentliche Beteiligung beraten werde. Immerhin sei das Unternehmen bereits seit 2013 in Gesprächen mit der Marktverwaltung.

Im Grunde geht es darum, dass die Schwarzenfelder Kläranlage seit geraumer Zeit deutlich überlastet ist. "Es ist zwei Minuten vor Zwölf", warnte beispielsweise Marktrat Reinhard Meßmann (CSU), der im Klärwerk arbeitet und die Krisen immer wieder hautnah mitbekommt - im schlimmsten Fall droht eine Verunreinigung der Naab.

Schuld ist, dass es dem Milchwerk wirtschaftlich gut geht. Die Produktion wird ständig erweitert, und so fällt immer mehr Abwasser aus dem Werk an, das laut Vertrag in der kommunalen Kläranlage gereinigt werden muss - was Schwarzenfeld im Gegenzug jede Menge Gebühreneinnahmen bringt. Um aber den steigenden Anforderungen zu genügen, müsste man die Kläranlage - die für 20 000 Einwohnergleichwerte ausgelegt ist - sechsmal größer bauen, als sie ist. Der Bau dieser öffentlichen Großkläranlage würde wohl über zehn Millionen Euro kosten und einige Jahre Planungs- und Bauzeit in Anspruch nehmen.

"Hoher Zeitdruck"

Zeit, die die Milchwerke nicht haben. Denn sie stünden unter "hohem Zeitdruck", versicherte Bürgermeister Manfred Rodde. "Wir können unsere eigene Anlage schneller bauen, und wir würden billiger bauen", betonte Milchwerke-Geschäftsführer René Guhl in einem Schreiben an den Bürgermeister, das am Tag der Marktratssitzung im Rathaus einging und am Abend von Rodde verlesen wurde. Das Unternehmen hat sich nämlich bereits im Oktober 2014 entschlossen, alles auf eine neue Karte zu setzen - den Bau einer eigenen Firmenkläranlage für 120 000 Einwohnergleichwerte.

Vorangegangen waren Überlegungen im Rathaus, wie teuer es kommen würde, die bestehende Kläranlage zu einer Großkläranlage zu erweitern. Planerin Claudia Scharnagl brachte dabei die Zahl von neun Millionen Euro ins Spiel. Diese oder eine noch höhere Summe müsste per Umlage von den 2000 Schwarzenfelder Grundstücksbesitzern aufgebracht werden.

Vom Zwang befreien

Deutlich billiger käme es für den Markt, wenn die Milchwerke selbst bauen und ihr Abwasser nicht mehr in die kommunale Anlage einleiten müssten. Denn dann könnte man die kommunale Kläranlage um die Hälfte verkleinern - von derzeit 20 000 auf 10 000 Einwohnergleichwerte. Das wird zwar noch immer 860 000 Euro kosten, aber die Milchwerke haben schon signalisiert, dem Markt mit einem bedeutenden Zuschuss zu helfen. Im Gegenzug sollte die Firma ab Mitte nächsten Jahres vom Anschluss- und Benutzungszwang der kommunalen Kläranlage befreit werden.

Die große Angst der Freien Wählergruppen war, dass ohne die regelmäßigen Gebührenzahlungen der Milchwerke die Abwassergebühren für die Schwarzenfelder Bürger durch die Decke schießen. Bürgermeister Rodde versuchte zu beruhigen: "Das wird keine Gebührenexplosion, sondern eine Annäherung an den Mittelwert der anderen Gemeinden im Landkreis." Dennoch sei mit einer zwei- bis dreifachen Gebühr im Vergleich zu heute zu rechnen.

Nach ausgiebiger Diskussion haben die Räte schließlich über die Grenzen der Fraktionen hinweg mit breiter Mehrheit und nur drei Gegenstimmen eine Grundsatzentscheidung gefällt, nach der künftig der Milchhof seine eigene Anlage bauen kann. Der Bürgermeister wurde beauftragt, eine Sondervereinbarung mit dem Unternehmen zur Kostenübernahme für den Rückbau der kommunalen Anlage und eine Sondernutzungs-Vereinbarung für die Druckleistung abzuschließen. Außerdem wird eine Gebührenkalkulation beauftragt.
Weitere Beiträge zu den Themen: Mai 2015 (7908)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.