Partykönig mischt Festzelt auf

Das große Festzelt im Schwarzenfelder Schlosspark war voll, als Schlagersänger Mickie Krause Freitagnacht die Party-Regie übernahm. Bild: Baehnisch
Lokales
Schwarzenfeld
07.09.2015
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Wer Mickie Krauses Lieder zum ersten Mal hört, muss wegen der albern-frivolen Texte hin und wieder hellauf lachen. Für die anderen sind sie eh Kult. Natürlich buchstabiert man guten Geschmack anders. Aber was soll's!

Das Zelt im Schlosspark war zum Auftakt der Schwarzenfelder Kirwa voll, als der Entertainer aus dem Münsterland gegen 22.30 Uhr die Bühne betrat. Plötzlich drängten alle nach vorne. Die Stimmung war bestens, weil die Band "Highline" bis dahin mit ihrem Non-Stop-Partyprogramm den Puls der jungen Leute auf 130 gebracht hatte - tanzen, mitsingen und klatschen ohne Verschnaufpause und immer ausgelassener.

"Reißt die Hütte ab"

Dann gab es kein Durchkommen mehr, der Pulk vor der Bühne wurde dichter. Krause übte mit seinen Fans in der ersten Reihe von oben herab den Knuckle-Gruß (Faust tippt an Faust), verkündete die "frohe Botschaft", dass Deutschland im Länderspiel Polen mit 3:1 besiegt habe ("Olé, olé") und stieg dann in ein Medley seiner Ohrwürmer ein. Die meisten basieren auf weltbekannten Oldies, etwa von Middle oft the Road. Deren 1971er Kracher "Chirpy Chirpy Cheep Cheep" mutiert bei Krause zu "Reißt die Hütte ab". Ein Schmarrn, aber man kann gut mitsingen.

Überhaupt darf man sich die Songs nicht mit zu vielen Textzeilen vorstellen. "Da gibt es ein Lied, dass ich aus der Sonderschule kenne", moderierte er mit einem Grinsen das Stück "Von vorne nach hinten, von links nach rechts" an. Genau darum geht es in dem Lied, alle machten mit, immer und immer wieder im Rhythmus der Musik: Nach vorne beugen, nach hinten, nach links, nach rechts. So doof, dass es schon fast wieder genial war.

Krause bezieht sein Show-Renommee aus den Party-Events auf dem "Ballermann". Härtester Konkurrent um den Titel des "Königs von Mallorca" ist natürlich Jürgen Drews. Der wurde in Abwesenheit musikalisch veräppelt, "Lebt denn der alte Drews Jürgen noch?" tönte es von der Bühne, und das Partyvolk wusste sofort, wie man diese "Holzmichl"-Parodie lautstark beantworten musste. Im Übrigen verriet Krause den Schwarzenfeldern, warum der "alte Drews Jürgen" noch lebt: "Der nimmt jeden Tag eine Viagra."

Über eine Million Klicks

Die Stimmung blieb locker und frivol, und viel zu schnell waren 40 Minuten vorbei, nach denen Krause zum ersten Mal seinen Abgang ankündigte. "Ja ist der blöd, nur eine dreiviertel Stunde, ich werf' gleich meine Flasche auf die Bühne", machte ein junger Tänzer aus seinem Herzen keine Mördergrube. Ob es dieser geharnischte Protest war oder einfach nur Teil des Programms, es ging auf jeden Fall noch weiter.

Der Höhepunkt des Auftritts war dann sein aktueller Hit "Biste braun, kriegste Fraun". Der wurde auf Youtube schon über eine Million Mal geklickt, so kannte ihn auch jeder im Zelt und wusste, dass Zeilen wie "Ich hab' Muskeln und nen durchtrainierten Bauch, schöne Haare und viel Kohle hab' ich auch" bei dem Sänger persönlich nur teilweise zutreffen.

Wer auf die "Zehn nackten Friseusen" wartete, musste sich mit einer Kurzversion des Gaudi-Songs zufrieden geben. Und dann war - nach insgesamt 50 Minuten - wirklich Schluss. Noch ein Gruppenfoto auf der Bühne mit "Highline" und eine ironische Versicherung: "Ihr ward das beste Publikum, das ich je hatte. Na ja, das habe ich gestern Abend auch gesagt. Aber da war es gelogen."
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