Stimme der Landbevölkerung

Der Schwandorfer Stadtbibliothekar Alfred Wolfsteiner ist ein ausgewiesener Kenner von Leben und Werk des "Bauerndoktors" Georg Heim - und ein gefragter Vortragsredner zu diesem Thema. In Schwarzenfeld referierte er auf Einladung des Bildungswerks des Bayerischen Bauernverbandes. Bild: Dobler
Lokales
Schwarzenfeld
04.12.2015
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Der 30. Oktober 1894 endete im Forst von Fuchsmühl blutig. Die damaligen, tragischen Ereignisse können als Beginn der politischen Karriere des Dr. Georg Heim gewertet werden, urteilte Alfred Wolfsteiner. "Und fast 40 Jahre lang sollte er ab diesem Zeitpunkt die bayerische Geschichte mit bestimmen."

"Georg Heim, ein vergessener bayerischer Agrarpolitiker und Genossenschaftler" war der Vortrag des Schwandorfer Stadtbibliothekars überschrieben, den Wolfsteiner auf Einladung des Bildungswerks des Bayerischen Bauernverbandes Schwandorf hielt. Man könne immer noch viel von Dr. Georg Heim lernen, sind Wolfsteiner und der BBV überzeugt.

Bei Fuchsmühl sind vor rund 120 Jahren Soldaten gegen Bauern vorgegangen, die ihr altes Holzrecht ausüben wollten. Am Ende gab es zwei Tote und viele Verletzte. Der spätere bayerische Landtagspolitiker Dr. Heim war zum Zeitpunkt der Fuchsmühler Ereignisse Realschullehrer im oberfränkischen Wunsiedel, das nur wenige Kilometer von Fuchsmühl entfernt liegt. Befreundete Geistliche informierten ihn über die dortigen Ereignisse und Heim war es schließlich, der durch seine hervorragenden Pressekontakte zur "Amberger Volkszeitung" die Geschehnisse als Erster publik machte. Und es war es sicher kein Zufall, dass Heim im März des Jahres 1895 ausgerechnet nach Fuchsmühl einlud, um hier einen "Christlichen Bauernverein" für die Oberpfalz zu gründen.

Ideen der Genossenschaft

Er begeisterte sich auch für die Ideen der Genossenschaftsbewegung und sah hierin die Lösung der brennenden Probleme der Landwirtschaft. Heim wurde schließlich in Wunsiedel zum Gründer der Fichtelgebirgs-Verkaufsgenossenschaft, die den hochwertigen Fichtelgebirgshafer gemeinschaftliche vermarktete. Nach dem Erfolg dieser Genossenschaft ging Heim mit Feuereifer daran, weitere Genossenschaften nach dem System Raiffeisen zu gründen. Auch im Bereich der mittleren Oberpfalz kam es ab 1895 zur Gründung von Raiffeisen-Vereinen.

"Bauernuniversität"

Heim war es schließlich, der kurz vor der Jahrhundertwende durch Gründung christlicher Bauernvereine und einer damit verbundenen Zentralgenossenschaft der bäuerlichen Landbevölkerung eine Stimme gab, sie in der landwirtschaftlichen Krisensituation zu weiterer Selbsthilfe motivierte und sie durch seine massive politische Agitation wieder ans Zentrum band.

Heims Lieblingskind aber war die "Regensburger Bauernuniversität" mit Winterkursen für erwachsene Bauernsöhne. Diese brachte er trotz erheblichen Widerstands auch innerhalb der Genossenschaftsmitglieder im 1907 noch auf den Weg und dieses Modell der Erwachsenenbildung für die junge Landbevölkerung wurde zum durchschlagenden Erfolg.
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