Stoiber und der Seberl Schorsch

Wenn man die Augen zumacht und nur zuhört, kann man Wolfgang Krebs durchaus mit den Ministerpräsidenten Seehofer und Stoiber verwechseln - wobei er sich aber auch um äußere Ähnlichkeit bemüht, um die Gaudi auf die Spitze zu treiben.
Lokales
Schwarzenfeld
02.11.2015
9
0

Wolfgang Krebs hat ein loses Mundwerk, und wenn er bayerische Ministerpräsidenten imitiert, dann finden das viele zum Brüllen komisch. Für andere ist es eher eine Majestätsbeleidigung. Aber für Schwarzenfeld war es auf jeden Fall ein Pluspunkt, dass der begnadete Spötter dort zum "1000-Jährigen" auftrat.

Dabei wussten die rund 300 Zuhörer (unter ihnen viele Markträte, auch von der CSU) schon bald nicht mehr, wer mehr Applaus verdiente - der Kabarettist aus dem Allgäu oder die Blasmusikgruppe "Die Bayerischen Löwen" aus Straubing, mit der sich Wolfgang Krebs das Programm teilte. Denn das Quintett spielte, sang und tanzte mit soviel Virtuosität und Witz, dass es schon nach der ersten Nummer den Weg in Herz und Hirn der oberpfälzischen Zuhörer gefunden hatte.

Die fünf Musiker entstammen einer neuen, selbstbewussten Bläsergeneration, die rotzfrech Traditionelles mit Modernem konfrontiert. In Tracht und Haferlschuhen, mit Trompeten, Posaune und Tuba holen sie Einflüsse aus Soul, Pop, Rock und bayerischer Volksmusik mit ins Boot, so dass daraus etwas ganz Eigenes entsteht: bayerische Blechgesänge.

"Griaß eich in Schwarzenfeld", rief Dominik Glöbl, der Bandleader, dem Publikum zu und erntet damit den ersten Applaus. In den folgenden zwei Stunden gab es dann viele Gelegenheiten zum Lachen und Mitsingen - etwa beim Thermomix-Song, in dem das Wunder-Küchengerät auch als Zementmischer seine Funktion erfüllt.

Dass Wolfgang Krebs als Haupt-Act des Abends in der Sportparkhalle Horst Seehofer und - seine Paraderolle - Edmund Stoiber nachmachen und bis zur Kenntlichkeit karikieren würde, war bekannt, auch aus dem Fernsehen. Am besten aber gefiel seine Figur des Scheberl Schorsch, der zweimal auf die Bühne durfte, mehr oder weniger alkoholisiert.

Der Schorsch ist ein Gschaftlhuber, wie er im Buche steht, und Vorsitzender aller 30 Vereine im Heimatdorf. Außerdem bringt er, wie der Stoiber/Krebs vor ihm, ebenfalls einen Wortdreher nach dem anderen hervor - etwa "Schnitzel-Schnacksel-Heizung" statt der Hackschnitzel-Heizung. Oder der nach dem alles andere als wohlklingenden Choral "Ich hatt' einen Kameraden" mit Kranz auf die Bühne kommt und die schreiend komische Trauerrede auf den verstorbenen "Dankwart" halten darf, die er mit den Worten "Liebe Hintergangene" einleitet.
Weitere Beiträge zu den Themen: Lea (13792)November 2015 (9610)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.