Strategisch gegen Schwarzwild

Sie sprachen bei der Jahresversammlung der Arbeitsgemeinschaft Jagdgenossenschaften: (von links) Maximilian Baron von Wiedersperg, Projektleiter Niels Hahn, zugleich Vorsitzender der Arge-Jagdgenossenschaften, Alfred Bauer, Josef Grimm vom Hegering Nittenau-Nord, Betriebsleiter Thomas Verron, Wildlebensraumberater Balduin Schönberg, Heinrich Hofstetter von der Jagdgenossenschaft Fischbach, Betriebsleiter Hubert Meier, BBV-Geschäftsführer Josef Wittmann, Adolf Stellwag vom Hegering Nittenau-Süd und Otto Stor
Lokales
Schwarzenfeld
13.03.2015
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"Brennpunkt Schwarzwild": Vier Jahre lang hat sich ein Koordinierungsteam mit den Möglichkeiten befasst, die Schwarzwildpopulation im Raum Nittenau in den Griff zu bekommen. Bei der Arbeitsgemeinschaft (Arge) "Jagdgenossenschaften" im Bayerischen Bauernverband präsentierten die Experten die Ergebnisse. Ihr Fazit: Ein ganzes Bündel an Maßnahmen ist nötig.

Der Wildbiologe Niels Hahn begleitete das Nittenauer Projekt und stellte nun bei der Arge-Jahreshauptversammlung im Jugendheim fest: "Es gibt kein Patentrezept". Dafür aber eine Fülle von Einzelmaßnahmen, "mit denen Landwirte, Jagdgenossen und Jäger dem Problem langfristig Herr werden können". Angefangen von Kirr- und Bewegungsjagden über die Schaffung von Bejagungsschneisen bis hin zum Einsatz von Nachtsichtgeräten. 1981 wurden in Bayern 3000 Wildschweine erlegt, 2014 waren es 70 000. Der Wildexperte nannte die Ursachen für diese Populationsentwicklung: "Besondere Anpassungsfähigkeit der Tiere, Klimaveränderung, verstärkter Maisanbau, kritische Einstellung der Gesellschaft zur Bejagung".

Wirksame Schritte

Maximilian Baron von Wiedersperg (Maxhütte-Haidhof) gab den über 100 Vertretern der Jagdgenossenschaften, Jagdvorstehern, Jagdpächtern und Jägern im Landkreis Tipps zum Anlegen von Bejagungsschneisen, die so gestaltet sein sollten, "dass sich die Sauen in einem geschützten Raum fühlen". Er wies auf den hohen Vergrämungseffekt dieser Art der Bejagung hin und betonte: "Wird eine Sau in einer Schneise geschossen, lassen sich die Rudel dort einige Wochen nicht mehr sehen".

Thema ein Dauerbrenner

Otto Storbeck, Vorsitzender der BJV-Kreisgruppe Nittenau, erkennt in den Nachtsichtgeräten "ein durchaus zweckmäßiges Hilfsmittel zur Bejagung von Wildschweinen". Er hält das technische Gerät zwar nicht für der Weisheit letzten Schluss, dennoch könne es die Wildschweinjagd erleichtern.

Fortbetriebsleiter Thomas Verron (Burglengenfeld) mahnte die Beteiligten, Kirrungen zum Anlocken mit Maß und Ziel einzusetzen und die Wildschweine durch Überfütterung nicht auch noch zu mästen. Hubert Meier (Roding), Betriebsleiter bei den Bayerischen Staatsforsten, berichtete von den Erfahrungen bei revierübergreifenden Drück- und Bewegungsjagden, die zwar personell sehr aufwendig, dafür aber durchaus erfolgreich seien. Heinrich Hofstetter von der Jagdgenossenschaft Fischbach stellte das "Schwarzwild-Informationssystem" vor und bedauerte, dass diese Internetplattform noch viel zu wenig genutzt werde. Er erachtet dieses Netzwerk, das im Zuge des Projekts "Brennpunkt Schwarzwild" entstanden sei, als brauchbares Frühwarnsystem für Landwirte, Jäger und auch Autofahrer. Den Daten ließen sich nämlich Informationen über die aktuellen Schwerpunkte der Wildschweinaktivitäten entnehmen.

Der Kreisvorsitzende der Jägervereine, Hans Vornlocher, sieht in den Nachtzielgeräten "eine wertvolle Hilfe für eine waidgerechte Bejagung". Wildlebensraumberater Balduin Schönberger (Amberg) ermunterte die Landwirte, die Lebensräume für Tiere und Pflanzen zu verbessern und mehr Vielfalt zuzulassen. Beim Vegetationsgutachten 2015 setzt Forstdirektor Wolfhard-Rüdiger Wicht auf "größtmögliche Transparenz". Elf Gutachter untersuchten bis Ende April an 700 Aufnahmepunkten im Landkreis insgesamt 50 000 Pflanzen nach Verbiss- und Fegeschäden.
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