Umwege zur Seelsorge

Lokales
Schwarzenfeld
11.04.2015
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Dr. Katharina Frieb wird Pfarrerin. Nichts Ungewöhnliches? Doch, wenn man weiß, dass die 45-Jährige bis vor kurzem noch Katholikin war.

Schon lange trägt sich die promovierte Historikerin mit Schwandorfer Wurzeln mit dem Gedanken, als Seelsorgerin tätig zu sein. Die katholische Kirche steht solchen Überlegungen von Frauen ablehnend gegenüber, so dass im Laufe der Jahre die Frage auftauchte, ob dann nicht die evangelisch-lutherische Kirche die richtige geistliche Heimat sein könnte.

"Ich bin konfessionell zweisprachig", gesteht die angehende Evangelische-Theologie-Studentin und schmunzelt. So arg viel werde sich für sie nicht ändern, nachdem sie nun tatsächlich konvertiert ist: "Der Sender, also Gott, und der Empfänger, also ich, bleiben gleich, aber der Code hat sich geändert."

Im Februar dieses Jahres wurde in der Christuskirche in Schwarzenfeld die Aufnahme von Katharina Frieb in die evangelische Kirche gefeiert. Zuvor hatte die 45-Jährige mit dem katholischen Ortsgeistlichen Heinrich Rosner, der evangelischen Pfarrerin Heidi Gentzwein, vielen Freunden und Familienmitgliedern ihren Abschied aus der katholischen Kirche in der Dionyskirche (Alte Pfarrkirche) in Schwarzenfeld mit einer Messe begangen. "Nach vielen Jahren des Überlegens hat sie sich nun doch entschlossen, ihrem Herzen zu folgen und die Ausbildung zur evangelischen Pfarrerin zu beginnen", freute sich Pfarrerin Gentzwein über ihre zukünftige, neue Kollegin.

Katharina Frieb, die aus einer katholischen Familie stammt, hat in Passau mit Schwerpunkt Geschichte studiert und in Augsburg ihren Doktor gemacht - auch wenn sie damals schon gerne Pfarrerin geworden wäre. "Aber mit 20 konnte ich diesen Schritt, evangelisch zu werden, noch nicht machen."

Beruflich hatte sie trotzdem mit der organisierten Religion zu tun. Sie fand eine Anstellung im Ordensarchiv der Jesuiten in München, was sie aber nach einigen Jahren nicht mehr ausfüllte. "Ich wollte für Menschen in Grenz-Situationen da sein", lautete ihr inneres Bekenntnis. So hat Katarina Frieb zunächst eine Ausbildung zur Telefonseelsorgerin gemacht.

Den Gedanken an einen Wechsel zum Protestantismus ließ sie zu, als sie bei einer Andacht in einer ostdeutschen Klinik eine bemerkenswerte, evangelische Pfarrerin kennen gelernt hat. "Da wusste ich, ich wollte ihre Kollegin werden - und ich habe diesen Schritt bis heute nicht bereut." Sie machte sich klar, "dass ich mit den konfessionellen Unterschieden leben kann".

Eingebunden in den wichtigen inneren Prozess war Heinrich Rosner, der katholische Pfarrer von Schwarzenfeld, den Katharina Frieb seit dessen Zeit in Fronberg schätzt. Dabei kam dann auch Rosners evangelische Amtskollegin Heidi Gentzwein ins Spiel, die Katharina Frieb ebenfalls beriet und schließlich in die evangelische Kirche aufnahm.

Nun stehen für die 45-Jährige erst einmal einige Jahre des Studiums an der evangelischen Hochschule in Neuendettelsau bevor. Sie freut sich darauf und weiß natürlich, dass das Leben als Pfarrerin nicht so leicht wird, wie sie das als Kind noch gedacht hat: "Damals meinte ich, Pfarrer sei ein super Beruf: Am Sonntag zweimal Messe halten und dann die Woche über frei."
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