Verwirrspiel soll enden

So kompliziert wie der Schaltplan in der Leitwarte der Schwarzenfelder Kläranlage ist auch die Entscheidung, ob der Markt seine Anlage wegen der Milchwerke erweitert - oder ob das Unternehmen seine eigene Kläranlage baut. Bild: Dobler
Lokales
Schwarzenfeld
10.10.2014
1
0

Bürgermeister Manfred Rodde war nicht ganz wohl in seiner Haut. Dass das Thema "Kläranlage" in der öffentlichen Sitzung des Marktrates erörtert werden musste, passte nicht zu seinen taktischen Vorgaben in dieser diffizilen Angelegenheit. Doch es half nichts: Auch seine eigenen CSU-Parteifreunde wollten endlich Tacheles reden.

Viele Räte und auch die noch kaum informierte Öffentlichkeit waren bislang fest davon ausgegangen, dass wegen steigender Anlieferungsmengen an Schmutzwasser aus dem Milchhof die kommunale Kläranlage im Süden des Marktes ausgebaut werden müsste. So stellte sich der Sachstand zumindest noch vor einem Jahr dar. Das scheint aber zwischenzeitlich überholt zu sein.

Denn es gibt auch ernsthafte Bestrebungen der Milchwerke, eine eigene Kläranlage in der Nähe der kommunalen Kläranlage zu errichten. "Diese Anlage soll mit einer modernen SBR-Technologie zur Industrieabwasserbehandlung ausgestattet sein und soll voraussichtlich von der Firma Veolia als Dienstleister betrieben werden", berichtete der Bürgermeister von den neuesten Ideen des Milchwerke-Chefs René Guhl. Am 11. September sei darüber im Rathaus geredet worden, informierte Rodde.

Dabei sei auch die Rede darauf gekommen, dass das von der Firmenkläranlage gut gereinigte Industrieabwasser an die kommunale Kläranlage übergeben werde. Danach würden das Industrieabwasser und das Abwasser des Marktes gemeinsam in den Vorfluter (Naab) eingeleitet werden. Der anfallende Schlamm solle dem Markt zur Entsorgung übergeben werden, weil die Milchwerke nicht in den Klärschlammzweckverband eintreten könnten, der demnächst gegründet wird.

Konzepte genau abwägen

"Die Milchwerke haben wiederholt zugesagt, Investitionsentscheidungen nur im Einvernehmen mit dem Markt zu treffen", versicherte Rodde. Er war überzeugt, dass der Plan, eine eigene Firmen-Kläranlage zu errichten und das Abwasser gereinigt der kommunalen Kläranlage zuzuleiten zwei Vorteile besitze: "Einerseits, die Milchwerke als Gebührenzahler zu erhalten, und andererseits die Übernahme der Investitionskosten durch die Verursacher."

Die Aussprache hatten die Fraktionsgemeinschaft der Freien Wähler angestoßen, als deren Sprecher Zweiter Bürgermeister Peter Neumeier forderte, es müssten unbedingt beide Konzepte abgewogen werden - ob es also nicht doch besser sei, die kommunale Kläranlage zu erweitern.

"Keine Mehrkosten!"

Falls doch in Richtung einer Firmen-Kläranlage weitergedacht würde, müsste es eine genau Kostenkalkulation geben. Neumeiers Devise: "Keine Mehrkosten für den Bürger!" Dies besonders mit Blick auf die künftigen Gebühren. Darüber hinaus müsste man auch juristische und technische Prüfungen vornehmen, "um auf Basis der Ergebnisse zügig zu einer guten Lösung für Bürger und Milchwerke zu kommen". Auch Manfred Kurz und Peter Irlbacher (beide CSU) sahen weiteren Informationsbedarf. "Wir brauchen Fakten, bevor wir entscheiden können", forderte Kurz.

Karl-Heinz Dausch (Siedler) brachte das Unbehagen der Räte auf den Punkt: "Was haben die Milchwerke wirklich vor?" (Blickpunkt)
Weitere Beiträge zu den Themen: Oktober 2014 (9311)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.