Vier Königinnen stellen sich vor

Über 50 Interessierte lauschten Orgelbauer Rainer Kilbert bei der Erklärung der Orgel in der Miesbergkirche. Bild: ral
Lokales
Schwarzenfeld
16.09.2015
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Als das Programm für die Jubiläumsfeiern in Schwarzenfeld geplant wurde, entwickelte sich auch die Idee, am "Tag des offenen Denkmals" eine Orgelwanderung durch die Pfarreien anzubieten. Am Sonntag machten sich über 50 Personen dafür auf den Weg, der zu vier Königinnen der Instrumente führte.

Erste Station war die Miesbergkirche. Dort erklärte Rainer Kilbert die Orgel und führte ihr musikalisches Vermögen vor. Die Miesbergkirche, erbaut im 17. Jahrhundert, verfügt seit rund 260 Jahren über eine Orgel. Zwar wurde das ursprüngliche barocke Instrument bei einer Renovierung im Jahr 1888 ausgetauscht, jedoch hat das neue Orgelwerk erneut seine Heimat in der wunderschönen barocken Einhausung gefunden, die ein Juwel der Barockschnitzkunst darstellt.

Nach vielen Umbauten, Erweiterungen und Renovierungen - zuletzt im Jahr 2006 durch die renommierte Orgelbaufirma Schädler aus Donaustauf - beherbergt es nun ein Orgelwerk mit 1 510 Pfeifen (plus weitere 650 in der Chororgel) verteilt auf jeweils drei Werke (Haupt-, Schwell- und Pedalwerk). Dies ermöglicht dem Organisten bis zu 4000 verschiedene Klangkombinationen.

Die Pfeifen bestehen aus einer hochwertigen Zinn-Blei-Legierung oder aus Holz von nahezu ausschließlich einheimischen Baumarten. Das Zusammenspiel von Haupt- und Chororgel macht die Miesbergorgel zu einer Besonderheit in der Oberpfalz. Aus dem Oberpfälzer Orgelbuch brachte Kilbert das Instrument zum Leben.

Nächste Station war die alte Pfarrkirche St. Ägidius und St. Dionysius. Die Orgel dort wurde von Michael Koch vorgestellt. Sie stammt in jetziger Form aus dem Jahre 1912 und wurde von der Orgelbau-Werkstätte Binder & Siemann in Regensburg erbaut. Die Vorgängerorgel von 1750, also die erste Orgel in der alten Pfarrkirche überhaupt, war rein mechanisch. Leider wurde das Orgelwerk 1912 auf Pneumatik umgestellt, um es dem Zeitgeist anzupassen. Binder & Siemann stellte das Instrument auf romantische Klangfarben um, was für die Rokoko-Kirche eigentlich keinen Sinn macht. Momentan ist die Orgel in einem relativ desolaten Zustand. Michael Koch spielte das Instrument, damit die Besucher einen Eindruck der Klangfülle bekamen.

Weiter ging es zur Pfarrkirche, die Marienkirche. Dort stellte wiederum Michael Koch das Instrument vor. Dieses Instrument wurde im Jahre 1953 von der Orgelbauwerkstätte Friedrich Walcker aus Ludwigsburg erbaut, einer der damals führenden Werkstätten in Deutschland. Ursprünglich war die Orgel für die Stadtpfarrkirche St. Martin in Amberg bestimmt. Da man feststellte, dass die Orgel für diese Kirche zu klein disponiert war, erwarb sie die Pfarrei Schwarzenfeld, deren Marienkirche gerade fertiggestellt wurde.

Enormer Tonumfang

So stand 1953 ein nagelneues Instrument mit dreißig Registern auf zwei Manualen und Pedal zur Verfügung. Die Orgel selbst hat einen enormen Tonumfang. Während die größte Orgelpfeife eine Länge von knapp fünf Metern besitzt, misst die kleinste Pfeife gerade mal acht Millimeter mit 16 000 Schwingungen in der Sekunde. 1995 wurde die Orgel auf Initiative von Pfarrer Jakob Dötsch und Kirchenmusiker Michael Koch von der Orgelbauwerkstätte August Hartmann aus Regensburg generalüberholt. Die Orgel hat kein Orgelgehäuse. Das Gehäuse ergibt sich aus den Rundbögen der Kirche.

Letzte Station der Wanderung war die evangelische Christuskirche, wo Erwin Oppelt das Instrument präsentierte. Die Christuskirche wurde 1953 eingeweiht und hatte in den ersten Jahren noch gar keine Orgel. Man behalf sich in der Anfangszeit mit einem Harmonium, das über zwei Manuale und Pedal verfügte. Erst 1957 bekam die Fa. Georg Holländer aus Feuchtwangen den Auftrag, eine Orgel zu bauen.

2013 erfolgte eine Renovierung durch Orgelbauer Rainer Kilbert, Hönighausen bei Lappersdorf. Dabei wurde die Orgel um vier Register und zwei Koppeln erweitert und erhielt das ursprünglich geplante zweite Manual, so dass zum 60-jährigen Kirchweihjubiläum ein mit vielen Klangmöglichkeiten ausgestattetes Instrument eingeweiht werden konnte.
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