Vor 70 Jahren endet Klosterdrama

Lokales
Schwarzenfeld
30.05.2015
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"So sitzen wir hier ohne Wohnung, als Bettler! Aber wir sind Passionisten und wollen alles geduldig ertragen und den Mut nicht verlieren." Vor 70 Jahren war es dann endlich soweit: Die Patres durften zurück in ihr Kloster auf dem Miesberg, aus dem sie die Nazis vertrieben hatten.

Ein paar Jahre vorher, 1934, war das Passionistenkloster erst erbaut worden. Ein klerikaler Bau im beginnenden Dritten Reich: Die neuen Machthaber sahen es ungern. So waren sie schnell bei der Hand, als es 1941 galt, Platz für Kinder aus gefährdeten Großstädten zu finden. Das Landratsamt Nabburg beschlagnahmte mit Schreiben vom 2. April 1941 das Kloster zur Unterbringung von jungen Hamburgern. Briefe und Beschwerden dagegen wurden formuliert, aber es half nichts. Mitte April 1941 berichtete Pater Viktor Koch: "Dann haben wir halt das Kloster ruhig verlassen und die Schlüssel dem Gendarm übergeben... Heute morgen teilte uns der Gendarm mit, dass unsere Chorkapelle beschlagnahmt werden soll... Morgen sollen die Herren kommen und das Gebäude übernehmen." Ein wissenschaftliches Institut aus Berlin zog gleich mit ein.

In den letzten Winkel

In dieser Zeit versuchten sowohl die Partei als auch die Regierung, die Patres vom Berg vollständig zu verdrängen. Aber die Passionisten wollten nicht von ihrer Neugründung weggehen, um in einem anderen Haus Unterschlupf zu suchen. Lieber zogen sie sich in den letzten Winkel des Hauses zurück - zumindest jene, die nicht zum Kriegsdienst eingezogen wurden. Sie zogen in die Sakristei um. Schlafgelegenheit boten ihnen vorerst gute Freunde in Schwarzenfeld. Jeweils am frühen Morgen kehrten sie wieder auf den Berg zurück. Nach etwa sechs Wochen fanden sie, dass zwei winkelige Räume neben Klosterchor und Kirche als Schlafstellen verwendet werden könnten. In der großen Sakristei war es noch möglich, eine weitere Schlafgelegenheit einzurichten. P. Viktor schlief unter einer Stiege und darum wurde seine Zelle Alexiuszelle genannt. P. Paul Böhminghaus musste die ersten Monate, bis die Treppe fertig war, über eine Leiter durch eine Luke ein Stockwerk höher klettern.

P. Viktor holte sich eine schwere Erkältung und musste vier Wochen ins Krankenhaus. Kaum gesundheitlich wieder hergestellt, traf ihn im Juli 1944 ein neuer schwerer Schlag. Der einzige ihm verbliebene Mitbruder P. Paul wurde wegen angeblicher Wehrkraftzersetzung und Feindpropaganda am 13. Juli in Haft genommen, aus der er erst nach sechs Monaten entlassen wurde.

Amerikaner kommen

Das Dulden hatte am 22. April 1945 ein Ende, als die Amerikaner Schwarzenfeld einnahmen. In den Erinnerungen der Mönche klang das so: "Kurz nachdem wir vom Turm der Kirche heruntergestiegen waren, klopften schon gewaltig große Kerle mit der Maschinenpistole unterm Arm an die Kirchentüre und fragten, ob Soldaten da seien." Bruder Gabriel, der als Soldat in Urlaub war, musste leider den Amerikanern übergeben werden. Er kehrte erst nach vier Wochen Hungerkur, nur auf freien Feldern lebend, abgemagert und geschoren heim.

Gegen 9 Uhr abends kamen drei Offiziere und stellten die gleiche Frage, ob noch Soldaten da seien. Als sie nun den Pater Provinzial (gemeint ist P. Viktor Koch, ein gebürtiger Amerikaner) mit seiner amerikanischen Aussprache hörten, waren sie zufrieden gestellt. "Sie kamen mit uns in die Sakristei und wir freuten uns gemeinsam - Besiegte und Sieger."

In der Folge durften die Passionisten wieder ihr Kloster beziehen. Am 27. Mai 1945, nach einem feierlichen Amt, nahm Viktor Koch als Pater Provinzial das große Kreuz und begleitet von der Kommunität und einer großen Menschenmenge ging er in feierlicher Prozession zum Klostereingang. Auf der Treppe hielt Koch eine Ansprache über den Triumph des Kreuzes über die Feinde. Dann gingen die Mönche in das Kloster und nahm wieder Besitz von ihm, nachdem sie vor mehr als vier Jahren von den Nazis hinausgeworfen wurden.

Am Tag, als die Patres das Kloster verlassen mussten, machten die vier Ordensgeistlichen ein Gelübde, einen Kreuzweg um den Berg zu errichten, falls sie das Kloster wieder beziehen konnten. Erst nach 13 Jahren, am 25. März 1954, räumte auch das Ionenforschungsinstitut, das bis dahin noch die Hälfte aller Räume in Anspruch nahm, das Kloster.
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