Zeit als Geschenk, das vom Herzen kommt
Durst nach Leben stillen

Pfarrer Heinrich Rosner. Bild: hfz
Lokales
Schwarzenfeld
24.12.2014
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Weihnachten kommt für mich jedes Jahr zu schnell. Ich weiß, dass Kinder das ganz anders sehen und erleben. Sie warten ja sehnsüchtig auf ihre Geschenke. Ich habe nachgelesen: Das Wort "schenken" kommt vom westgermanischen "einschenken", das heißt "zu trinken geben". Man gibt demjenigen zu trinken, der durstig ist. Wer aber schon (fast) alles hat und satt ist - was soll ich dem "(ein-)schenken"? Das könnte eine Erklärung sein, warum schenken heute oft nicht einfach ist. Wenn jemand schon (fast) alles hat? Betrachtet man das auf der materiellen Ebene, kommt man oft nicht weiter. Wenn Sie aber sehen, dass jeder Mensch Durst nach Leben hat, eine Sehnsucht nach Lebendigkeit, dann wissen sie, dass es auch heute noch und immer wieder neu Durst zu stillen gilt.

Das, was uns an Weihnachten von Gott in seinem Sohn geschenkt wird, bringt keinen Cent mehr in den Geldbeutel oder aufs Konto. Das enthebt uns nicht unserer materiellen Sorgen. Gottes Geschenk an uns - sein Sohn - will unser Herz anrühren. Er will unseren Durst nach Leben stillen. Davon erzählen die Texte der Bibel - in der Vorbereitung auf Weihnachten: Die Augen der Blinden sehen. Die Ohren der Tauben werden geöffnet, der Lahme springt umher. Der Stumme jauchzt auf. Vom Herrn zum Leben befreit, voller Freude und Friede. Dort wo Jesus wirken darf, geschieht dies. Wenn wir uns an Weihnachten beschenken, soll die Erinnerung unter uns wach bleiben: Gott will unsere Herzen berühren und uns beschenken mit Leben und Licht. Könnte es folglich sein, dass es wichtiger ist, statt ein Geschenk zu kaufen, Zeit zu verschenken? An jemanden, dem es gerade nicht gut geht. Jemand einzuladen, der sonst einsam den Abend verbringen müsste. Das Geschenk an mich selber könnte sein: mir Zeit zu nehmen für einen Spaziergang mit mir allein oder für eine Auszeit in Stille.

Wenn unser Geschenk etwas von dem weitergeben soll, was Gott schenkt, dann ist unser Herz gefragt. Dann ist Zeit haben angesagt und lebendiges Hinspüren. So wünsche ich Ihnen allen, dass Sie beim Schenken selber beschenkt werden.
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