Fünftklässler als Zankapfel

Entspannt sieht anders aus: Simon Weidner (Mitte) musste bei der Sitzung des Marktrates auf Einladung von Bürgermeister Manfred Rodde (rechts) eine Entscheidung erklären, die er als Verbundkoordinator des Schulverbunds "Mittelschule Nördliches Naabtal" gefällt hatte. Der Schwarzenfelder Schulleiter Helmut Schuster (links) ist kein Anhänger seiner Lösung.
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Schwarzenfeld
08.07.2016
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Viele Eltern hatten sich zur Marktratssitzung eingefunden. Sie wollten wissen, ob ihre Kinder künftig die Mittelschule in Schmidgaden besuchen müssen. Als ihr Fürsprecher attackierte vor allem Siedler-Rat Karlheinz Dausch (weißes Hemd, Brille) die bisherigen Entscheidungen. Bilder: Dobler (2)

Das Thema Schule beherrschte die Sitzung des Gemeinderats am Mittwoch, zu der sich eine Vielzahl von Eltern als Zuhörer eingefunden hatten. Müssen Schwarzenfelder Fünftklässler im Herbst nach Schmidgaden? Das war die Frage, die alle bewegte.

Dass darüber überhaupt öffentlich diskutiert wurde, war einem Antrag der Freien Wähler zu verdanken, die sich mit einer Auflösung der regulären fünften Klasse in Schwarzenfeld nicht zufrieden geben wollten.

Grund für den Ärger war eine Entscheidung von Simon Weidner (Nabburg), dem Verbundkoordinator des Schulverbunds "Mittelschule Nördliches Naabtal". Er hatte angeordnet, dass die 13 oder 15 (die Zahlen schwanken) angehenden Fünftklässler aus Schwarzenfeld, die nicht in die gebundene Ganztagesklasse in Schwarzenfeld gehen werden, in der Mittelschule Schmidgaden unterrichtet werden sollen. Ansonsten gäbe es im nächsten Schuljahr in Schmidgaden keine fünfte Klasse, weil die fünf bis sieben (auch hier schwanken die Zahlen) Schmidgadener zu wenige sind für eine ganze Klasse.

"Sie wollen nicht verantwortlich sein, dass Schmidgaden keine Zukunft hat", beklagte Karlheinz Dausch (Siedler) für die Fraktion der Freien Wähler mit Blick auf Simon Weidner und Bürgermeister Manfred Rodde, die bei den entsprechenden Sitzungen den Weg für die umstrittene Lösung frei gemacht hätten. "Aber wenn Schmidgaden keine Zukunft hat, liegt das nicht an Schwarzenfeld, sondern weil Schmidgaden selbst keine Kinder hat", zeigte sich Dausch überzeugt. Er war auf jeden Fall dagegen, "eine komplette Klasse aufs Dorf zu schicken".

Weidner, der, wie sein Schwarzenfelder Schulleiterkollege Helmut Schuster, an der Ratssitzung teilnahm und Rederecht hatte, erläuterte, dass es im Schulverbund "Mittelschule Nördliches Naabtal" 92 angehende Fünftklässler gebe. Mit ihnen könne man fünf fünfte Klassen bilden - für jede Schule eine.

"Entscheidung richtig"


An dieser Stelle tat sich ein definitorisches Problem auf, denn Schwarzenfeld wird eine gebundene Ganztagsklasse für Fünftklässler anbieten. Ist das nun eine dieser fünf fünften Klassen oder ist das ein Spezialangebot für die Schüler aus dem ganzen Schulverbund? So dass Schwarzenfeld noch eine reguläre fünfte Klasse erhalten müsste?

Dass in Schmidgaden so wenig Schüler übrig bleiben habe auch mit der gebundenen Ganztagsklasse zu tun, machte Weidner deutlich. Dafür hätten sich nämlich zahlreiche Schüler aus dem Raum Fensterbach angemeldet, die normalerweise in Schmidgaden unterrichtet würden, nun aber nach Schwarzenfeld fahren. "Meine Entscheidung für Schmidgaden war richtig", betonte Weidner, "denn wir müssen auch kleinere Schulen mit Klassen besetzen." Bei Markträtin Gabi Wittleben (ÜPW) machte er mit dieser Argumentation keinen Stich: "Sollen doch die Fünf aus Schmidgaden zu uns kommen."

Schulamt soll schlichten


Manfred Bäumler (ÜPW) wies auf die geplante Millionensanierung der Schule in Schwarzenfeld hin. "Wir haben hier eine moderne Bildungsstätte und fahren über Jahre die Mehrheit zur Minderheit", wunderte er sich. Bürgermeister Manfred Rodde hielt dagegen: "Ein Verbund heißt geben und nehmen und wir in Schwarzenfeld können nicht zwei Klassen bilden, wenn sie den anderen abgehen." Der Schwarzenfelder Schulleiter Helmut Schuster sah das nicht so: "Ich dachte schon, dass wir hier eine gebundene Ganztagsklasse und eine Regelklasse bekommen würden."

Simon Weidner, der in vier Wochen in Ruhestand geht, gab sich gelassen. "Es steht jedem frei sich zu beschweren." Diese Anregung griff der Marktrat auf. Einstimmig war man dafür, das übergeordnete Schulamt einzuschalten, das als Schlichter in dieser verfahrenen Situation dienen soll.

SchulverbundZum Schulverbund "Mittelschule Nördliches Naabtal" gehören die Schulen in Schwarzenfeld, Schmidgaden, Nabburg, Pfreimd und Wernberg-Köblitz. (td)


Wir in Schwarzenfeld können nicht zwei fünfte Klassen bilden, wenn sie den anderen Schulen abgehen.Bürgermeister Manfred Rodde
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