Weniger Milch treibt Preis hoch

Wirtschaft
Schwarzenfeld
08.10.2016
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Nach einer dreijährigen Durststrecke können die Milchbauern wieder auf höhere Erzeugerpreise hoffen. "Ab 1. Dezember 35, später 40 Cent für den Liter": So lautet die Forderung des "Bundesverband Deutscher Milchviehhalter" an die Naabtaler Milchwerke.

Momentan zahlt die Privatmolkerei Bechtel noch knapp 26 Cent. "Die Preise schießen seit einigen Wochen nach oben", erklärte BDM-Sprecher Johannes Hösl bei einem Treffen, das am Freitag vor Ort stattfand. Sein Stellvertreter Mathias Irlbacher hat dafür eine einfache Erklärung: "Die gesamte Menge hat sich um drei Prozent verringert". Weil die Milch inzwischen sogar knapp zu werden drohe, schlage das Pendel in die andere Richtung aus.

Auf die Marktveränderung reagieren mittlerweile auch die Naabtaler Milchwerke. "Wir strecken unsere Fühler nach weiteren Lieferanten aus", bestätigte Diplom-Ingenieur (FH) Georg Müller im Gespräch mit den BDM-Mitgliedern. Der Handlungsbevollmächtigte der Privatmolkerei Bechtel zweifelt allerdings an der Nachhaltigkeit der Preisentwicklung, solange Politik und Erzeuger nicht die Lehren aus den vergangenen Krisen ziehen. "Für die Hälfte der Milchbauern wäre es eine Erlösung, wenn sie aufhören könnten", glaubt Georg Müller. Und: "Die Landwirte müssen auf die gesellschaftlichen Veränderungen reagieren".

Die Hälfte der in Deutschland erzeugten Milch gehe in den Export, erklärt Georg Müller. Die Abnehmer im Ausland wollen gute Produkte zu einem vernünftigen Preis. "Den Verbraucher in Finnland interessiert nicht, wie die bayerische Kulturlandschaft aussieht", so der Geschäftsbereichsleiter "Beschaffung". In einem stimmt Georg Müller mit den Milchbauern überein: "Je geringer die Menge, desto höher der Erzeugerpreis".

Deshalb fordert der "Bundesverband Deutscher Milchviehhalter" eine weitere Mengenreduzierung. Mit der Nachfrage, davon geht die Erzeugergemeinschaft aus, steigen auch die Preise. 49 Cent pro Liter wären zur Deckung der Herstellungskosten erforderlich, hat der BDM errechnet. Georg Müller warnt aber vor Illusionen: "Der Milchpreis wird auch in Zukunft rauf und runter gehen". Damit das aber nicht so kommt, fordert der BDM ein Lenkungskonzept auf europäischer Ebene. Um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen, haben sich die BDM-Kreisverbände Schwandorf, Neustadt/WN und Amberg-Sulzbach zusammengetan. Gemeinsam überreichten sie eine Resolution an die Geschäftsleitung der Naabtaler Milchwerke und fordern darin, die Mehrerlöse an die Milchviehhalter weiterzugeben und mindestens 40 Cent pro Kilogramm Rohmilch zu zahlen.

In der nächsten Woche nimmt der Verband Kontakt mit dem Handel auf. Der Vorsitzende des BDM-Teams Neustadt an der Waldnaab, Werner Reinl, und sein Amberger Kollege Manfred Bauer betonen: "Wir besuchen bewusst beide Seiten, um zu verdeutlichen, dass in der jetzigen Situation jeder seinen Beitrag zur Verbesserung der Situation der Milchviehhalter leisten muss". Die Milchbauern verlangen einen schnellstmöglichen Ausgleich für die Verluste der vergangenen drei Jahre, die laut einer Schätzung bei zehn Milliarden Euro liegen sollen.
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