Bomben auf Schwarzhofen

Lokales
Schwarzhofen
19.02.2015
4
0

Bombenangriff auf Schwarzhofen vor 70 Jahren: Eine Gedenkfeier beleuchtete die Rolle Schwarzhofens von der Bombardierung über die Todesmärsche der KZ-Häftlinge bis hin zum Einmarsch der Amerikaner und der Beerdigung der toten KZ- Häftlinge.

Kulturförderkreis und Markt luden zum Gedenken an den Bombenangriff auf Schwarzhofen vor 70 Jahren in den Sitzungssaal des Rathauses ein. Das Interesse war groß, der Saal "rappelvoll". Bürgermeister Maximilian Beer begrüßte besonders die beiden Hauptreferenten Gerhard Würl und Alfred Wolfsteiner sowie Kreisheimatpfleger Theo Männer.

Natürlich spannte er auch den Bogen zu früheren Vorträgen über die Geschichte, von ehemaligen KZ- Häftlingen bis zum Treffen mit ehemaligen Teilnehmern der Todesmärsche vor zwei Jahren. Sein Fazit und die eindringliche Mahnung: niemals diese Schrecken vergessen und eine Wiederholung ausschließen.

Front rückt näher

Alfred Wolfsteiner referierte ausführlich über das Kriegsende in der Oberpfalz von Januar bis Mai 1945. Das Jahr begann mit dem verheerenden Bombenangriff auf Nürnberg. Regelmäßig wurden Züge, aber auch Straßenfahrzeuge, von Tieffliegern beschossen. Am 12. Februar endete die Konferenz von Jalta, wo die Teilung Deutschlands schon beschlossen wurde. Einen Tag darauf erfolgte die Zerstörung Dresdens durch einen Bombenhagel. Am Tag darauf wurde Dresden erneut bombardiert.

An diesem 14. Februar wurde eben auch Schwarzhofen von Bomben getroffen und damit wurden auch die Auswirkungen des Krieges in der Heimat offenbar. Am 18. Februar erklärte Reichspropagandaminister Göbbels den "totalen Krieg". Es folgt am 26. März ein Erlass, dass gegen das Zeigen von weißen Tüchern und die Öffnung von Panzersperren Standgerichte die Todesstrafe verhängen konnten. Immer wieder kam es zu Angriffen auf die Eisenbahn im Raum Schwandorf und andere Bahnhöfe. Am 16. April erreichten die US-Truppen Nürnberg, in Regensburg wurde die Donaubrücke durch zahllose Bombeneinschläge unbrauchbar gemacht. In Schwandorf waren an dem Abend 17 Schulsäle mit rund 1000 Flüchtlingen belegt, rund 4000 Menschen harrten in den Felsenkellern aus. Doch in dieser Nacht warfen 175 Flugzeuge über 633 Tonnen Bomben auf Schwandorf; rund 1250 Tote waren die Folge dieses nur 15 Minuten dauernden Angriffs, dazu 514 beschädigte Häuser, 674 zertrümmerte Anwesen, 2000 zerstörte Wohnungen.

Evakuierungszüge mit Häftlingen aus dem KZ Flossenbürg wurden in "Todesmärschen" in Richtung Süden (Dachau) geschickt. Zwei davon passierten Schwarzhofen am 21. und 22. April. Neumarkt kapitulierte am 21. April, Weiden einen Tag später. Die Sprengung der Naabbrücke in Nabburg wurde durch beherzte Männer verhindert. Am 23. April drängten die US-Truppen Richtung Cham, Reste ungarischer SS-Truppen verließen Schwarzhofen. Zwei junge Frauen hissten in Absprache mit den Nonnen des Klosters die weiße Fahne auf dem Kirchturm. Eine vom "Volkssturm" errichtete Panzersperre wurde von mutigen Bewohnern entfernt.

Am 7. Mai Kapitulation

Im Laufe des Vormittags passierten amerikanische Truppen Schwarzhofen und erreichten am Abend Cham. Am selben Tag wurde die Stadt Schwandorf übergeben. Regensburg kapitulierte am 27. April, am 30. April erschoss sich Hitler. Die deutsche Wehrmacht unterzeichnete am 7. Mai die bedingungslose Kapitulation. Major a. D. Gerhard Würl referierte als "Fachmann" mehr aus "militärischer Sicht". Alfred Wolfsteiner lieferte dazu lokale Informationen aus erster Hand, denn er hatte vor etwa 20 Jahren eine Reihe von Zeitzeugen befragt, die das Geschehen als Erwachsene miterlebt hatten.
Weitere Beiträge zu den Themen: Februar 2015 (7876)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.