Ein Anwalt der Landbevölkerung

Der "Bauerndoktor" und Genossenschaftler Georg Heim. Bild: Historisches Lexikon Bayerns
Lokales
Schwarzhofen
22.01.2015
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Er gab dem bayerischen Landvolk eine Stimme: In Prinzregentenzeit und Weimarer Republik setzte sich Dr. Georg Heim als Agrar- und Sozialpolitiker für den Bauernstand ein. Der "Bauerndoktor" pflegte auch Verbindungen nach Schwarzhofen.

Groß war das Interesse, als Alfred Wolfsteiner das Leben Georg Heims bei einem Vortrag im Pfarrheim in den Mittelpunkt rückte. Der Ortsheimatpfleger hatte sich in seinem neuen Buch "Georg Heim - ,Bauerngeneral' und Genossenschaftler" mit dessen Leben auseinandergesetzt. Unter den Zuhörern befanden sich mit Rosmarie und Michael Konrad auch Heims Enkelin und Urenkel. Wie Wolfsteiner ausführte, wirkte Dr. Georg Heim (1865 bis 1938) in einer Zeit des sozialen Umbruchs. Deutschland wandelte sich damals zum Industriestaat, und in Bayern liefen den Landwirten die Dienstboten davon und suchten Arbeit in den Städten. Die verursachte Krisenstimmung führte ab 1890 zu einer massiven Politisierung der Bauern. Drei Jahre später zogen Mitglieder des neugegründeten Bauernbundes und der Sozialdemokraten in Landtag und Reichstag ein.

Raiffeisen als Vorbild

Diese Zeit der Unruhe führte zu heftigen Auseinandersetzungen mit der Obrigkeit, wie etwa in der nördlichen Oberpfalz bei der "Fuchsmühler Holzschlacht". Den ersten großen Bericht darüber, der am 1. November 1894 in der Amberger Volkszeitung erschien, hatte Dr. Georg Heim verfasst, der damals als Realschullehrer in Wunsiedel tätig war. Dort gründete der in Aschaffenburg geborene Heim die "Fichtelgebirgs-Verkaufsgenossenschaft" nach dem Vorbild von Raiffeisen. Über 70 solcher Vereine entstanden in der Folgezeit in Oberfranken und der Oberpfalz. Die Gründung in Schwarzhofen 1909 war von Max Bollinger, einem Vertrauten Heims, initiiert worden.

Durch den Bauernbund war der Katholischen Zentrumspartei große Konkurrenz erwachsen, die Gründung "Christlicher Bauernvereine" sollte gegensteuern. Einen Ableger für die Oberpfalz rief Dr. Heim in Fuchsmühl ins Leben, einen Ortsverband gab es auch in Schwarzhofen - mit Obmann Max Bollinger. Heim saß ab 1897 für die Zentrumspartei in Landtag und Reichstag. Er galt als hervorragender Rhetoriker, verstand sich auf Wirtschafts- und Finanzfragen und war gefürchtet für seine Zwischenrufe. Der Anwalt der bäuerlichen Bevölkerung - daher sein Spitzname "Bauerndoktor" - polarisierte auch innerhalb der eigenen Fraktion.

Der Erfolg der 1900 durch ihn gegründeten "Zentralgenossenschaft des Christlichen Bauernvereins für Ein- und Verkauf" und die Unterstützung mehrerer Hunderttausend Mitglieder in den Bauernvereinen sicherten Georg Heim innerhalb des Zentrums eine gewaltige Machtposition. Doch nach einem Herzinfarkt 1906 gab er seine Tätigkeit als Realschullehrer auf und kandidierte 1911 auch nicht mehr für Land- oder Reichstag. Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs warnte Heim vor der ungenügenden Versorgungslage im Land. Als Landesökonomierat (1916 ernannt) versuchte er später, zwischen der hungernden Stadtbevölkerung und den vermeintlich besser versorgten Bauern zu vermitteln.

Rückzug vom Zentrum

Nach der Revolution in Bayern 1918 gehörte Heim zu den Mitbegründern der Bayerischen Volkspartei. Er kehrte der Zentrumspartei den Rücken, die - seiner Meinung nach - die Belange Bayerns in Berlin nicht genügend vertreten hatte. Zu den Gründungsmitgliedern zählte auch der Schwarzhofener Max Bollinger. Von 1920 bis 1924 war Heim nochmals Abgeordneter im Landtag. Die Wahl zum Ministerpräsidenten und zum Reichsagrarminister lehnte er ab, lieber agierte er im Hintergrund als "graue Eminenz" und "ungekrönter König Bayerns". Als die von ihm gegründeten Genossenschaften 1933 bei der Gleichschaltung durch die Nationalsozialisten verstaatlicht wurden, zog sich Heim verbittert nach Würzburg zurück. Dort starb er 1938 nach einer missglückten Blinddarmoperation. Zum Abschluss erinnerte Wolfsteiner daran, dass in diesem Jahr der 150. Geburtstag Heims gefeiert werden könne. Den Vortrag unterstützte Gerhard Würl mit einer begleitenden Bildpräsentation.

Für den örtlichen Veranstalter bedankte sich KLB-Vorsitzender Joseph Frey mit einem Geschenkkorb. Heims angereisten Nachkommen überreichte Bürgermeister Maximilian Beer einen Bildband mit alten Ansichten von Schwarzhofen.
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