Gegen das Verdrängen

Lokales
Schwarzhofen
25.04.2015
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"Wir sind es den Toten schuldig, dass wir nicht vergessen." Klare Worte fand Ortsheimatpfleger Alfred Wolfsteiner bei einer Gedenkfeier zum 70. Jahrestag der Todesmärsche aus dem KZ Flossenbürg.

Mehrere Bürger, Vereinsvertreter sowie Rektorin Beate Vetterl hatten sich am Dienstag am Gedenkstein für die Opfer der Todesmärsche am Ortsausgang Richtung Neunburg versammelt. Zweiter Bürgermeister und Ortsheimatpfleger Alfred Wolfsteiner erinnerte in seiner Rede an die Evakuierung des Konzentrationslagers Flossenbürg ab 17. April 1945. Zahlreiche Bahntransporte und Marschkolonnen mit Häftlingen waren unterwegs durch die Oberpfalz, ein erster Todesmarsch berührte am 21. April Schwarzhofen.

An diesem Tag kamen die Häftlinge aus Richtung Oberviechtach, zogen über den Marktplatz, überquerten die Schwarzach und marschierten weiter Richtung Taxöldern. Überliefert ist, dass beim Pfarrberg etliche der KZ-Insassen erschossen wurden. Ein zweiter Transport erreichte am 22. April den Ort, gerade als sich die Bevölkerung zum Sonntagsgottesdienst aufgemacht hatte. Es waren regelrechte Elendsgestalten, die nur in dünner Häftlingskleidung in den kalten und nassen Apriltagen unterwegs werden. Das Bild der ausgemergelten Menschen blieb den Augenzeugen unvergesslich, ebenso wie das Klappern der Holzschuhe auf dem Pflaster. Das brutale Vorgehen des SS-Wachpersonals habe die Einwohner empört, doch hätten nur wenige kurz helfen können.

Wie Wolfsteiner notierte, seien etliche der Häftlinge umgebracht worden. In den Sterbematrikeln der Pfarrei wurde die Beerdigung von 14 Leichnamen dokumentiert, die dann in die Gedenkstätte am Plattenberg in Neunburg umgebettet wurden.

Wolfsteiner erinnerte an eine äußerst bewegende Begegnung im Juli 2013 mit einigen Überlebenden der Todesmärsche. Es sei ein unvergesslicher Eindruck gewesen, als diese am Gedenkstein zunächst das jüdische Totengebet und danach das Vaterunser in deutscher, englischer und polnischer Sprache beteten. Nicht aus der Erinnerung zu löschen sei für ihn auch der dreimalige Aufruf "Don't forget" (Vergesst nicht) eines früheren Häftlings.

Diesen Appell rief Wolfsteiner all jenen zu, die am Stammtisch äußern, man könne das Thema der Judenverfolgung nicht mehr hören und es müsse "endlich Schluss sein mit dem alten Krampf". Man sei es den unschuldigen Toten und noch mehr den Überlebenden schuldig, dass diese dunklen Kapitel nicht vergessen werden. Er zitierte den Holocaust-Überlebenden Max Mannheimer, Vorsitzender der Lagergemeinschaft Dachau: "Ihr seid nicht verantwortlich für das, was damals geschah. Aber dafür, dass so etwas nicht mehr geschieht, schon." Gebete der Geistlichen Markus Urban und Gerhard Beck beendeten die Feier.
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