Markt ordnet seine Geschichte

Bei einer Besichtigung am Montag erhielten die Mitglieder des Marktgemeinderates einen Überblick auf die bisher erfolgten Tätigkeiten bei der Neuordnung des Archivs. Im zweiten Stock der Dr.-von-Ringseis-Schule bieten ehemalige Klassenzimmer genügend Platz für Akten, Dokumente und Unterlagen. Bild: Mardanow
Lokales
Schwarzhofen
13.10.2015
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Für Christina Blommer steht fest: "Ich hab' mich auf ein Abenteuer eingelassen." Woche für Woche taucht die 47-Jährige tiefer in die Vergangenheit Schwarzhofens ein. Wenn sie sich durchs Gemeindearchiv wühlt, kommen so manche Schätze und lokalhistorische Schmankerl ans Tageslicht.

Seit etwa einem Jahr nimmt Christina Blommer Akten, Urkunden, Schriftstücke, Karten und Pläne unter die Lupe. Die gebürtige Schwarzhofenerin sichtet und ordnet den historischen Nachlass der Marktgemeinde. Sie will Struktur in die umfangreichen Unterlagen reinbringen und das Archivgut nutzbar machen. "Bisher war es Glückssache, etwas zu finden", beschreibt sie.

"Gedächtnis stillgelegt"

"Wir hatten eine Ansammlung alter Unterlagen, aber kein Archiv", bestätigt Bürgermeister Maximilian Beer. Im Spitzboden des Rathauses hatten die Dokumente bis 2011 ein Schattendasein gefristet - und das buchstäblich: "Nur eine Funzel sorgte für Licht, gesucht werden musste zwischen Staub und Spinnweben", schildert er die frühere Situation. An geordnete Arbeit war nicht zu denken: "Das Gedächtnis unserer Gemeinde war sozusagen stillgelegt", sagt Beer.

Der Umzug der Archivbestände in ein ehemaliges Klassenzimmer der Dr.-von-Ringseis-Schule ebnete im Herbst 2011 den Weg für einen Neustart. Eine staubfreie und vorschriftsmäßige Unterbringung der Unterlagen ist seither keine Thema mehr, zur Lagerung der Ordner kaufte die Marktgemeinde Schwerlastregale; zusätzlich bietet ein Nebenraum Platz für die Archivpflege. Im Oktober 2012 übertrug der Marktgemeinderat Christina Blommer die Aufgabe zur Erschließung des Archivs - "in einer Mischung aus Mini-Job und Ehrenamt", wie es der Bürgermeister nennt. Ihre Tätigkeit nahm sie im Herbst 2013 nach einem Grundkurs an der Bayerischen Verwaltungsschule auf.

"Total spannend" findet Christina Blommer die Beschäftigung mit den erhaltenen Akten. "Irgendwie ist es jedes Mal ein neues Abenteuer." Die Unterlagen und Dokumenten ermöglichten einen Einblick in die gesellschaftliche und politische Entwicklung des Marktes in der Vergangenheit. "Mir macht das unheimlich viel Spaß." Und sie will nicht nur Ordnung schaffen, sondern zusätzlich auch noch eine Häuserdatenbank mit sämtlichen Bewohnern und einst ausgeübtem Gewerbe anlegen.

Bei der Durchsicht von Ordnern und Schachteln entdeckt Blommer, die hauptamtlich in der Verwaltungsgemeinschaft Neunburg tätig ist, immer wieder einmal besondere Höhepunkt der Lokalgeschichte. Wie beispielsweise das in Handschrift verfasste Schreiben des früheren bayerischen Ministerpräsidenten Heinrich Held. Er hatte dem Schwarzhofener Magistrat im April 1928 persönlich auf einen Zuschussantrag für den Bau eines Leichenhauses geantwortet, und sich entschuldigt, dass er wegen eines Kuraufenthalts erst so spät zurückgeschrieben hatte.

Trinker registriert

Weitere solcher Schmankerl verbergen sich in den Sitzungsprotokollen, die bis ins Jahr 1818 zurück erhalten sind. Auch auf den Fall eines früheren Gemeindeschreibers, der sich aus der Ortskasse bedient hatte, ist die 47-Jährige schon gestoßen. Interessant zu lesen seien auch die behördlich angeordneten Wirtshausverbote für chronische Trunkenbolde - "deren Verhalten ist genau dokumentiert worden".

Den Weg für ein geordnetes "Ortsgedächtnis" geht die Marktgemeinde auch in Zukunft weiter: In öffentlicher Sitzung verabschiedeten die Markträte am Montag einstimmig eine Archivsatzung. In nichtöffentlicher Runde wurde Christina Blommer danach zur Archivpflegerin bestellt, damit verbunden ist eine geringfügige Entschädigung während der Aufbauphase.
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