Otto Küsel lebte jahrelang in Schwarzhofen - Lebensretter im Konzentrationslager
Als "Engel der Polen" bekannt

Lokales
Schwarzhofen
25.10.2014
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Im Konzentrationslager (KZ) Auschwitz-Birkenau rettete Otto Küsel vielen Häftlingen das Leben, später lebte er fast 40 Jahre in Schwarzhofen. Ein Rückblick auf das Leben des "Engel der Polen" ist bei einem Vortrag am 16. November in der Ringseis-Schule möglich.

Als Überlebender der sogenannten Todesmärsche blieb der gebürtige Berliner Küsel nach Kriegsende in der Oberpfalz und heiratete eine Schwarzhofenerin. Mit seinem Verkaufswagen tourte er viele Jahre über die Dörfer und verkaufte Obst. Seinen Lebensabend verbrachte er in seinem Haus in der Bodenäckersiedlung. Im Jahre 1984 ist Otto Küsel gestorben.

Was die meisten seiner Zeitgenossen nicht wussten und er kaum jemandem erzählte: Küsel trug im berüchtigten Konzentrationslager Auschwitz die Häftlingsnummer 2 und war einer von 30 "Funktionshäftlingen". Im Lager war er für die Arbeitseinteilung der Häftlinge zuständig, und er nutzte seine Position, um vielen - vor allem polnischen - Mitgefangenen das Leben retten. Deshalb bekam er auch den Beinamen "der Engel der Polen".

Schließlich gelang ihm in einer filmreifen Flucht zusammen mit drei polnischen Mitgefangenen 1944 der Ausbruch aus dem Konzentrationslager. Außerdem gab er damit vielen Mithäftlingen im KZ neuen Lebensmut. Allerdings wurde Küsel nach seinem neunmonatigen Untertauchen in Warschau verraten und musste zurück nach Auschwitz. Von dort kam er nach Flossenbürg, und im April 1945 wurde er auf dem Todesmarsch von den Amerikanern befreit. Otto Küsel war einer von 211 Überlebenden, die im ersten Frankfurter Auschwitzprozess aussagten.

In Polen gilt Otto Küsel als "guter Deutscher" und wird dort als Held verehrt. Der polnische Staat machte ihn sogar nachträglich zum "Polen ehrenhalber". Zahlreiche Publikationen und wissenschaftliche Arbeiten in Polen erinnern an Otto Küsel und sein Wirken.

Ortsheimatpfleger Alfred Wolfsteiner erinnert in einem Vortrag des Kulturförderkreises in Zusammenarbeit mit dem Historischen Verein für Oberpfalz und Regensburg, Regionalgruppe Schwandorf, am Sonntag, 16. November, in der Aula der Dr.-von-Ringseis-Schule um 16 Uhr an Otto Küsel. Gezeigt wird dabei auch eine Dokumentation über die KZ-Todesmärsche vom April 1945 mit zahlreichen historischen Film- und Fotoaufnahmen aus amerikanischen Archiven. Der Eintritt zu dieser Veranstaltung ist für alle Interessenten frei.
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