Mobiles Büro macht’s möglich

Ein Lieblingsplatz von Bürgermeister Maximilian Beer: Der Marktplatz von Schwarzhofen. Bild: hfz
Politik
Schwarzhofen
31.08.2016
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"Schafft der das? So ein junger Hupfer, und dann auch noch ein Job in München!", hieß es, als Maximilian Beer vor über 20 Jahren fürs Bürgermeisteramt kandidierte. Eine Mehrheit beantwortet diese Frage seither mit einem klaren Ja.

"Die Frage, ob ich das schaffe, ist seit 20 Jahren kein Thema mehr", behauptet Schwarzhofens Bürgermeister Maximilian Beer. Aber damals, 1996, als er sich zum ersten Mal zur Wahl stellte, war er gerade 29 Jahre alt. Dazu kam, dass ein Arbeitsplatz weit weg vom Heimatort war, beim Ministerium in München. Und das Handy war gerade erst erfunden. "Heute, mit den neuen Medien ist das erst recht kein Problem mehr", freut sich Beer, der heuer nicht nur Dienstjubiläum, sondern auch seinen 50. Geburtstag feiern kann.

Kein "Lebenstraum"


"Ob ich nun in Schwarzhofen bin, in Neunburg oder in München, ich habe mein mobiles Büro immer dabei", sagt Beer. Er war einer der ersten, die sich ein Handy zugelegt haben, und den ersten Teil der Woche reserviert er grundsätzlich für Termine "mit körperlicher Anwesenheit" in der Heimat. Dabei war es ursprünglich keineswegs sein "Lebenstraum", Bürgermeister zu werden. "Ich war selber überrascht, als ich damals gegen den Amtsinhaber angetreten bin und prompt gewählt wurde", gesteht Beer, schließlich habe er sich selbst nur mangels eines geeigneten Kandidaten zur Wahl gestellt.

Als dann die Entscheidung fiel, wollt er sich "mit voller Kraft und Herzblut" hineinhängen, "aber es war nicht einfach", bekennt der 49-Jährige. "Geholfen hat mir, dass ich ein studierter Verwaltungsmensch bin, die Theorie wusste ich also", schildert er seine Anfänge. Doch in der Praxis kamen Querelen in Sachen Kindergartenbau auf ihn zu mit "Riesen-Verwerfungen".

Und dann beginnt er aufzuzählen: "Das Feuerwehrauto von Schwarzhofen war damals älter als ich, das Feuerwehrhaus kleiner als eine Kapelle. Es gab keinen Bauhof, manche der 24 Ortsteile waren noch ohne Wasserversorgung, Schönau hatte noch keinen Kanalanschluss." Die Liste ist noch viel länger. "Schwarzhofen hat keine Industrie, wenig Gewerbe und viel Fläche, da macht es Mühe, einen Haushalt aufzustellen", rekapituliert der Bürgermeister und fügt hinzu: "Es waren mehr Herausforderungen, als ich gedacht habe." Als Leiter der Verwaltungsgemeinschaft Neunburg musste er auch gleich noch den Neubau des Amtsgebäudes stemmen.

Gute Wohnqualität


Aber gerade mit der Großstadt vor der Nase hat Beer auch erfahren, was auf dem Land besser funktioniert: "Viel passiert ehrenamtlich, das macht die Qualität des Landlebens aus." Grund genug, Schwarzhofen die Treue zu halten. "Ich bin nie ein Großstädter gewesen, und ich werde auch keiner sein", prophezeit Maximilian Beer, der in Schwarzhofen vor allem die Wohnqualität zu schätzen weiß.

"Gerade wenn man mal hinaus geschmeckt hat, weiß man die Heimat wieder mehr zu schätzen", ist er überzeugt, "hier ist die Natur intakt, da kann man bei offenem Fenster schlafen". Am "Zweit-Job" auf dem Land liebt er vor allem die Vielfalt und die Tatsache, dass er es mit Menschen, nicht mit Akten zu tun hat. Freilich gibt es auch Schattenseiten. Neinsagen, Anträgen ablehnen, Zuschüsse verweigern und Rechtsstreitigkeiten gehören für Beer in diese Rubrik. "Man gewinnt als Bürgermeister viele Freunde, aber auch Gegner, die einem spinnefeind sind, ohne dass man so genau weiß, warum die der Job mit sich bringen muss."

Schmerz und Freude


Als Sieben-Monats-Kind sei er aber das Kämpfen schon gewohnt, scherzt Beer. Amtsmüde ist der 49-Jährige noch lange nicht. "Ich nehme mir Kritik zu Herzen, das schmerzt", gesteht er, "aber die Freude überwiegt". So wie neulich, als er den Brief eines Erstklässlers aus dem Postkasten fischte. Spielplatz, Schule, alles toll, stand da in bester Handschrift. "Das hat mich echt gerührt."

Ich bin nie ein Großstädter gewesen, und ich werde auch keiner sein.Bürgermeister Maximilian Beer über den Spagat zwischen München und der Heimat
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