Kohlenmeiler und verschwundes Dorf

Die Schwarzhofener Marktgemeinderäte mit Bürgermeister Maximilian Beer (rechs) am Grenzübergang auf dem Weg zum "verschwundenen" Dorf Grafenried. Bild: hfz
Vermischtes
Schwarzhofen
23.08.2016
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Die Marktgemeinderäte Schwarzhofen erkundeten die Region Waldmünchen. Dabei überquerten sie den früheren Eisernen Vorhang und kamen ziemlich "verraucht" in einem "verschwundenen" Dorf an.

Keine Bauanträge, sondern Geselligkeit und Gemeinschaftserlebnis standen auf der Tagesordnung, als die Marktgemeinderäte zu einer Ausflugsfahrt starteten. Ziel war in diesem Jahr die Stadt Waldmünchen. Der genaue Tagesablauf war eine Überraschung. Bürgermeister Maximilian Beer hatte sein Gremium eingeladen, und mit einem Kleinbus fuhren die Räte - zum Teil in Begleitung ihrer Ehepartner - in die Pandurenstadt.

Erste Anlaufstation war der Waldmünchner Kohlenmeiler. Auf dem letzten Stück der Wanderung durch den Forst verrieten langsam ziehende Rauchschwaden und der alles durchdringende Brandgeruch das Etappenziel. Der Volkstumsverein Waldmünchen erwartete die Gäste und bewirtete sie mit Kuchen und einer Brotzeit. Danach erklärten die beiden Köhlermeister Wagner und Weiß die Geschichte und die Funktionsweise des Meilers. Mit einem ausgeklügelten Luftzugssystem durch Öffnen und Schließen von Löchern im Erdmantel steuert der Köhler die Glut im Meiler.

Beeindruckt von diesem wiederbelebten Relikt aus vergangener Zeit, gestärkt aber auch verraucht, ging es zum "verschwundenen" Dorf Grafenried. Nach einer kurzen Wanderung ab dem Waldmünchner Ortsteil Untergrafenried überschritt die Gruppe die Grenze und durchquerte dabei den früheren Todesstreifen des Eisernen Vorhangs. Diese beklemmende Situation wurde durch die lebendigen Schilderungen des ehemaligen BGS-Beamten Franz Reimer, der als Wanderführer die Gruppe nach Tschechien begleitete, unterstützt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die dort beheimatete deutsche Bevölkerung vertrieben und Dörfer wie die Ortschaft Grafenried nach und nach dem Erdboden gleich gemacht. Als nach dem Fall des Eisernen Vorhangs auch die militärische Sperrzone, auf der sich die Überreste der Ortschaft befanden, zugängig wurde, waren die Überreste des Dorfes von einem schier undurchlässigen Buschwerk überzogen.

Der vor Ort beheimatete und bei einer Neunburger Baufirma beschäftigte Helmut Roith hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, dort seit Juli 2011 ehrenamtlich und unentgeltlich die Überreste des früheren Dorfes auszugraben. Beeindruckt von dessen Leistung, aber auch von der traurigen und schicksalshaften Geschichte des Ortes und der Bewohner ließen sich die Schwarzhofener die Überreste des Dorfes, voran die Fundamente der zerstörten Dorfkirche und des Dorfwirtshauses wie auch des Friedhofes zeigen. Nach einem Abendessen, bei dem auch der Erste Bürgermeister der Stadt Waldmünchen, Markus Ackermann, und Landrat und Bezirkstagspräsident Franz Löffler die Gruppe begrüßte, schaute man sich das beeindruckende historische Trenck-Festspiel an. Mittlerweile war auch Pfarrer Markus Urban, ein gebürtiger Waldmünchner, zu "seinen" Markträten gestoßen und besuchte mit ihnen das Festspiel. "Reiseleiter" Maximilian Beer freute sich über die gute Beteiligung am gemeinschaftsbildenden Ausflug.
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