Notfallseelsorger Thomas Wunder berichtet - Betreuung nach belastenden Ereignissen
„Erste Hilfe für die Seele“

Thomas Wunder weiß, was die Seele quält. Bild: mad
Vermischtes
Schwarzhofen
07.11.2016
8
0

Zu einem beeindruckenden Referat lud der Pfarrgemeinderat der Pfarreiengemeinschaft Schwarzhofen-Dieterskirchen in Zusammenarbeit mit der Katholischen Erwachsenenbildung ins Pfarrheim Schwarzhofen ein. Ein Notfallseelsorger und Mitarbeiter des BRK-Krisen-Interventionsteams Weiden/Neustadt, Thomas Wunder, berichtete über seine Arbeit.

Er führte als Einstieg ein schockierendes Video über ein Unfall-Szenario vor. Danach stellte er das Nachsorge-Einsatz-Team-Zoll (NETZ) vor, ein flächendeckendes, bundeseinheitliches Nachsorge-Team, das die psychosoziale Betreuung nach belastenden Ereignissen vorsieht. Hierfür stehen besonders geschulte Kollegen (Peers) zur Verfügung. Grundsätze für die Arbeit sind absolute Vertraulichkeit und Verschwiegenheit, möglichst zeitnahe Unterstützung, Beratung und freiwillige Inanspruchnahme. Die Peers haben Zeugnisverweigerungsrecht und kommten beispielsweise dann zum Einsatz, wenn es um einen Tod geht oder schwere Verletzungen. Als Beispiele führte Wunder das Zugunglück in Bad Aibling an oder den Fall, wo ein Großvater den eigenen Enkel versehentlich mit dem Traktor überfuhr. Auch bei Bedrohung des eigenen Lebens, Schusswaffengebrauch und jeglicher Form schwerer Gewalterfahrung seien Helfer zur Stelle. Wunder führte aus, dass es eine ungeheure Vielfalt von Unglücksfällen gebe, es sei ein Spektrum mit unglaublichen Facetten. Er selbst habe schon "fast alles" erlebt und sei im Monat im Durchschnitt zehnmal im Einsatz. "Es kann jeden treffen", stellte er heraus. Betroffene reagieren dabei seiner Erfahrung nach sehr unterschiedlich: Manche sind still, andere reden viel oder laufen ziellos herum. Auch Appetitlosigkeit und erhöhter Konsum von Alkohol oder Zigaretten seien Symptome. Und die Gefühlspalette reiche von Zorn und Wut bis hin zu Erschöpfung, Angst, Hilflosigkeit oder gar Verzweiflung.

Durch frühzeitige Beratung könnten Belastungsreaktionen und Störungen verhindert oder gemildert werden. Die Peers unterstützen bei der Stressbewältigung, sprechen mit Arbeitgebern, betreuen auch die Angehörigen und vermitteln weitere Hilfsangebote. Auch bei Schulungsmaßnahmen sind die gefragt.
Weitere Beiträge zu den Themen: Pfarrgemeinderat (40)Notfallseelsorge (6)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.