Vortrag über Johann Nepomuk von Ringseis
Aus Gaststube in höchste Ämter

Das Gemälde "Kronprinz Ludwig in der spanischen Weinschenke in Rom" bekam vor Jahren das Schwarzachtaler Heimatmuseum in Neunburg gestiftet. Neben dem bayerischen Thronfolger (am oberen Ende des Tisches, links) findet sich auch sein Leibarzt Dr. Johann Nepomuk Ringseis auf dem Bild. Er hält ein Buch in der Hand und hebt gerade sein Glas. Repro: ppn
Vermischtes
Schwarzhofen
27.01.2016
91
0
 
Ortsheimatpfleger Alfred Wolfsteiner schilderte Kindheit und Jugend des berühmten Schwarzhofeners. Bild: mad

Der "Wirts-Bou" steckte schon im Kindesalter die Nase in Bücher, später war er Mitglied der bayerischen High Society des 19. Jahrhunderts. Johann Nepomuk Ringseis legte eine steile Karriere hin. Seine Jugendjahre in Schwarzhofen rückte Ortsheimatpfleger Alfred Wolfsteiner in den Mittelpunkt eines Vortrags.

Das Thema "Johann Nepomuk Ringseis - seine Kindheit und Jugend in Schwarzhofen" stieß auf großes Interesse. Auch aus Neunburg und anderen Orten waren Zuhörer der Einladung der Katholischen Landvolkbewegung (KLB) ins Pfarrheim gefolgt. Unter den Gästen befanden sich auch Ehrenbürger Ernst Hanauer sowie der frühere Rektor Carl-Maria Böhm.

Ortsheimatpfleger und Referent Alfred Wolfsteiner ging zunächst auf seine beiden aktuellen "Ringseis-Projekte" ein. So werde der Text dieses Vortrags im April im neuen Landkreisbuch abgedruckt, außerdem erscheine im Herbst - in der Reihe "Kleine bayerische Biografien" des Regensburger Pustet-Verlages - sein Buch über den berühmten Schwarzhofener. Doch könnten auf 144 Seiten sein Geburtsort und seine Jugend im Kreise der Familie nur in sehr kleinem Umfang gewürdigt werden.

Erinnerungen erfasst


Eine sehr gute Quelle über Ringseis' Leben seien seine in vier Bänden erschienenen "Erinnerungen". Mit der Erfassung hatte seine Tochter Emilie begonnen, später - bereits im hohen Alter von 90 Jahren - ergänzte Johann Nepomuk Ringseis die Aufzeichnungen. Nach seinem Tod vervollständigte wiederum die Tochter die Erinnerungen aus Aufzeichnungen und persönlichen Erlebnissen und publizierte sie von 1886 bis 1891 in vier Büchern.

Unter Historikern genießen die Aufzeichnungen einen hohen Stellenwert - "keine seriöse Publikation über die Geschichte Bayerns kommt an den ,Erinnerungen' vorbei", verdeutlichte Alfred Wolfsteiner. Schwarzhofen könne sich glücklich schätzen, denn auf den ersten 20 Seiten lieferte Ringseis eine authentische Beschreibung des Ortes für die Zeit um 1800.

Als Arzt, Professor, Rektor der Universität München und oberster Medizinalbeamter hatte Ringseis mit fast jeder Person, die im Bayern des 19. Jahrhunderts etwas zu sagen hatte, irgendwann zu tun. Er verkehrte beispielsweise mit dem späteren Regensburger Bischof Johann Michael Sailer, den Dichtern Achim von Arnim, Clemens Brentano und Goethe, den Brüdern Grimm, dem Rechtsgelehrten Karl von Savigny, den Philosophen Schelling, Bader und Feuerbach und vielen Künstlern seiner Zeit. Den Kronprinzen Ludwig, den späteren König Ludwig I., begleitete er als "Reisearzt" zwischen 1817 und '24 drei Mal nach Rom. Später überzeugte er ihn von der Notwendigkeit, die Universität von Landshut nach München zu verlegen.

Wolfsteiner ging auch auf die Jugend Ringseis' ein, der 1785 im Wirtshaus "Zum Goldenen Stern" (heute im Besitz der Familie Gillitzer) das Licht der Welt erblickte. Er lieferte viele Zitate zu Kindheitserinnerungen, in denen Ringseis die Geschichte seines Heimatortes und seiner Umgebung schilderte. Auch geografische, soziale, wirtschaftliche und familiäre Gegebenheiten blieben nicht ausgespart. Sein Vater war Kommandant der Landwehr und Bürgermeister, starb aber mit 42 Jahren schon sehr früh. Seine Mutter, die zehn Kinder auf die Welt brachte, sei "die Seele des Haushalts" gewesen. Sie erledigte alle Rechnungen im Kopf, war belesen und gastfreundlich, und verköstigte Schul- und Studienfreunde, die in den Ferien in Schwarzhofen gastierten.

Immer wieder daheim


Auch über sich berichtet Ringseis, der später in den Adelsstand erhoben und seinem Namen ein "von" hinzufügte, ausführlich - unter anderem habe er schon von klein auf viel gelesen. Im elterlichen Wirtshaus habe reges Leben geherrscht: Bergleute, böhmische Händler, Pilger und Mönche aus Oberpfälzer Klöstern verkehrten im Wirtshaus, Boten brachten Nachrichten bis aus Wien oder von noch weiter her. Während seiner Seminar- und Studienzeit kehrte Ringseis gerne immer wieder dorthin zurück.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.