Speichersdorfer Kindergarten: Schnullerbaum übernimmt pädagogische Aufgabe
Ein Baum trägt seltsame Früchte

"Da hängt meiner": die Kinder und ihr Schnullerbaum. Bild: hia
Kultur
Speichersdorf
09.04.2015
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Im Speichersdorfer Kindergarten an der Breslauer Straße sind die Kinder plötzlich ganz heiß, ihren Schnuller herzugeben. Eine Idee aus Dänemark macht's möglich.

Beim Kindergarten Breslauer Straße trägt ein Baum schon Früchte - ganz komische obendrein. "Bei uns hat der Schnullerbaum Einzug gehalten", erklärt Leiterin Kerstin Ruckdeschel das Gewächs im Garten. Der Baum erfülle eine pädagogische Aufgabe: Er soll den Kindern den Abschied vom Schnuller leichter machen. "Der Baum soll es den Kindern ermöglichen, sich gebührend vom Schnuller zu verabschieden." Die Idee stamme aus Dänemark. Dort sei sie in den 1920er Jahren entstanden. Nach Möglichkeit sollten Kinder bis zum 24. Lebensmonat vom Schnuller entwöhnt werden, sonst drohen Fehlstellungen von Zähnen, Kiefer und Zunge. Auch an Sprachfehlern kann der Schnuller Schuld sein, sagt Ruckdeschel. Da es aber für viele Kinder so schwer ist, sich vom "Seelentröster" zu trennen, soll der Verzicht mit positiven Erlebnissen leichter gemacht werden.

Der Schnullerbaum

Hier kommt der Schnullerbaum ins Spiel: Die "Dutzel" bleiben sichtbar, die Kleinen sehen auch, dass ihre Freunde ebenfalls verzichten. Wichtig sei, dass das Kind seinen Schnuller selbst an den Ast hängt. Im Anschluss erhält es ein Geschenk oder eine Urkunde. Ruckdeschel habe die Idee vor einem Jahr kennengelernt - im Fernsehen. Übers Internet erfuhr sie mehr. Ihr Kita-Team hatte sie schnell dafür begeistert. "Das schlug ein wie eine Bombe - selten habe ich bei einer Sache so begeisterte und spontane Kinder gesehen", so die Kita-Chefin. Alle wollten den Schnuller hinhängen. Die Dreijährigen aus der Kindergartengruppe haben alle Schnuller von zu Hause mitgebracht. Lena Hertel hatte zehn Stück dabei.

Jede Familie hat mitgemacht

Auch die Zweijährigen aus der Krippe haben ihr "Laster" aufgegeben. Keine Familie hat sich verweigert, so Ruckdeschel. "Es fällt den Kleinen einfach leichter, sich so vom liebgewonnenen Schnulli zu trennen." Zumal er ja gar nicht ganz weg ist, so Erzieher Peter Lauterbach. Die Kinder gehen täglich am Baum vorbei und sagen "Das ist meiner!". Kurz vor Ostern war es nun wieder soweit: Unterstützt von den Erziehern und Kinderpflegern rückten die Kinder mit einer Leiter an und bestückten freie Äste mit ihren Schnullern. Die nächste Aktion ist zu Beginn des Kindergartenjahres geplant. "Im Herbst werden wir die 100er Marke knacken", prophezeit Peter Lauterbach.
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