Zwischen Lachen und Schaudern

Den Beatles-Klassiker "Yellow Submarine" bekommt man bei den Well-Brüdern Karl, Stofferl und Michael (von links) sowie Gerhard Polt (rechts) auf Alphörnern geblasen - und das Publikum in der ausverkauften Sportarena in Speichersdorf hilft gerne mit. Bild: Würth
Kultur
Speichersdorf
26.10.2015
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Zwei Namen füllen Säle: Am Freitag gelingt es Gerhard Polt und den "Well-Brüder aus'm Biermoos" in der Sportarena Speichersdorf. Den Vieren sind die Bühnen-Jahrzehnte anzumerken, wenn auch nicht auf dieselbe Art und Weise.

Um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: Die Biermösel-Nachfolger sind gut, besser als der Kleinkunst-Durchschnitt. 1100 Besucher bekommen im Oberfränkischen, wofür sie bezahlt haben: gute Unterhaltung. Aber der Well-Brüder-Auftritt lebt von der Geschichte, Neues gibt es kaum. Anfangs und zum Schluss fliegen Gstanzl-Spitzen in Richtung Lokalprominenz. Am Freitag trifft es den Bürgermeister-Sohn, weil er Papa immer so brav um Erlaubnis fragt. Der Dorfpfarrer bekommt wegen der Körperfülle sein Fett weg.

Hochwürden sitzt im Publikum und beweist Humor. Die Zeiten sind vorbei, in denen Geistliche ihre Schäflein vorm Well-Konzert warnten. Genau wie jene, in denen das Trio neben Unterhaltung auch Kunst und Kritik auf höchstem Niveau bot. 2012 trennte sich Hans Well von Michael und Christoph, angeblich weil ihm die Blosn zu unpolitisch und beliebig geworden war. Die beiden machen seither als Well-Brüder weiter. Den Textschreiber Hans ersetzt Karl, der auf der Bühne für den Klamauk zuständig ist. Eine Bauchtanzeinlage beweist, dass er sich nicht hinter dem Dorfpfarrer verstecken muss oder kann.

"Literpreis von Forty Cent"

Dazu gibt es Biermösl-Klassiker: Kritik an Seehofer, CSU, Polizei, Bauernverband. Ein Instrumentalstück lässt Stofferl Well zeigen, dass er es als klassischer Solo-Trompeter weit hätte bringen können. Auf Alphörnern spielt das Trio "Yellow Submarine". Höhepunkt ist Stofferls Bayern-Rap-Einlage. Für Milchbauern fordert er einen Literpreis von Forty Cent" weil sonst "der Aldi brennt". Die Wells bieten eine gute Show, die sie so ähnlich schon oft und manchmal auch schon besser geboten haben.

Außergewöhnlich gut

So muss Gerhard Polt dafür sorgen, dass die drei Stunden inklusive halbstündiger Pause nicht nur gut, sondern außergewöhnlich werden. Auch Polt ist nicht mehr jung. Maurice-Eugene, Geofrey und Celena heißen nicht mehr die Kinder seiner Figuren, inzwischen sind es Enkel. Die schwarzen Nike-Turnschuhe zum Trachtenjanker zeigen, dass es der 73-Jährige bequem und weich mag - bei der Kleidung. Sonst bleibt er hart und böse.

Die Bühne füllt er mit seiner Stimme, die wachsenden Furchen im Gesicht verleihen zusätzliche grantige Ausdruckskraft. Vor allem aber sind seine Figuren jung geblieben, man kann sich vorstellen und befürchtet, dass es diese Menschen gibt, dass sie am Leben sind, in Bayern oder sonst wo. Mit treuen Augen beteuert der nur bedingt fiktive Landrat von Miesbach benediktinisch säuselnd, dass er doch nur zum Wohl von Land und Leuten so dermaßen korrupt war. Der Feuerwehr-Vorstand versteht nicht, weshalb die Lokalreporterin so schlecht vom Wehr-Jubiläum berichtet hat, bloß weil der gammelige Rollbraten Besucher ins Krankenhaus brachte. Ein Großvater erklärt dem "Burli", dass es den Zweiten Weltkrieg gar nicht gebraucht hät', wenn Deutschland den Ersten gewonnen hätte. Polts Figuren lassen ahnen, weshalb die Welt nicht so schön ist, wie sie sein könnte.

Lachen und Schaudern

Im Well-Polt-Wechsel vergeht der Abend zwischen Lachen und Schaudern. Er endet mit langem, lauten Beifall und zwei Zugaben. Das bayerisch-afrikanische Crossover ist auch schon länger Teil des Programms, vermutlich weil der afrikanisch singende und tanzende Polt die Gäste immer noch so gut unterhält. Weniger als gute Unterhaltung bot der Abend zu keiner Zeit. Es spricht nicht dagegen, dass die vier noch lange so weitermachen.
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