Als Christ Vorbild sein

Birgit Pfaller (rechts) aus Regensburg erklärte den Besuchern bei ihrem Vortrag, wie sich Papst Franziskus die Kirche vorstelle. Bild:hia
Lokales
Speichersdorf
19.09.2015
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Birgit Pfaller aus Regensburg wagte sich an ein sowohl interessantes als auch schwieriges Lebensprofil, das wie kaum ein anderes von Persönlichkeit und Amt geprägt ist. Der katholische Frauenbund hatte zur Auseinandersetzung mit dem Thema "Auf dem Weg mit den Menschen! - Wie Papst Franziskus sich die Kirche vorstellt!" eingeladen.

Allein die Vielzahl der Publikationen zeige das Interesse an diesem Papst, betonte die Referentin zu Beginn der Veranstaltung. "Wie wünsche ich mir die Kirche?", fragte sie in die Runde. Von "passt schon" bis zu Wünschen nach einer weiblicheren, menschennäheren Kirche war alles zu hören. Doch wie stehen die Gläubigen zu dem, was Papst Franziskus über die Kirche und die Christen denkt?

Geprägt durch Erfahrungen mit Militärdiktatur habe der frühere kirchliche Hardliner immer mehr die Barmherzigkeit und die armen Menschen in den Mittelpunkt gestellt. Neben seinem einfachen Lebens- und Führungsstil und seiner leicht verständlichen Sprache würden ihn vor allem seine Fähigkeit auszeichnen, anderen Menschen zuhören zu können, die Teilhabe am Leben der "einfachen" Leute und seine positive Lebenseinstellung.

Auf besonderes Interesse stoße bei ihm, was die Menschen in Fragen der Ehe und Familie auf den Nägeln brennt. So strebe Franziskus eine andere Lösung für geschiedene Personen an, die wieder heiraten möchten. Bischöfe sollten laut Franziskus vermehrt in die Leitung der katholischen Kirche einbezogen werden: "Zentralisierung kompliziere das Leben in der Kirche mehr als es zu erleichtern und zu beflügeln."

Die Verkündigung der Botschaft, dass Gott jeden Menschen liebt, sei für Papst Franziskus das wichtigste Anliegen der Kirche, betonte Pfaller. "Die Christen haben die Pflicht, das Evangelium ausnahmslos allen zu verkünden, nicht wie jemand, der eine neue Verpflichtung auferlegt, sondern wie jemand, der eine Freude teilt", schreibt der Papst in Evangelii gaudium.

Das Evangelium solle Freude bringen. Es befreie von Sünde, Traurigkeit, innerer Leere und Einsamkeit. Franziskus möchte die Gesellschaft, den Menschen evangelisieren mit dem Ziel, dass jeder Botschafter der Freude des Evangeliums werde. Ein Beweggrund dafür sei die Liebe Jesu, die die Menschen erfahren haben.

Erster Auftrag wäre, in sich selbst diese Freude greifen zu lassen, zu entdecken, dass der Mensch von Gott geliebt ist. Das Jammern über leere Kirchen darf Verkünder nicht traurig und mutlos werden lassen. Sie müssten vielmehr von der Gelassenheit und Hoffnung getragen werden, die der Glaube gibt.

Auch sei sich Franziskus sicher, dass das Evangelium dazu beitrage, dass die Menschen im Glauben ständig wachsen und mit ihrer Lebensweise auf die Liebe Gottes antworten. Um diese Gläubigen müsse sich die Seelsorge zuvorderst kümmern. Erst in zweiter Linie um diejenigen, die es mit der Taufe nicht so ernst nehmen. Dennoch sollten auch die, die dem Glauben fern stehen, mit in die Gemeinschaft eingebunden werden.

Franziskus ermutige auch, als Christ vorbildhaft zu leben. Jeder solle aufbrechen, die Initiative ergreifen, sich einbringen, begleiten, Frucht bringen und feiern. In Selbstbewahrung zu verharren sei völlig falsch. "Jesus habe nicht Angler berufen, sondern Fischer, die nicht warten, dass ein Fisch anbeißt, sondern die die Netze auswerfen", sagte Pfaller in einem Vergleich. Wichtig sei, das Evangelium zu leben.

So könne kirchliche Erneuerung viele Gewohnheiten und kirchliche Struktur verwandeln. "Der Mensch und die Kirche müssen in erster Linie aus dem Herzen des Evangeliums leben, nicht in erster Linie aus Vorschriften und Regeln", betonte Franziskus. Zu hoffen bleibe nur, dass auch die Amtsträger der Institution Kirche allmählich beginnen, in ihrer Entscheidungsfindung diesen Grundsatz zu beherzigen und umzusetzen. Für Frauen sollen die Räume weiter werden, sie sollen wirkungsvoller mitentscheiden können. Hat Franziskus hier schon was bewirkt? Gelungen sei ihm, Mut zu machen und einen Umdenkungsprozess einzuleiten, ist sich die Referentin sicher.

Übertriebene Disziplin und Rechtgläubigkeit einzufordern und neue Gedanken zu verpönen sei der falsche Weg, beteuerte der Papst. "Mir ist eine Kirche lieber, die etwas falsch macht, weil sie überhaupt etwas tut, als eine Kirche, die krank wird, weil sie sich nur um sich selbst dreht."
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