Fernwärme rückt näher

Als eines von vier gemeindlichen Gebäuden wird auch das Speichersdorfer Rathaus ans Fernwärmenetz angeschlossen. Bild: ak
Lokales
Speichersdorf
10.07.2015
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Die Gemeinde baut ihr eigenes Fernwärmenetz für kommunale Gebäude. Mit 14:4 Stimmen bestätigte der Gemeinderat das erste große Investitionsprojekt der gemeindeeigenen Gesellschaft Bioenergie Speichersdorf.

Trotz mancher Bedenken kommt in Zukunft die Wärme für Werner-Porsch-Schule, Sportarena und Rathaus von einer neuen Biomasseheizung. Diplomingenieur Josef Konradl vom Zentrum für rationelle Energieanwendung und Umwelt GmbH aus Regensburg (ZREU) sowie Dr. Diana Hehenberger-Risse stellten das Konzept dem Rat vor.

Knapp 600 000 Euro

"Unser großes Projekt einer Nahwärmelösung für Speichersdorf-Mitte konnten wir nicht rentabel umsetzen. Jetzt liegt eine neue gute Lösung auf dem Tisch", berichtete Bürgermeister Manfred Porsch. Konradl erläuterte, dass der Zeitpunkt für die Umsetzung günstig ist: Gute Förderprogramme, das Zinstal, die Einsparung der Mehrwertsteuer helfen beim Bau der Hackschnitzelanlage an der Schule. Die Heizung dort sei ohnehin sanierungsbedürftig.

Der Aufsichtsrat der Bioenergie Speichersdorf hat deshalb beschlossen, die Fernwärmelösung zu verwirklichen. Als einzige Gesellschafterin war nun die Kommune gefragt. Konradl erläuterte, dass der Gesamtwärmebedarf der vier Liegenschaften bei 1005 Megawattstunden (MWh) liegt. Davon entfallen auf Schule und Sportarena allein 920 MWh. Die Nahwärmelösung soll rund 594 000 Euro netto kosten, der Plan sieht 38 000 Euro Zuschuss vor.

Geplant ist der Einbau eines 500-Kilowatt-Biomassekessels in der Schulheizung mit Kosten von 125 000, eines Gasspitzenlastkessels mit 45 000 und ein Biomasselager (6 x 6 x 3,5 Meter) mit 50 000 Euro. Weiter werden eine 240 Meter lange Fernwärmeleitung zum Rathaus (72 000 Euro), Pumpen und E-Installation (64 500 Euro), Pufferspeicher (25 000 Euro), Schornsteinnachrüstung (40 600 Euro) bei Planungskosten von rund 55 000 Euro und sonstigen Baukosten von 116 400 Euro benötigt.

Als Jahreswärmekosten mittels Nahwärme ermittelte das ZREU rund 96 000 Euro für rund 1000 MWh, die einen speziellen Wärmepreis von 95 Euro/MWh ergeben. Nach der Erhebung Konradls ist die Versorgung der Anlage mit Hackschnitzel aus dem umliegenden Wald gewährleistet. Rund 380 Tonnen, das sind 1500 Schüttraummeter, werden pro Jahr in den 120 Kubikmeter fassenden Hackschnitzelbunker gefüllt. Dazu sind bis zu 20 Füllungen durch Waldbauern erforderlich.

"Unser Vorteil ist neben den ökologischen Aspekten, der Einhaltung umwelttechnischer Normen, auch die bereits zwischen Schule und Sportarena verlegte Nahwärmeleitung, die auch das Heizwasser für das Rathaus transportieren kann", erklärte Konradl. Hinzu kommen die regionale Wertschöpfung, Brennstoffkosteneinsparung, keine Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen und -preisen und die Nachhaltigkeit für kommende Generationen.

Kritik an Kalkulation

In der Diskussion fragten Gemeinderat Hans Schmid (FWG) kritisch nach den Investitions- und Norbert Veigl (CSU) nach den in der Rechnung enthaltenden Brennstoffkosten. Günther Vogel (CSU) sah Probleme bei der Hackschnitzelversorgung, dem Personalmehraufwand und der CO2-Bilanz. Wolfgang Hübner (CSU) kritisierte den Zeitpunkt der Entscheidung. Er rechne mit steigenden Zuschüssen. Außerdem seien die Wärmekosten zu hoch.

Christian Porsch (UBV) verwies auf den ökologischen und volkswirtschaftlichen Nutzen der neuen Nahwärmelösung. Diese setzt auch das kommunale Energiekonzept um und entspricht den Energieeinsparungsrichtlinien, ohne deren Einhaltung keine Sanierung möglich ist. Für Gemeinderat Franc Dierl (CSU) war wichtig, dass keine Steuergelder der Kommune in das Projekt fließen. Mit 14:4 Stimmen erteilte der Gemeinderat seine Zustimmung.
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