"Für Leib und Seele"

Die Lacher auf ihrer Seite hatten Klaus Singer und Edeltraud mit ihrem Sprechstunden-Sketch. Bild: hia
Lokales
Speichersdorf
25.09.2015
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Es war ein Kommen und Gehen - einen Nachmittag lang hatte die Diakoniestation anlässlich ihres 50-jährigen Bestehens ihre Pforten zu einer kleinen Feierstunde am Rathausplatz 9 geöffnet. Viele Bürger nutzten die Gelegenheit, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen.

Nach einer kleinen Feierstunde in der Christuskirche und im evangelischen Gemeindehaus (wir berichteten) wurde in und vor den Räumlichkeiten im Herzen Speichersdorfs weitergefeiert. Seit 2014 ist hier das neue Zuhause sowie die Anlaufstelle der Diakonieschwestern im Diakonieverein.

Neben den Ehrengästen und Familienangehörigen betreuter Patienten nutzten viele Bürger die Gelegenheit, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Sämtliche Schwestern und ehrenamtliche Helfer der Diakoniestation um Leiterin Maria Reiß waren in einheitlichen lila T-Shirts mit dem Diakoniekreuz auf der Brust aufmarschiert. Mit viel Mühe zum Detail bei der Dekoration rund um das Thema Sonnenblume hatten sie für eine Wohlfühlathmosphäre gesorgt.

Sie standen nicht nur Rede und Antwort zu ihrer Arbeit im Pflegealltag. Die Mitarbeiterinnen bedienten auch die Besucher, für die sie ein Büfett mit selbst gebackenen Kuchen erstellt hatten. Im Inneren der Station lief eine mehrstündige Bilderpräsentation, die den Gästen einen Einblick in das breite Tätigkeits- und Angebotsspektrum der Diakonie vermittelte. Stationsleiterin Maria Reiß hatte dazu mit einer eigens geschriebenen Chronik für einen Blick in die Geschichte gesorgt. "Es gibt kaum ein beglückenderes Gefühl, als zu spüren, dass man für andere Menschen etwas sein kann", zitierte sie bei ihrem Rückblick den evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer.

Es war in den 50 Jahren nicht alles eitler Sonnenschein, betonte sie. Mit der Diakonisse Luise Elsässer, die im Oktober 1965 ihre Arbeit aufnahm, habe man einen Glücksgriff gemacht. "Mit Leib und Seele für Leib und Seele" habe sie bis 1981 alles gegeben, was ihr möglich gewesen sei. In den Folgejahren wurden weitere Medizinische Geräte angeschafft, Pflegekurse organisiert, mehrere Pflegeschwestern angestellt. 25 Jahre ging es bergauf.

Im Laufe der 50 Jahre wurde die häusliche Pflege aufgebaut Mit der Anzahl der zu versorgenden Menschen habe sich auch die Zahl der Beschäftigten erhöht, resümierte Reiß. Interne Schwierigkeiten Ende der 80er Jahre, in deren Folge mehrere Pflegekräfte die Station verließen und ein Konkurrenzunternehmen gründeten, hätten um ein Haar zur Auflösung der Station geführt. Einzig Schwester Elisabeth Nickl sei 1989 dem Diakonieverein treu geblieben und habe die Arbeit unter großen Anstrengungen wieder aufgebaut. Ende 1990 konnte die Diakoniestation wieder vier Pflegekräfte verzeichnen. In dieser Zeit wurden durchschnittlich 20 Patienten betreut.

"Kaffeeklatsch" seit 2010

Ein weiterer Höhepunkt war im Jahr 2006 die Erweiterung des Angebots mit "Essen auf Rädern", sowie 2008 Schulungen von ehrenamtlichen Helfern, um Angehörige demenzkranker Menschen zu entlasten. Zusätzliche Schulungen folgten 2010 und 2015. Der allseits beliebte "Kaffeeklatsch" wurde 2010 ins Leben gerufen, berichtete Reiß. Dabei handelt es sich um einen Betreuungsnachmittag für demenzkranke, depressive und einsame Menschen, der jeden ersten und dritten Dienstag im Monat im Gemeindehaus stattfindet.

Derzeit werden circa 45 Patienten von sieben Pflegefachkräften und zwei Hauswirtschafts- bzw. Pflegehilfskräften gepflegt. "Täglich sind morgens drei Schwestern und eine Hilfskraft mit den vier Fahrzeugen unterwegs", betonte die Leiterin. Mittags wird das Essen auf Rädern am Luise-Elsässer-Haus abgeholt und an die Patienten verteilt.

Der Spätdienst beginnt am Nachmittag und endet nach 20 Uhr. Dem Team galt der besondere Dank für die erfolgreiche Zusammenarbeit. "Es war bestimmt nicht immer leicht bei den sich ständig ändernden Vorgaben der Krankenkassen und Gesetzgebung, seien es die ausufernden Dokumentationen oder die MDK-Prüfungen seit 2010", erklärte Reiß.

Derzeit richten sich alle Anstrengungen auf die Tagespflege als Erweiterung der Betreuungsnachmittage. "Wir sehen den Bedarf, weil wir mitbekommen, dass Menschen, die den ganzen Tag alleine sind, immer mehr den Antrieb verlieren." Aktuell hake es an Räumlichkeiten und ausreichenden Finanzmitteln. Um für die Unterstützung des Projektes Tagespflege vor allem für Sponsoren zu werben, hatten sich die Schwestern etwas Besonderes einfallen lassen. Sie hatten dazu einen Sketch geschrieben: Eine Interessentin (Carina Volkmann) drängte bei Stationsleiterin Maria Reiß auf die schnelle Realisierung, um die Vorzüge in Anspruch nehmen zu können.

Wie es der Zufall so wollte, klopfte ein Bürger, der seinen Aktenkoffer voll Geld lieber der Diakonie zur Verfügung stellte, als es zinslos auf der Bank dahinvegetieren zu lassen. Die Lacher auf ihrer Seite hatten in einem zweiten Sketch auch Klaus Singer und Edeltraud mit ihrer Arztsprechstunde. Bei der 345. OP hoffte der dem Alkohol nicht abgeneigte Herzchirurg auf seinen ersten erfolgreichen Eingriff.
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