Jenia Dewald feiert in Speichersdorf 80. Geburtstag
Arm, aber glücklich

Jenia Dewald (rechts) ist laut Dolores Longares-Bäumler seit 20 Jahren eine Stütze der Integrationsarbeit in Speichersdorf. Mit den besten Wünschen verband die Caritasmitarbeiterin ein herzliches Dankeschön. Bild: hia
Lokales
Speichersdorf
16.01.2015
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"So wichtig, dass für mich eine Musikkapelle aufspielen müsste, bin ich nicht!" Ganz Bescheiden feierte am Donnerstag Jenia Dewald 80. Geburtstag. Dabei hat sie sich bei der Integration der Spätaussiedler große Verdienste erworben.

1935 als viertes von fünf Kindern des Schmiedemeisterpaars Daniel und Antonia Zilke in Hauf, einem russlanddeutschen Dorf nahe Omsk in Sibirien, geboren, siedelte sie 1993 über Friedland und Oberstdorf nach Speichersdorf über. 1941 wurde sie von ihre Eltern und größeren Geschwistern getrennt, die nächstgrößeren Geschwister übernahmen die Erziehung. Nach vierjähriger Schulzeit begann die Arbeit auf einer Kolchose.

Am 30. Mai 1953 gab sie Gottlieb Dewald das Jawort. Kirchlich zu heiraten, war verboten, erinnert sich die Jubilarin, die heute zu den treuesten Kirchgängern der Christusgemeinde gehört. Auch deutsch sprechen durfte sie nicht, erzählt sie. 1955 bezog das Paar ein Haus und zog acht Kinder groß. Wie ihre Geschwister leben heute alle in Deutschland.

In der Sowjetunion erlebte sie viel Schikane. Deshalb sei es nach dem Fall des Eisernen Vorhangs klar gewesen, das Land zu verlassen. Binnen sieben Monate konnte sie mit 17 Familienmitgliedern ausreisen. Nach zwei Jahren in den Aussiedlerhäusern in der Neustädter Straße und drei weiteren Umzügen hat sie 2003 am Rathausplatz ihr Zuhause gefunden.

Hier ist die Jubilarin glücklich. Die einst zerrissene Großfamilie hat sich wiedergefunden. "Obwohl wir arm waren, waren wir immer zufrieden und glücklich." Neben ihrem kleinem Reich, dem Schrebergarten in der Bahnhofstraße, sei das Schönste, dass die Kinder verheiratet und versorgt sind, so die Jubilarin. Alle, acht Kinder, 22 Enkel und 18 Urenkel, werden da sein, wenn am Samstag im evangelischen Gemeindehaus das Glas auf die Jubilarin erhoben wird.
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